Psychologie der Vergebung: Ärgernisse loslassen, um voranzukommen

5. Februar 2018 en Psychologie 380 Geteilt
Trauriges Kind mit geschlossenen Augen

Die Psychologie der Vergebung zu praktizieren ist eine Form des Loslassens. Sie bezieht sich auf einen Akt großen Mutes, durch den die Menschen Groll beiseitelassen, der sie zerfrisst und gefangen hält, um akzeptieren zu können, was passiert ist, und sich so zu erlauben, in die Zukunft zu blicken. Sie bedeutet auch eine Umstrukturierung des Ich, einen psychologischen Weg, um Schäden und negative Emotionen zu analysieren, um nach und nach Frieden zu finden.

Sucht man nach Literatur zur Psychologie der Vergebung, findet man hauptsächlich Arbeiten und Dokumente, die mit persönlichem Wachstum, dem Studium der Moral und sogar mit der Welt der Religion oder Spiritualität zusammenhängen. Doch gibt es auch wissenschaftliche Studien darüber, was Vergebung ist, wie man sie ausführt und welche physischen und emotionalen Voraussetzungen zu erfüllen sind, um diesen Schritt zu tun?

„Die Schwachen können nicht vergeben. Vergebung ist ein Attribut der Starken.“

Mahatma Gandhi

Natürlich gibt es die. Tatsächlich hat die American Psychological Association mehrere Arbeiten dazu veröffentlicht, was es bedeutet, zu vergeben, und was nicht, und warum unsere Gesellschaft und diese Welt voller Konflikte nicht immer in der Lage war, voranzukommen und loszulassen: Vergebung ist eine Dimension, die der Schlüssel zu unserem mentalen Wohlbefinden ist.

Tatsache ist, und es ist nützlich sich daran zu erinnern, dass viele von uns etwas anderes haben könnten, als einen rostigen Nagel oder eine offene Rechnung aus der Vergangenheit, die unser gegenwärtiges Glück verhindern und unser Potenzial begrenzen, um uns eine viel befriedigendere Gegenwart aufzubauen. Jeder hält in irgendeiner Form an seinem Groll gegen etwas oder jemanden fest, obwohl es dringend nötig wäre, mit der Heilung zu beginnen. 

Frau wird von Flugzeugen umzingelt

Verzeihen, um die persönliche Abnutzung zu vermeiden

Der beste Weg, um in diesen Bereich der Psychologie einzutauchen, besteht darin, zu unterscheiden, was Vergebung ist – und was nicht. Zu Vergeben bedeutet eben nicht, uns selbst zu überzeugen, dass das, was in einem bestimmten Moment passiert ist, in Ordnung gewesen wäre, obwohl dem nicht so war. Es bedeutet auch nicht, zu akzeptieren oder sich mit der Person, die uns verletzt hat, zu versöhnen; noch weniger sollen wir uns dazu gezwungen fühlen, Nähe oder Mitleid mit dieser Person zu suchen bzw. zu haben.

Tatsächlich bietet uns die Psychologie der Vergebung die geeigneten Strategien, um die folgenden Schritte gehen zu können: Annehmen, dass die Dinge geschehen, wie sie geschehen sollen. Nichts, was in der Vergangenheit passiert ist, kann verändert werden. Deshalb müssen wir aufhören, zu grübeln, Energie, Kraft und Gesundheit darauf zu verschwenden, uns vorzustellen, was hätte sein können, wenn wir anders gehandelt hätten, wenn wir dies oder das gemacht hätten.

Zu vergeben bedeutet, zu lernen, loszulassen, ein neues Ich zu erfinden, das die Vergangenheit akzeptiert, aber die Stärke besitzt, die Gegenwart zu nutzen.

Die Psychologie der Vergebung sagt uns wiederum, dass wir nicht dazu verpflichtet sind, die Werte oder Gedanken der Person, die uns verletzt hat, zu verstehen oder zu akzeptieren. Zu vergeben heißt nicht, Gnade walten zu lassen oder Rechtfertigungen für unser Leiden zu suchen. Wir sollten niemals unsere Würde verlieren.

Es geht vielmehr darum, die Trauer und den Groll zu erleichtern, Schichten der Wut, die Intensität der Verzweiflung sowie die Blockade, die uns hindert, zu atmen, loszuwerden. Dazu müssen wir aufhören, denjenigen zu hassen, der uns Leid zugefügt hat.

Schnecke mit Löwenzahn

Andererseits gibt es einen wichtigen Aspekt, den wir normalerweise vergessen. Vergebung ist der Grundstein jeder Beziehung, sei es einer Partnerschaft, Freundschaft, etc. Wir dürfen nicht vergessen, dass nicht jeder die Dinge genauso sieht wie wir; tatsächlich gibt es so viele Wahrnehmungen, Ansätze und Meinungen wie Tage im Jahr.

Manchmal nehmen wir bestimmte Handlungen als Beleidigung oder Verachtung wahr, auch wenn das, was dahinter steckt, nur eine einfache Meinungsverschiedenheit oder ein Missverständnis ist. Um also damit aufzuhören, Verrat zu sehen, wo es gar keinen gibt, müssen wir in der Lage sein, unseren Sinn für Verständnis und unsere Fähigkeit der Vergebung zu verbessern.

Die Psychologie der Vergebung – Schlüssel zur Gesundheit

Dr. Bob Enright von der University of Wisconsin (Wisconsin, USA) ist einer der bekanntesten Experten im Feld der Psychologie der Vergebung. Nach mehr als drei Jahrzehnten der Analyse von Fällen, der Durchführung von Studien und dem Verfassen von diversen Büchern zu diesem Thema, konnte eine Schlussfolgerung gezogen werden, die unsere Aufmerksamkeit erregen sollte: Nicht jeder schafft es, nicht jeder ist fähig, den Schritt der Vergebung zu gehen. Der Grund dafür liegt in der Überzeugung, dass Vergebung eine Form von Schwäche sei.

Doch das ist falsch. Eine der besten Ideen, die uns die Psychologie der Vergebung aufzeigt, besteht darin, dass wir, wenn wir es tun, wenn wir den Schritt machen, wir uns erlauben, uns mit mehr Freiheit in der Gegenwart zu bewegen. Wir erhalten die Möglichkeit, unsere neuen Werte und Strategien, um Stress und Angst zu konfrontieren, in uns selbst zu verinnerlichen. Denn die Vergebung und die Verwandlung von Ärgernissen in Freiheiten ist ein Akt des Mutes und der Stärke.

Frau hält Schmetterling auf ihrer Hand

Dr. Enright erinnert uns auch daran, dass es viele Gründe gibt, die den Schritt in Richtung Vergebung rechtfertigen. Der beste von allen ist, dass wir dadurch gesünder werden. Es gibt viele Studien, die die enge Beziehung zwischen Vergebung und der Reduktion von Angstzuständen, Depressionen und anderen Störungen, die unsere Lebensqualität reduzieren, aufzeigen.

Eine Person, die Tag für Tag in Erinnerungen gefangen ist, in der Zermürbung des Ärgers und im beharrlichen Hass auf gestern, richtet ihre Konzentration auf ein bestimmtes Ereignis oder auf eine Person, was die Entwicklung von Unzufriedenheit und chronischem Stress verursacht. Niemand verdient es, so zu leben. Denn es gibt keine giftigere Emotion, als Wut in Verbindung mit Hass.

Darum sollten wir einige der folgenden Strategien in die Praxis umsetzen, um den Weg der Vergebung zu erleichtern:

  • Zu vergeben heißt nicht, zu vergessen, es bedeutet, zu lernen, besser zu denken und zu verstehen, dass wir nicht verpflichtet sind, eine Versöhnung zu ermöglichen, sondern zu akzeptieren, was passiert ist, ohne uns schwach zu fühlen, weil wir diesen Schritt wagen. Zu vergeben bedeutet, uns von vielen Lasten zu befreien, die wir nicht für immer mit uns tragen müssen.
  • Hass entzieht uns Energie, Kraft und Hoffnung. Wir sollten daher lernen, zu vergeben, um überleben zu können und mit größerer Würde zu leben.
  • Therapeutisches Schreiben und das Führen eines Tagebuchs können uns helfen.
  • Wir müssen verstehen, dass die Zeit allein nicht hilft. Wenn wir die Tage, Monate und Jahre verstreichen lassen, werden wir nicht aufhören, zu hassen, oder vergessen, was passiert ist. Lassen wir nicht zu, dass wir morgen den gleichen Ärger spüren wie heute.
  • Vergebung ist ein Prozess. Auch das müssen wir verstehen. Vielleicht ist es uns nicht möglich, der anderen Person je völlig zu vergeben, doch wir können einen Teil der Ärgernisse ablegen, um wieder freier atmen zu können.

Zusammenfassend kann gesagt werden, dass das Feld der Psychologie der Vergebung sehr weit ist und eine sehr enge Beziehung mit dem Bereich der Gesundheit und des Wohlbefindens hat. Es ist eine Disziplin, die uns fabelhafte Strategien bietet, die wir in jedem Bereich unseres Lebens, unserer Arbeit und unserer täglichen Beziehungen anwenden können.  Vergebung ist daher eine der besten Fähigkeiten und Tugenden, um sich als Mensch weiterzuentwickeln.

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