Depressionen und Angst sind keine Zeichen von Schwäche

· 30. Juli 2016

Depressionen und Angst sind keine Zeichen von Schwäche. Sie sind auch nicht Ergebnis einer persönlichen Wahl. Es liegt nicht an uns, zu entscheiden, ob wir diese psychischen Erkrankungen erleiden müssen oder nicht, so wie wir uns auch nicht aussuchen, einen Schnupfen zu bekommen oder an Krebs zu erkranken.

So funktionieren gesundheitliche Probleme nun einmal nicht. Niemand nimmt sich die Depression vor und sagt: „Ich fühle mich schlecht und springe nun in ein Meer aus Traurigkeit und Angst, um zu sehen, ob ich ertrinke.“  Deshalb sind weder die Depression noch andere psychische Probleme Zeichen von Schwäche, Unsicherheit oder geistiger Armut. Sie sind auch keine Zeichen des Aufgebens oder der Vernachlässigung.

In der Tat könnten wir sagen, dass sie Zeichen einer Auseinandersetzung sind, eines inneren Kampfes, in dem ungemütliche und schmerzliche Situationen, Verluste, schlechten Erfahrungen und Ungewissheit verarbeitet werden müssen. Und wir können auch sagen, dass die Erkenntnis, dass man aufgrund einer psychischen Störung Hilfe braucht, viel Mut benötigt.

Meer der Trauer

Depressionen und Angst sind nicht selbst gewählt

Es kann uns allen passieren: Du wachst eines Tages auf und alles hat für dich seinen bisherigen Sinn verloren, es gibt dann nichts mehr, das dich ermutigt oder motiviert. Es fällt dir schwer, aufzustehen und du fühlst dich zutiefst traurig oder gereizt. Oder vielleicht geht deine Atmung plötzlich schneller und du fühlst dich nicht mehr imstande, leichtfüßig durch’s Leben zu wandeln. Du fühlst dich von den Umständen überwältigt, empfindest dabei weder Stärke oder Antrieb.

Dieser Zustand kommt und geht oder bleibt. Vielleicht musst du mit dem Verlust einer dir nahestehenden Person klarkommen. Plötzlich hat etwas das Fass zum Überlaufen gebracht und du fällst in tiefe Verzweiflung. Dann beginnst du dich zu fragen, ob du möglicherweise einen Spezialisten aufsuchen solltest, um dir bestätigen zu lassen, dass du von einer tiefen Traurigkeit oder schrecklichen Sorgen heimgesucht wirst, die es dir unmöglich machen, mit dem Alltag fertig zu werden.

Frau mit Depressionen betrachtet sich im Spiegel und ertrinkt dabei fast

Du befindest dich also in diesem Zustand der Angst, der Depression oder beidem. Du ziehst dich zurück, verlässt das Haus kaum noch, kannst dich kaum motivieren, Aufgaben zu erledigen oder Aktivitäten nachzugehen, die dir zuvor leichtfielen. Alles fühlt sich also schrecklich an.

Aber es gibt einen Weg hinaus aus der Krise. Wenn du an diesem Punkt angelangt bist, brauchst du professionelle Hilfe, brauchst emotionale Unterstützung durch jemanden, der dich auf dem Weg zurück ins Leben leitet. Es ist wesentlich, im Prozess der Heilung diese Schritte zur Erkenntnis, dass Hilfe notwendig ist, zu gehen, um schließlich deine innere Balance wiederzufinden.

Sprüche, die uns nichts bringen

Wenn wir an Depressionen oder Angst leiden, verändern sich auch unsere Beziehungen zu den Menschen um uns herum. Für niemanden ist dies eine angenehme Situation. In der Tat wirst du dich manchmal mit Unverständnis oder bösen Kommentaren konfrontiert sehen, mit kritischen oder negativen Äußerungen: „Du bist so, weil du es wolltest.“ – „Komm schon, raff‘ dich auf und mach etwas aus deinem Leben.“ – „Du Faulpelz!“ – „Du bist für so einen Blödsinn zu alt.“ – „Heule nicht herum, so schlimm ist es nicht.“ – „Du bist ein Feigling.“ – „Stell dich endlich dem Leben und hör auf, Unsinn zu reden.“

Das verstärkt deine Traurigkeit, Apathie und Angst. Diese Kommentare und Einstellungen tragen noch weiter zu den negativen Gedanken bei, die sich in deinem Kopf tummeln. Deine Welt verfinstert sich dadurch noch mehr. Indirekt wird so der Weg geebnet, der dich noch weiter in die Isolation führt. So wird der Teufelkreis, der dich in diese Falle drängt, geschlossen.

Frau bettet sich auf Schnee und wird von der Dunkelheit verfolgt

In unserer Gesellschaft stoßen wir tagtäglich auf Unverständnis und Härte gegenüber emotionalem Schmerz. Tatsächlich ist die Vermeidung und Missachtung, die wir Themen psychologischer Gesundheit gegenüber zeigen, äußerst beängstigend. Genau so, wie wir niemals eine Wunde, die sich entzündet oder nicht aufhört zu bluten, ignorieren würden, sollten wir psychischen Schmerz nicht ignorieren. Wir müssen unseren emotionalen Wunden die Wichtigkeit zugestehen, die sie verdienen, denn auch psychisches Leiden kann geheilt werden.