Die Bedeutung der familiären Rollen

· 15. April 2019

Eine Familie ist sowohl ein organisiertes System, das die allermeisten Menschen von Geburt an begleitet, als auch der Kern einer jeden Gesellschaft. Hierbei handelt es sich um ein Kollektiv, in dem es Normen, Werte und bestimmte Verhaltensmuster gibt. Ebenso wie Hierarchien und familiäre Rollen, die jedem Mitglied, aus dem eine Familie besteht, einen Platz und damit verbundene Aufgaben zuweisen. Und all das spiegelt sich auch in der Gesellschaft wider.

Die Art und Weise, wie die Mitglieder einer Familie miteinander in Beziehung stehen, bestimmt auch, in welcher Form sie mit dem Rest der Gesellschaft interagieren. Jede Familie pflegt Vorstellungen davon, was gut ist und was nicht. Und ebenso davon, wie sich jedes Familienmitglied zu verhalten hat. Das ist es, was wir als familiäre Rollen bezeichnen: Die Funktion, die jedes Mitglied innerhalb dieses Kerns erfüllt.

Die Definition und die Umsetzung jeder familiärer Rolle ist sehr wichtig, sowohl für die psychische Gesundheit ihrer Komponenten, als auch für den Erhalt gesunder Beziehungen. Dies erscheint uns offensichtlich; das ist es in der heutigen Welt aber nicht mehr so sehr. Das Ergebnis ist eine Gesellschaft, in der die Hierarchien, der Respekt vor Autoritäten und die Grenzen des eigenen Ichs immer mehr verwischen.

Ein Baum als Symbol für die Familie

Die wichtigsten familiären Rollen

Innerhalb dieser familiärer Rollen ist die Rolle des (Ehe-)partners die grundlegendste und bestimmendste. Und es ist auch jene Rolle, die im Laufe der Zeit immer verwirrender wird. Sie definiert das Leben als Paar und umfasst die Bereiche, in die die Kinder nicht eingreifen, wie die Sexualität, die emotionale Begegnung der beiden und Entscheidungen, die die Familie betreffen.

Dann gibt es natürlich die mütterliche und die väterliche Rolle. Diese beiden Rollen hängen sehr stark vom kulturellen Umfeld ab und decken sich in vielen Teilen der Welt mit der des Partners. Es gibt jedoch einige Elemente, die in praktisch jeder Kultur für Eltern üblich sind:

  • Die mütterliche Rolle ist grundsätzlich affektiv und ihr Ziel ist es, das Kind zu schützen und zu unterstützen.
  • Die väterliche Rolle hingegen vermittelt in dieser Mutter-Kind-Dyade, erweitert deren Grenzen und zeigt auf, welche Limits nicht überschritten werden dürfen.

Die anderen beiden familiären Rollen sind die geschwisterliche und die kindliche Rolle. Die erste ist jene, die zwischen Geschwistern eingenommen wird und die Funktion erfüllt, eine kooperative Beziehung zwischen Brüdern und Schwestern zu ermöglichen. Die zweite Rolle entspricht der Bindung, die Kinder zu ihren Eltern eingehen, und hat besonders mit dem Respekt von Hierarchien und der Verinnerlichung des Autoritätsgefühls zu tun.

Probleme mit der Rolle der Partners

Was wir bisher beschrieben haben, ist das theoretische Schema der familiären Rollen. In der Praxis werden diese Rollen jedoch nicht immer so angenommen und respektiert, wie die Theorie dies vorgesehen hätte. Wenn das Paar beispielsweise mit seiner Verantwortung bricht und zulässt, dass die Kinder in die elterlichen Rollen eindringen können, so kann dies schwerwiegende Folgen haben.

Im Allgemeinen erfahren jene Kinder, die Zeugen von andauernden Konflikten zwischen ihren Eltern werden, große Schuld und auch Angst. Abhängig von der Intensität der Konflikte und dem Alter der Kinder, können diese Folgen mehr oder weniger ernst sein. In jedem Fall verliert jedoch einer oder auch beide Elternteile einen Teil ihrer Autorität.

Es ist auch nicht gut für die Kinder, wenn sie ihre Eltern wiederholt dabei beobachten, wie sie ihre Sexualität zum Ausdruck bringen oder wenn sie fortlaufend sexuelle Beziehungen miterleben. Dies kann für sie sehr verwirrend sein. Im Einzelfall sind die Folgen wieder abhängig vom Alter und den Informationen, die die Kinder bereits über dieses Thema haben. So können sie erschreckt, erregt oder verblüfft reagieren. In extremen Fällen beeinflussen solche Erlebnisse die Entwicklung der Kinder.

Bild einer Familie, die zerrissen wird

Die mütterliche und die väterliche Rolle

Neben den Rollen der Partner sind da noch die von Mutter und Vater. All diese Rollen sind sehr eng miteinander verbunden. Die ideale mütterliche Rolle ist versorgt das Kind und sein Herz mit Nahrung: Die Mutter ist diejenige, die sich sorgt, die den Kindern Zärtlichkeit bietet und sie emotional als auch körperlich streichelt.

Dennoch verwandeln einige Frauen ihre Kinder einzig und allein in Objekte ihrer Liebe. Sie verabscheuen und entwerten den Vater und schaffen gegenüber ihren Kindern eine besitzergreifende und überfürsorgliche Beziehung. Ebenso gibt es auch abwesende Mütter, die sich weigern, ihren Kindern eine wahre Mutter zu sein. In beiden dieser Fälle kann von emotionaler Vernachlässigung gesprochen werden.

Die väterliche Funktion oder auch die väterliche Rolle legt traditionell Grenzen fest und entscheidet, wann diese verändert werden können. Der Vater ist die dritte Partei, die diese Symbiose von Mutter und Kind reguliert. Er „rettet“ das Kind sozusagen vor der Beschränkung des ausschließlich mütterlichen Universums. Ein Vater, der nicht anwesend ist oder seine Rolle kaum erfüllt, macht es seinen Kindern schwer, zu definieren, was ihnen erlaubt und was ihnen verboten ist, auch im Bezug darauf, was legal und was illegal ist. Kinder, die mit solchen Eltern aufwachsen, haben oft Probleme damit, zu erkennen, wo ihre Grenzen liegen.

 Abschließend sei gesagt, dass die hier beschriebenen, klassischen familiären Rollen zwar immer noch in der Mehrzahl der Familien vorzufinden sind, dass sie aber immer flexibler besetzt werden. Diese Abkehr vom traditionellen Rollenbild ist zu begrüßen, solange die Bedürfnisse der einzelnen Familienmitglieder weiterhin erfüllt werden.

  • Alberdi, I. (2004). Cambios en los roles familiares y domésticos. Arbor, 178(702), 231-261.