Hyperkinder – Kinder unter übermäßigem Schutz und Stress

· 15. November 2018

Hyperkinder sind das Produkt der Hyperpaternität, einer neuen und immer häufiger auftretenden Dynamik, die wichtige Aspekte der Kindheit wie Spiel, die Beziehung zur Natur, Langeweile und die Konfrontation mit Problemen vernachlässigt. Eines Erziehungsstils, der auf Überbehütung, Übertreibung und Lob basiert.

Ein Hyperkind reagiert eher auf die Bedürfnisse anderer als auf seine eigenen. Hyperkinder gehen aus einer Generation mit wenig Zeit zur Selbstfindung und intrapersonellen Entwicklung hervor, weshalb sich viele in der Kindheit auszuprägende Persönlichkeitsmerkmale nur unzureichend entwickeln.

Was bedeutet der Begriff „Hyperkind“?

Die Begriffe „Hyperkind“ und „Hyperpaternität“ beziehen sich auf Eltern, die ihre Bemühungen darauf konzentrieren, ihre Kinder unter Kontrolle zu halten, weshalb diese sich von den ihrem Alter entsprechenden Aktivitäten distanzieren. Sie werden so wenig unabhängig von denen, die von ihnen erwarten, dass sie perfekt wären.

Der Begriff stammt aus den Vereinigten Staaten und bezieht sich auf das traditionelle Konzept des „verwöhnten Kindes“. Wie die Journalistin Eva Millet, Autorin von Büchern zu Hyperpaternität und scheinbar perfekten Hyperkindern, betont, werden Hyperkinder jedoch besonders von Eltern gestresst, die nicht mit verzogenen Kindern kämpfen müssen.

Junge klammert sich an seine Mutter als Symbol für Hyperkinder

Wie gestaltet sich das Leben der Hyperkinder?

Hyperkinder verbringen ihr Leben mit außerschulischen Aktivitäten, die sie nicht leidenschaftlich betreiben. Sie sind sich ihrer Mängel bewusst und werden von den Eltern wie eine Investition behandelt: Nachdem sie viel Geld und Mühe in die Erziehung ihrer Kinder investiert haben, erwarten sie nun, dass dieser Wert im Erfolg ihrer Kinder zum Ausdruck kommen werden müsse.

Nun ist den Kindern klar, dass sie dem nicht gerecht werden können, und dieser Druck wirkt sich auf allen Ebenen auf sie aus. So wird ihr Leben zu einer stressigen Angelegenheit, in denen es Priorität hat, die Erwartungen anderer zu erfüllen.

Doch es gibt auch eine andere Seite der Medaille: Die Hyperkinder rücken in den Familien zunehmend in den Mittelpunkt der Aufmerksamkeit. Wie Millet betont, „geht man in die Häuser und da hängen Fotos, nicht von den Großeltern, sondern von den Kindern, die mehr denn je die Könige des Hauses sind. Das hat damit zu tun, dass ein durchschnittliches Paar nur noch 1,3 Kinder hat und früher, als die Familien noch wesentlich größer waren, das einzelne Kind nicht so viel Aufmerksamkeit erhalten hat. Früher wurden sie vielleicht wie Möbel behandelt, heute sind sie Altäre.“

Diese Überreizung erzeugt bei den Kindern ein Autoritätsgefühl, das für ihre persönliche Entwicklung nichts Gutes bedeutet. Denn dadurch sind sie nicht in der Lage, ihre Emotionen zu managen, werden leicht frustriert, leiden unter der Angst ihrer Eltern … Kurz gesagt, sie werden zu dem, was Millet „Hyperkinder“ nennt, zu abhängigen Kindern, die ohne die Hilfe ihrer Eltern nichts tun können.

Aber was braucht ein Kind dann?

Es ist schwierig, allgemeine Bedürfnisse von Kindern zu bestimmen, denn als Individuen haben sie eigene Ambitionen, Wünsche und Erwartungen. Eines ist jedoch klar: Sie üben sich immer noch in der Auseinandersetzung mit der realen Welt, und wir können nicht das von ihnen verlangen, wie wir von einem Erwachsenen verlangen würden.

Deshalb sollten die Ambitionen der Eltern nie auf die Kinder projiziert werden: An den Universitätsabschluss zu denken, den sie machen werden, wenn sie noch nicht 10 Jahre alt sind, ist in erster Linie Unsinn. Eltern müssen es ihren Kindern erlauben, ihre Persönlichkeit, ihren Geschmack zu entwickeln. Und vor allem, zu scheitern, zu erkennen, wo die Grenzen liegen und was sie aus ihren Misserfolgen lernen können, wenn sie diese Grenzen überschritten haben oder überwinden wollen.

Wie die Autorin andeutet, ist das Angebot an Aktivitäten und Erfahrungen in den letzten Jahren exponentiell gewachsen, was dazu beiträgt, das interfamiliäre Wettbewerbe generiert werden. Eltern oder Betreuer fragen sich, welches Ferienlager das beste sein werde, welche Art von Musik die prestigeträchtigste sein werde, worin ihre Kinder sonst noch glänzen könnten …

Kinder spielen mit einem Ballon

Weniger Geld und mehr Liebe

All diese Erfahrungen, Kurse und Ferienlager sind mit einem hohen Aufwand verbunden. Aber trotz allem können wir nicht erwarten, dass Kinder finanzielle Investitionen schätzen, die sie noch nicht verstehen. Deshalb ist es besser, wenn zum Kind eine natürliche Beziehung aufgebaut wird, die sein Leben bereichert, als sich darüber Gedanken zu machen, welcher Englischlehrer die besten Referenzen für den Unterricht eines 10-Jährigen hat.

Schließlich sollten Kinder mit anderen Kindern spielerisch aufwachsen und ihre Fähigkeiten selbstständig in die Praxis umsetzen können. Und Eltern sollten nicht die tragende Säule ihres Daseins sein, sondern eine Stütze, da sein, wenn das Kind um Hilfe bittet. Es ist wichtig, dass sie lernen, Situationen zu überwinden, die sich nicht wie erwartet darstellen; die Rolle eines Vaters oder einer Mutter besteht dabei nur darin, zu beraten, zu unterstützen und vor allem zu lieben.