Helikopter-Eltern und Agenda-Mütter: Eltern, die das Leben ihrer Kinder regeln

· 27. Mai 2017

Wir benutzen den Ausdruck Helikopter-Eltern und Agenda-Mütter für jene Eltern, die die Leben ihrer Kinder vollständig kontrollieren und organisieren. Sie handeln mit den besten Absichten, aber zweifellos nehmen sie so ihren Kleinen auch ein Stück Freiheit.

Helikopter-Eltern oder Agenda-Mütter kontrollieren ständig die Hausaufgaben, die Tests und die Aktivitäten ihrer Kinder und verplanen dabei jede freie Minute ihrer Leben.

Sie sind der Hüter jedes Stückchens Information und jeder akademischen und außer-akademischen Verpflichtung des Kindes und erschaffen so eine Dynamik von Abhängigkeit. Als Folge dessen ist es schwieriger für das Kind, Verantwortung für seine Verpflichtungen und Interessen zu übernehmen.

Helikopter-Eltern und Agenda-Mütter, die ihre Kinder leer zurücklassen

Mit diesem übertriebenen Schutz und mit der Aufgabe, eine Blase mit oben beschriebenen Charakteristika zu bilden, stimulieren wir das „Wachstum“ von Kindern, die sich selbst nicht kennen, die unfähig sind, mit ihren Emotionen umzugehen, und die weder ihre Bedürfnisse, noch ihre Ambitionen zu identifizieren vermögen.

Diese Beziehung zwischen Eltern und Kindern wird zu einer toxischen, denn die Kinder sind in einer Blase von übertriebenem Schutz gefangen, die gegen alle Waffen resistent zu sein scheint. Tatsächlich ist diese Blase der beste Nährboden für Unsicherheit. Außerdem sind diese Kinder überstimuliert. Sie haben eine sehr geringe Frustrationstoleranz und können Langeweile nicht tolerieren, denn sie wissen nur, wie sie diese passive Rolle spielen, an die sie sich gewöhnt haben.

Diese Eltern planen jeden kleinsten Moment ihrer „Blasenkinder“ in der Absicht, sie vor jeder Unannehmlichkeit zu schützen und sie zu etwas Brillantem zu machen.

Der Ursprung dieser Bezeichnung geht zurück bis ins Jahr 1969, als Haim Ginnott in seinem Buch Eltern und Kinder  schrieb: „Meine Mutter flog über mich, als wäre sie ein Helikopter.“  Dieses Phänomen hat sich sehr verbreitet und endete an einem Punkt, an dem viele Eltern ungerechtfertigterweise den Lehrern die Schuld für die schlechten Noten ihrer Kinder gaben.

Helikopter-Eltern und Agenda-Mütter:

  • Treffen in jedem Bereich ihres Lebens Entscheidungen für ihre Kinder.
  • Beobachten jede ihrer Bewegungen und versuchen, ihre Kinder stets sofort zu beruhigen.
  • Lösen die Konflikte ihrer Kinder und versuchen immer, ihnen Lösungen anzubieten.
  • Sprechen im Plural: „Wir werden sehr viel Zeit mit dem Lernen dieses Themas verbringen müssen.“, „Schau, wie viel Hausaufgaben sie uns gegeben haben!“,  und so weiter.

Diese obsessive Bedürfnis, alles unter Kontrolle zu haben, ist am Ende auch für die Eltern fatal, die sich viel zu sehr verbiegen. Sie versuchen, ihren Kleinen ein Leben voller Perfektion, Liebe und Fürsorge zu geben. Dabei bieten sie ihnen alle Ressourcen an, zu denen sie Zugang haben und halten sie davon ab, Fehler zu begehen, die in ihrem Alter eigentlich gemacht werden sollten.

Am Ende allerdings offenbart sich die Realität und das auf Sand gebaute Schloss beginnt zu zerfallen. Diese Art von Beziehungen enden mit Ersticken. Beide Parteien werden frustriert. Es kommt zu tiefen Komplexen und emotionalen Problemen.

Übertrieben beschützende Eltern spiegeln sich später in Depression und Angst wider

Laut verschiedener Studien führt dieser Stil von übertrieben beschützender Erziehung zu schädlichen Konsequenzen auf kurze, mittlere und langfristige Sicht: Depression, Angst und Stress. Ein Preis, den nicht nur die Kinder, sondern auch die Eltern bezahlen werden.

Diese Verschlechterung ist eine Antwort auf die Einschränkung der drei fundamentalen Bedürfnisse: das Gefühl von Autonomie, das Gefühl von Kompetenz und das Gefühl, mit anderen verbunden zu sein, besonders während dem Jugendalter. Alles bringt, was die emotionale Entwicklung und das Wachstum der Kinder beschränkt, bringt verheerende Konsequenzen auf persönlichem und zwischenmenschlichem Level mit sich.

Kinder müssen mit Sorgfalt, Aufmerksamkeit und gesundem Menschenverstand erzogen werden. Wir können uns nicht in alles einmischen, was in ihren Leben passiert, und auch nicht für ihre Verpflichtungen verantwortlich sein. Denn sonst werden sie aufwachsen und sich nutzlos, inkompetent und abhängig fühlen – und das ist genau das Gegenteil von dem, was wir wollen.

Bildmaterial mit freundlicher Genehmigung von Karin Taloyr und Claudia Tremblay