Wilhelm Reich und sein Ansatz zur Sexualität

· 19. März 2019

Wilhelm Reich ist eine wichtige Figur in der Geschichte der Psychoanalyse. Darüber hinaus gilt er als Vorläufer der Bioenergetik und als Erfinder einiger neuartiger Therapieformen. Reich war Forscher und Schriftsteller und immer aufgeschlossen, neue Ideen zu durchdenken. Er war auch ein Marxist, der immer wieder Verbindungen zwischen seinen Sexualtheorien und der sozialistischen Revolution suchte.

Manch moderner Psychologe ist überzeugt, dass Wilhelm Reichs Theorien einer gewissen Logik folgen, andere wiederum halten sie für nicht plausibel. Dies liegt daran, dass Reichs Ideen verschiedene Stadien durchlaufen haben: Einige seiner Hypothesen zeugen von hoher Intelligenz und haben den Bereich der Psychoanalyse vorangetrieben, während andere eher impulsiv und unberechenbar scheinen.

Wie dem auch sei, Wilhelm Reich war jemand, der mit seinem seinen Theorien das Feld der Psychoanalyse prägte. Sowohl seine Herangehensweise an die Sexualität als auch seine Theorie über den Prozess der Verdrängung haben viele Psychologen und Psychoanalytiker inspiriert.

„Es ist die sexuelle Energie, die die Struktur des menschlichen Gefühls und Denkens bestimmt.“

Wilhelm Reich

Ein Bild, das den Psychoanalytiker Wilhelm Reich zeigt

Die Widersprüche in Wilhelm Reichs Leben

Wilhelm Reichs Kindheit und Jugend waren traumatisch. Er wurde im März 1897 in einer Kleinstadt zur Zeit der Österreichisch-Ungarischen Monarchie geboren. Seine Familie stammte aus dem ländlichen Raum. Sie waren Juden, praktizierten ihre Religion aber kaum. Als Erwachsener schrieb Reich ein Buch mit dem Titel Leidenschaft der Jugend, eine Autobiografie, in der er über die ersten Jahre seines Lebens sprach.

Wilhelm sammelte seine ersten sexuellen Erfahrungen mit den Dienstboten in seinem Elternhaus. Außerdem beobachtete er immer wieder, wie seine Eltern sich stritten. Tatsächlich hatte seine Mutter eine Affäre gehabt, als Reich noch recht jung gewesen war. Als Wilhelm von der Affäre seiner Mutter erfuhr, war er empört und erzählte seinem Vater davon. Dies führte zu einem großen Familienstreit.

Als Wilhelm Reich 14 Jahre alt war, beging seine Mutter Selbstmord, vermutlich aufgrund des Konflikts, der mit ihrer Untreue verbunden war. Als sein Vater einige Jahre später verstarb, beschloss Wilhelm, Soldat zu werden. Tatsächlich kämpfte er im Ersten Weltkrieg.

Seine wirtschaftliche Situation war prekär und er musste viele Opfer bringen, um zur Schule gehen zu können. Schließlich wurde er Arzt, dann Psychiater und später Psychoanalytiker.

Zeichnung eines Ziffernblatt, dass zwei menschliche Körper ineinander verschlungen zeigt

Wilhelm Reich und Sigmund Freud

Wilhelm Reich und Sigmund Freud trafen sich 1922, als Reich noch Student war. Die Psychoanalyse faszinierte Reich und Freud war von der geistigen Brillanz des jungen Mannes überzeugt. So wurde Reich ein Teil von Freuds innerem Kreis.

Doch in einigen Punkten unterschied sich Reichs Auffassung deutlich von Freuds. Zum Beispiel widersprach er Freuds Theorie, wonach Menschen ihre sexuellen Wünsche unterdrücken müssen. Reich trat für freie Sexualität ein.

Reich postulierte die Existenz einer Art von Lebensenergie, die er „Orgon“ nannte, eine Kombination der Wörter Orgasmus und Organismus. Seiner Meinung nach hatten die Menschen Probleme, weil sie ihre Energie nicht frei fließen ließen.

Er lehnte die klassische psychoanalytische Methode der freien Assoziation ab und schlug stattdessen eine neue Therapie vor, die darauf abzielte, Personen durch Muskelreize zu „ent-blockieren“. Die Idee dahinter besagte, dass verdrängte Erinnerungen auch in der Muskulatur gespeichert werden und deshalb dort freigelegt werden könnten.

„Wenn wir uns dem Energiefluss in unserem Körper öffnen, können wir uns auch dem Energiefluss im Universum öffnen.“

Wilhelm ReichWilhelm Reich in seinem Labor

Ein beunruhigendes Ende

Wilhelm Reich wurde berühmt durch seine Charakteranalyse und Körperpsychotherapien. Am Anfang waren viele Menschen von Reichs Theorien überzeugt. Eine These Reichs lautete, dass die Arbeiterklasse sexuell unterdrückt wurde, weshalb sie so unterwürfig sei.

Letztendlich wurde Reich aber aus psychoanalytischen sowie marxistischen Kreisen ausgeschlossen. Dies lag daran, dass er sich selbst zu radikal und unnachgiebig gab, weshalb seine Anhänger anfingen, ihn und seine Theorien abzulehnen.

Als in den 1930er Jahren die NSDAP die Macht ergriff und Reichs Schriften zensiert wurden, floh er in die USA. In den Vereinigten Staaten entwickelte er ein Gerät, das angeblich „Orgonenergie“ sammelte und dabei half, sich frei zu bewegen. Tatsächlich präsentierte er es Albert Einstein, der seine Nützlichkeit allerdings vehement bestritt.

Jahre später wurde Reich des Betrugs beschuldigt, als er versuchte, seinen Orgonakkumulator zu verkaufen. Wilhelm Reich verstarb im Jahr 1956 im Alter von 59 Jahren im Gefängnis.

„Ich weiß, dass das, was wir Gott nennen, wirklich existiert, aber nicht in der Form, wie wir es annehmen. Gott ist die ursprüngliche kosmische Energie, die Liebe in unserem Körper, unsere Integrität und unsere Wahrnehmung der Natur in uns und außerhalb von uns.“

Wilhelm Reich

  • Reich, W., & Moratiel, S. (1993). La revolución sexual: para una estructura de carácter autónoma del hombre. Planeta-De Agostini.