Die drei Arten von Angst nach Sigmund Freud

14. September 2018 en Psychologie 0 Geteilt
Frau in der Luft

Nach Sigmund Freud entstehe Angst durch mentale Konflikte. Sie sei wie eine „toxische Transformation“ unserer Energien, eines Es, das bestimmte Dinge braucht und nicht erreichen oder befriedigen kann, oder jener Obsessionen, die wir oft verbergen und die uns ungerechtfertigte Ängste oder gar den hartnäckigen Schatten vergangener Traumata spüren lassen.

Unabhängig von der Zeit, die vergangen ist, seit die ersten Grundlagen des psychoanalytischen Ansatzes gelegt wurden – was im Jahre 1896 geschah -, muss man Freud für seine Entschlossenheit danken, das zu heilen, was er „neurotische Angst“ nannte. Lassen wir dazu seine kontroversen Theorien über die Libido und sexuelle Unterdrückung beiseite.

Der Geist ist wie ein Eisberg, schwimmt es mit einem Siebtel seiner Masse über Wasser.

Sigmund Freud

Obwohl es wahr ist, dass wir heute mit einer Vielzahl von Ansätzen an dieser Dimension arbeiten, war dieser Neurologe und Vater der Psychoanalyse einer der Pioniere bei der Erforschung der unbewussten Phänomene des menschlichen Geistes. So erkannte er sehr früh, dass, wenn es einen Zustand gab, der den Menschen übermäßig beeinflusste, es die Angst war. Wenige andere Zustände sind so erschöpfend, wenige Situationen nehmen der betroffenen Person die Kontrolle über ihr eigenes Leben.

Freud legte den Grundstein für viele der Theorien, die wir bis heute weiterentwickelt haben. Für ihn war die Angst ein unbestreitbarer Teil seiner Persönlichkeitstheorie und als solcher widmete er ihr ein umfangreiches Werk, eine sehr lange Reise, die sich in einem großen Teil seiner Publikationen widerspiegelte.

Geistige Wirrungen in Form von Gekritzel im Hirn

Die Arten der Angst nach Sigmund Freud

In Sigmund Freuds topographischem Persönlichkeitsmodell ist das Ich der Teil unseres Seins, der sich auf die Realität bezieht. Seine Aufgabe ist nicht immer einfach. Erstens nicht, weil es ständig Konflikte und Reibereien gibt, Meinungsverschiedenheiten zwischen unseren tiefsten Wünschen, unseren Instinkten und unbewussten Tatsachen. Zweitens erzeugen all diese negativen, wenn auch unbewussten Dynamiken zuweilen psychische Störungen.

Von den Arten der Angst nach Sigmund Freud zu sprechen, bedeutet, sich auf jene psychischen Instanzen zu beziehen, die unsere mentalen Prozesse ausmachen. So haben wir neben dem bereits erwähnten Ich das Es, jenen psychischen Ausdruck, in dem unsere Impulse und Wünsche enthalten sind. Ebenso müssen wir uns auch mit dem Über-Ich beschäftigen, jener moralischen und idealistischen Instanz, die nach diesem Ansatz dazu da sei, uns zu beurteilen, als wachsamer und sanktionierender „großer Bruder“ zu fungieren.

Angst entsteht durch das Aufeinanderprallen von Kräften. Sie ist im Grunde ein mentaler und emotionaler Konflikt, der uns in Situationen bringt, die zu dem führen können, was Freud neurotisches und psychotisches Verhalten genannt hat. Schauen wir uns nun die drei Arten von Ängsten an, die die Psychoanalyse in ihren frühen Jahren beschrieben hat.

1. Realistische Angst

Unter den drei Arten von Angst nach Sigmund Freud ist diejenige, mit der wir uns am meisten identifizieren werden, die „realistische“. Sie entsteht als Reaktion auf eine konkrete, objektive und vor allem reale Tatsache. Es gibt Ängste, die in uns zu einem bestimmten Zeitpunkt zu einem ganz konkreten Zweck auftreten können: uns zu ermutigen, vor dem zu fliehen, was schädlich ist, vor dem, was auf unsere Integrität, auf unser Überleben einen negativen Einfluss haben könnte.

Wir alle erleben realistische Angst, wenn wir Feuer sehen, wenn sich uns jemand in einer gewalttätigen Haltung nähert, wenn ein Hurrikan zuschlägt oder ein anderes Ereignis, bei dem ein objektives Risiko besteht.

Kopf in blauen Schichten, symbolisch für die Arten von Angst nach Sigmund Freud

2. Neurotische Angst

Neurotische oder sekundäre Angst entsteht durch die Antizipation von Fakten oder Umständen. Wir reagieren auf Fakten, Gedanken und Ideen, die nur in unserem Kopf, aber nicht außerhalb, nicht in unserer Umwelt bestehen und die damit nicht real sind. Dennoch entfalten wir angesichts dieser Angst, die in unserer Psyche entstanden ist, eine ganze Reihe von Abwehrprozessen: Nervosität, Fluchtbedürfnis, Gefühl des Kontrollverlusts …

Freud sah den Ursprung dieser Art von Angst in unserem Es. In unseren unerfüllten Wünschen, in unseren unterirdischen Instinkten, aber bestrebt, in einer immer begrenzten Realität befriedigt zu werden. Ebenso gebe es neben diesen unbewussten Impulsen unsere Ängste, die wir laut Psychoanalyse seit unserer Kindheit in Form von nicht aufgearbeiteten Traumata mitgenommen haben. Es seien also widersprüchliche Geisteszustände, die uns die Möglichkeit nehmen würden, glücklich zu sein, unserem Ich zu erlauben, sich frei und authentisch zu zeigen.

3. Moralische Angst

Vielleicht ist unter den drei Arten von Angst nach Sigmund Freud diejenige, die uns am merkwürdigsten erscheint, diejenige, die sich auf die Moral bezieht. Um sie zu verstehen, wollen wir einige Beispiele nennen. Denken wir an den Sohn, der in einem gegebenen Moment denkt, dass er seine Eltern enttäuscht habe, weil er nicht das geworden sei, was sie von ihm erwartet haben. Denken wir auch an den Mitarbeiter, der sich nicht in der Lage fühlt, die Unternehmensziele zu erreichen.

Diese Pein, diese Angst kommt laut der Psychoanalyse vom Einfluss des Über-Ichs. Es ist diese innere soziale Welt, die wir alle dort haben, wo unser „Soll“, unsere „unbewussten Mandate“ und diese Angst oder Scham vor Versagen oder gar Bestrafung in allen ihren Formen (Verruf, Abneigung, Entlassung, Einsamkeit …) inszeniert werden.

Sigmund Freud entblättert seinen Kopf

Abschließend sind wir sicher, dass uns diese Art von Angst nach Freud gut bekannt ist. Jenseits dieser Persönlichkeitsarchitektur, die in den drei Spielen der Kraft des Ichs, Es und Über-Ichs errichtet wurde, gibt es eine Basis, die wir bis heute akzeptieren: den mentalen Konflikt. Von Angst zu sprechen bedeutet, sich auf eine innere Krise zu beziehen, auf einen Augenblick, in dem die Realität uns überwindet und in dem der Verstand wild in verschiedene Richtungen reitet, die wir nicht einmal verstehen.

Ihn zu beruhigen, ihm Balance, Kontrolle und Bedeutung zu geben, erfordert Zeit und angemessene Strategien. Das sind die gleichen Vorgehensweisen, die uns viele unserer heutigen Therapieansätze bieten können.

Auch interessant