7 Schlüssel, um zur Entwicklung eines belastbaren Gehirns beizutragen

· 10. Oktober 2018

Die Entwicklung eines belastbaren Gehirns bei Kindern ist von enormem Wert hat, wenn sie denn erreicht werden kann. Wir wissen, dass unsere Kleinen zu außergewöhnlichen Dingen fähig sind. Was wir jedoch am meisten wollen, ist, dass sie glücklich sind. Dafür gibt es nichts Besseres, als ihnen beizubringen, Ressourcen zu verwalten, die es ihnen ermöglichen, sich den tagtäglichen Herausforderungen zu stellen, die jederzeit auftreten können.

Nur wenige Worte sind so modern: Den Begriff der „Resilienz“ lesen wir immer wieder, in jedem Selbsthilfebuch, in jeder Anleitung für persönliches Wachstum. Ebenso wissen wir, dass die Idee, die dieser Begriff repräsentiert, nicht neu ist. Viktor Frankl hat die zugehörigen Grundlagen in mehreren seiner Bücher definiert. Er lehrte uns beispielsweise, wie bestimmte Menschen aufgrund ihrer inneren Stärken, ihrer Panzer, ihrer Absichten und ihrer Einstellungen mit Widrigkeiten umgehen können. Aber erst jetzt hat man begonnen, den Nutzen der Resilienz genauer zu untersuchen.

„Was wir in Wahrheit brauchen, ist eine radikale Veränderung unserer Einstellung gegenüber dem Leben.“

Viktor Frankl

Wenn unsere Erkenntnisse zur Resilienz also so ermutigend sind, warum sollten wir sie nicht an unsere Kinder weitergeben? Dies zu tun, würde bedeuten, dass wir ihnen mehr als nur ein paar einfache Techniken lehren, um die Herausforderungen, mit denen sie konfrontiert werden, besser bewältigen zu können. In Wirklichkeit schafft Resilienz eine neue Mentalität, bei Kindern genauso wie bei uns. Sie verleiht dem Gehirn Stärke, größere Widerstandsfähigkeit gegenüber Stress und eine Optimierung exekutiver Funktionen.

Der Aufwand ist es auf jeden Fall wert. Die Entwicklung eines belastbaren Gehirns bei Kindern ist möglich, wenn wir die folgenden Strategien verfolgen. 

Hände, die die Form eines Gehirns halten

Die Notwendigkeit ein belastbares Gehirn zu „trainieren“

Wenn wir irgendwelchen Widrigkeiten begegnen, ist das, was unser Gehirn erlebt, Stress, emotionale Angst. Daher beginnt und entwickelt sich diese Art von Reaktion an einem ganz bestimmten Ort: in der Amygdala. Diese Struktur ist für die mit Angst verbundenen Reaktionen verantwortlich und sie ist es auch, die Botschaften an das Gehirn sendet, um so schnell wie möglich Adrenalin und Kortisol freizusetzen. „Wir müssen reagieren, wir müssen so schnell wie möglich vor diesem bedrohlichen Reiz fliehen!“,  sagt sie uns.

Wenn also die Amygdala, dieser sogenannte Wächter der Angst, die Kontrolle übernimmt, geschieht etwas sehr Charakteristisches: Der präfrontale Kortex verliert seine Funktionalität. Das bedeutet, dass unsere Fähigkeit, die Situation objektiv zu analysieren oder über das Problem nachzudenken, stark reduziert wird. Wir lassen uns von dieser emotionalen Angst beherrschen, ohne einen alternativen Ausweg zu sehen, ohne diese innere Ruhe zu bewahren, mit der wir einen Fluchtweg schaffen können.

Wenn wir die Gehirne unserer Kinder dazu trainieren könnten, widerstandsfähiger zu sein, würde dies nicht passieren. Zumindest würde es nicht so häufig geschehen. Denn Resilienz bringt grundsätzlich eine Beruhigung der Amygdala mit sich, was wiederum den präfrontalen Kortex aktiviert. Es geht also darum, den Stress zu reduzieren, um eine flexible, offene und reflektierte Mentalität zu entwickeln.

Sehen wir im Folgenden, wie uns das gelingen kann.

1. Starke Bindungen und gesunde Zuneigung: Sei du selbst das beste Vorbild für dein Kind

Es ist gut möglich, dass Eltern annehmen, es gäbe nichts Besseres, als ihre Kinder zu lehren, autonom und unabhängig zu sein, wenn es darum geht, widerstandsfähigere Kinder zu erziehen. Tatsächlich ist der Schlüssel zur Entwicklung eines belastbaren Gehirns eines Kindes aber mehr die emotionale Verbindung zu ihm als seine Autarkie.

Kinder brauchen eine gesunde, starke und nützliche Bindung. Sie brauchen eine Bezugsperson, die ihnen Liebe, Sicherheit und Schutz bieten kann. All diese Faktoren formen ein Gehirn, das weder Angst noch Stress durchleben muss. Denn ein starkes Gehirn, das keine frühen Erfahrungen mit Unsicherheit oder Angst gemacht hat, ist ein Gehirn, das auf lange Sicht den Problemen des Lebens mit größerer Solvenz begegnen wird. Die Abwesenheit dieser Spuren bestimmt einen stärkeren und offeneren Geist.

2. Die ausführenden Funktionen trainieren

Wir haben bereits am Anfang dieses Artikels darauf hingewiesen. Unser Ziel ist es, die Amgydala, also die Angst, zu beruhigen und den präfrontalen Kortex mit den ausführenden Funktionen zu trainieren. Auf diese Art und Weise stellen wir unseren Kindern Ressourcen zur Verfügung, um Probleme zu lösen, Aufmerksamkeit zu erregen und kreativ zu werden, wenn größere oder auch kleinere Schwierigkeiten auftreten sollten. All das wird sie davon abhalten, in der Angst gefangen zu sein.

Dies sind die Strategien, um die ausführenden Funktionen des präfrontalen Kortex zu entwickeln:

  • Routinen festlegen
  • Ein gesundes Sozialverhalten formen
  • Soziale Verbindungen mit zuverlässigen Menschen bevorzugen
  • Möglichkeiten schaffen, um eigene Verbindungen mit Gleichaltrigen aufzubauen (Camps, Sport, …)
  • Kreative Spiele
  • Gedächtnisspiele
  • Möglichkeiten schaffen, damit die Kinder ihre eigenen Entscheidungen treffen
Mädchen mit Muschel am Ohr

3. Achtsamkeit üben

Eine weitere gute Möglichkeit, um ein belastbares Gehirn bei Kindern zu entwickeln, ist die Achtsamkeit. Sich auf entspannte Art und Weise mit dem Hier und Jetzt verbinden zu können, verbessert die Gehirnfunktion, lindert den Stress und stärkt wiederum die ausführenden Funktionen. Wenn wir sie früh ins Leben unserer Kinder integrieren, werden sich daraus große Vorteile für sie ergeben.

4. Kindern vermitteln, dass sie kompetent und fähig sind

Ein Kind muss in seinem täglichen Leben als kompetent wahrgenommen werden. Als jemand, der fähig ist, aus seinen Fehlern zu lernen, um sich weiterzuentwickeln, der jeden Tag überstehen kann, um neue Fähigkeiten und Stärken zu entwickeln. Dieses Gefühl, auf unsere Unterstützung und unsere Anerkennung zählen zu können, wird es ihm ermöglichen, nach und nach bessere Entscheidungen zu treffen.

5. Optimismus vermitteln, um zur Entwicklung eines belastbaren Gehirns der Kinder beizutragen

Der realistische Optimismus kann Kindern eine große Hilfe sein. Lasst uns ihnen zeigen, dass jede Realität, die auch noch so viele Probleme beinhalten mag, sie in Bezug auf die persönliche Entwicklung weiterbringen kann. Darin können sie ihren wahren Wert finden.

Kreatives Mädchen mit bunten Büchern

6. Den Ängsten mit Unterstützung begegnen: Um Hilfe zu bitten ist gut

Um Kindern zu helfen, ein belastbares Gehirn zu entwickeln, ist es notwendig, sie dahingehend zu unterstützen, mit Emotionen, die gemeinhin als negativ beschrieben werden, wie zum Beispiel Angst, umzugehen. Das Erste, was wir ihnen geben können, ist eine Idee: Um Hilfe zu bitten, wird mehr als empfohlen, es ist notwendig. Darüber hinaus sind diejenigen, die um Hilfe bitten, mutig genug, ihre eigene Verletzlichkeit und ihre Bedürfnisse zu erkennen und für tiefere Beziehungen Platz zu schaffen.

Anderen zu helfen und zuzulassen, dass ihnen selbst geholfen wird, ist eine Dynamik, die Kinder sehr früh etablieren sollten. Auf diese Art und Weise werden ihre Ängste kleiner werden und die Macht über sie verlieren, bis sie schließlich komplett verschwinden.

7. Eine „Box für die Lösung von Problemen“ schaffen

Dieser Vorschlag ist genauso unterhaltsam wie nützlich. Ab dem 5. Lebensjahr kann ein Kind bereits lernen, einfache Probleme zu lösenWenn wir ihnen einen „Erste-Hilfe-Kasten für Probleme“ mit auf den Weg geben und ihnen zeigen, wie man diesen benutzt, können wir ihnen dabei helfen, zu reifen. Während sie heranwachsen, werden sie diejenigen sein, die den Gebrauch dieser Werkzeuge perfektionieren und sie an die jeweiligen Umstände anpassen.

Zur Lösung von Problemen kann diese Box mit zahlreichen Strategien gefüllt werden. Diese werden beispielsweise verfolgt, wenn es etwas gibt, dass die Kinder beunruhigt:

  • Das Problem mit Mama und Papa besprechen
  • Jemanden um Rat bitten, dem ich vertraue
  • Wenn ich dieses Problem vorher schon einmal hatte, darüber nachdenken, wie ich es das erste Mal gelöst habe. Kann ich es nun besser machen?
  • Verstehen, dass jedes Problem, wie groß es auch sein mag, in kleinere Stücke geteilt werden kann, um es zu lösen
Junge unter bunten Bildern

Um abzuschließen. Ein belastbares Gehirn bei Kindern zu trainieren, zu formen und zu fördern, erfordert eine Erziehung, die auf einer sicheren Bindung beruht und in der wir wiederum eine solide Grundlage für die Bewältigung und Lösung von Problemen legen müssen. Wir sprechen hier von einer Art aktiver und kreativer Bildung, bei der die Erwachsenen als Vorbild dienen sollten. So etwas erfordert eine große Verantwortung unsererseits, ist aber ein Abenteuer, das sich immer lohnen wird.