Eine Reise zum Optimismus

· 30. Juli 2016

Die spanische Gemeinde Higuera de la Serna  ist pleite gegangen und ihre Bewohner, anstatt sich zu beschweren, haben all die Arbeiten selbst in die Hand genommen, die zuvor von der Gemeinde übernommen wurden, die sie aber nun nicht weiter erledigen kann. In ihrer Freizeit haben alle ihre Hilfe angeboten, haben geputzt, gepflanzt und gemauert. Dieser Fall ist nur ein weiterer Beweis dafür, dass schwierige Situationen in einer Gemeinschaft plötzlich neuen Optimismus wecken können.

Die Neurowissenschaftlerin Tali Sharot vom University College London (England, Vereinigtes Königreich) behauptete in einem Interview, dass so, wie wir optische Täuschungen wahrnehmen, wir manchmal auch Dinge glaubten, die gar nicht der Realität entsprächen, weil wir bestimmten Illusionen folgen.

  • Einmal ist da die Täuschung der Überlegenheit, die uns glauben macht, dem Durchschnitt überlegen zu sein. Dies passiert vor allem im akademischen Umfeld, wo mehr als die Hälfte aller Menschen meinen, dass sie anderen überlegen seien. Aber das geht gar nicht.
  • Die Täuschung der Introspektion bezieht sich auf den Glauben, dass unsere Absichten stets begründet seien, das heißt, dass wir alles aus irgendeinem Grund täten, es in Wirklichkeit jedoch gar keinen Grund für unser Handeln gibt. Wir erschaffen uns einfach einen Grund, in dem Versuch, uns selbst zu erklären, warum wir uns genau so und nicht anders verhalten.
  • Bei starker Neigung zum Optimismus hingegen, neigen wir dazu, unsere Möglichkeiten zu überschätzen. Positive Erfahrungen werden intensiv erlebt, negative unterschätzt. So überschätzt man beispielsweise die Lebensdauer oder den beruflichen Erfolg, unterschätzt jedoch die Wahrscheinlichkeit, dass die Beziehung in die Brüche gehen oder dass man krank werden könne. Das ist eine weitere Form der Täuschung, der wir unterliegen.

Vorteile des Optimismus

„Ich habe meine eigene Version vom Optimismus. Wenn ich nicht durch eine Tür gehen kann, dann gehe ich durch eine andere oder baue mir eine andere. Etwas Gutes wird kommen, egal wie dunkel die Gegenwart erscheinen mag.“

Rabindranath Tagore

Optimismus hat viele Vor- und Nachteile. Zu ersteren gehört definitiv die Förderung der geistigen und körperlichen Gesundheit: Wer erwartet, dass die Zukunft Gutes bringt, reduziert Stress und Ängstlichkeit. Zum Beispiel neigt ein optimistischer Patient dazu, die Dinge zu tun, die seiner Gesundheit guttun, befolgt die Ratschläge des Arztes, achtet auf sich und zeigt in der Behandlung mehr Engagement.

Mit Optimismus der Sonne entgegen

Der Optimist ist zudem eher in der Lage, seine Ziele zu erreichen, da ihn auch ein schlechtes Ergebnis nicht vom Glauben abbringen kann, dass er das nächste Mal etwas besser machen kann. So hat die Demotivation keine Chance.

Studien über den Optimismus haben gezeigt, dass Personen, die mit dieser Einstellung ihren Alltag meistern, mehr Stunden arbeiten, ein höheres Durchhaltevermögen haben und am Ende mehr Geld verdienen.

„Kein Pessimist hat die Geheimnisse der Sterne entdeckt, noch ist er über unbekannte Weltmeere gesegelt, noch hat er dem menschlichen Geist eine Tür geöffnet.“

Helen Keller

Nachteile des Optimismus

Trotz all der Vorteile des Optimismus kann dieser uns auch von Nachteil sein. Wenn wir glauben, dass immer alles gut ginge, dann kann es beispielsweise sein, dass wir unvorsichtig werden: Wir gehen nicht zu Vorsorgeuntersuchungen und lassen uns oder unsere Kinder nicht impfen, wir setzen uns keinen Helm auf, wir legen im Auto nicht den Sicherheitsgurt an, oder schauen uns nicht um, bevor wir über eine Straße gehen, weil wir denken, dass uns nichts passieren könne. Das heißt, dass allzu optimistische Personen zuweilen ein gestörtes und manchmal verheerendes Gefühl der Unverletzlichkeit entwickeln.

Eine optimistische Person denkt, dass sie mit ihren Aufgaben viel früher fertig werden könne, egal ob es um Studienarbeiten oder Projekte auf der Arbeit geht. Sie unterschätzt die Zeit und den Aufwand, den sie brauchen wird.

Optimismus ist immer dann besonders negativ, wenn er vom Handeln abbringt, zum Stillstand animiert.

Wie unterscheidet man einen Optimisten von einem Pessimisten?

Es wurden Studien über Optimismus und Pessimismus bei Studenten realisiert, die gerade ein Examen abgelegt hatten. Die Optimisten, die die Prüfung nicht bestanden hatten, waren weniger enttäuscht, weil sie überzeugt waren, dass sie es beim nächsten Mal besser machen könnten. Die Pessimisten fühlten sich schlechter, weil sie sich darin bestätigt sahen, dass der Test nicht zu bestehen war.

Auf der anderen Seite fühlten sich die optimistischen Studenten, die das Examen bestanden hatten, bestärkt und erklärten überzeugt, dass dies beim nächsten Test der Fall sein würde. Die Pessimisten hingegen, die die Prüfung geschafft hatten, schrieben diesen Erfolg dem Glück zu und fühlten sich wesentlich unsicherer, was die nächste Prüfung anbelangte.

Blume wächst durch einen Riss im Asphalt

Ein Optimist verliert also nicht die Hoffnung, weil er sein Ziel nicht erreicht hat, ganz im Gegenteil, er ist motiviert, weiterzumachen und es besser zu machen. Der Hauptunterschied zwischen einem Optimisten und einem Pessimisten ist, dass Optimisten überall Vorteile sehen, während für Pessimisten alles problematisch erscheint.

„Du bist so alt wie deine Zweifel und so jung wie dein Vertrauen in dich selbst.“

Samuel Ullman