Die Introspektion – eine Reise durch das eigene Sein

15. Juli 2016 en Psychologie 25 Geteilt

Wir wandeln in einer schnelllebigen Welt, die uns Hektik und Unruhe vermittelt und uns fast das Gefühl gibt, dass wir dazu verpflichtet sind, uns auf das äußere Geschehen zu konzentrieren, ohne uns auch mal Zeit dafür zu nehmen, in unser Inneres zu blicken. Was verspricht uns also die Introspektion?

„Wer nach außen schaut, träumt; wer nach innen schaut, erwacht.“

Carl Gustav Jung

Die Sprache der Introspektion

Der Begriff „Introspektion“ ist schon lange Gegenstand vieler Fragen und Streitigkeiten auf dem Gebiet der Philosophie und Psychologie. Schon im alten Griechenland fragte sich Platon: „Wieso schenken wir unseren eigenen Gedanken nicht ruhig und geduldig Beachtung, hinterfragen sie und sehen dann, was diese Aspekte in uns selbst wirklich bedeuten?“  Die auch als Selbstbeobachtung bezeichnete Hinterfragung des eigenen Ichs wird manchmal mit der Wahrnehmungsweise und dem Gedächtnis verglichen. Doch was steckt wirklich hinter diesem psychologischen Fachbegriff?

Die Introspektion ist ein mentaler Prozess, bei dem der Mensch in sich geht und dazu in der Lage ist, seine eigens gemachten Erfahrungen zu analysieren. Das heißt, dass er sich mithilfe eines Bewusstseinsprozesses selbst beobachtet (private Gegenstände, mentale Ereignisse oder phänomenologische Geschehnisse betreffend), wodurch er sich selbst besser kennenlernen kann. Hierbei handelt es sich demnach um die reflexive Fähigkeit, die unser Verstand besitzt, um sich auf eigene Zustände zu beziehen oder sich derer bewusst zu werden.

Eigenschaften der Selbstbeobachtung

Diese Methode hat die besondere Eigenschaft, subjektiv zu sein, weil es das eigene Individuum ist, welches sich selbst gemäß seinen Kriterien und letztendlich auf Grundlage seiner Realitätsvorstellungen durchleuchtet. Doch in diesem Kontext objektiv zu bleiben, ist eigentlich unmöglich, weil diese Thematik mit dem eigenen Sein zu tun hat. Auch beinhaltet die Introspektion eine gewisse Entfaltung, da wir uns selbst als Subjekt der Analyse heranziehen und dazu noch in die Rolle des Beobachters oder Forschers schlüpfen.

Der Prozess der Selbstbeobachtung ist komplex und bedarf eines gewissen Trainings, wenn gute Resultate erzielt werden wollen und neben einer antrainierten guten Einstellung hinsichtlich Akzeptanz und Ehrlichkeit die verhängnisvolle Selbsttäuschung vermieden werden soll.

Die Introspektion praktizieren

Das Training der Selbstbeobachtung beginnt damit, sich selbst Beachtung zu schenken und sich zuzuhören. In jeglicher Situation, die sich uns bietet oder in der wir feststecken, wäre es ratsam, kurz innezuhalten und in uns zu gehen, zu beobachten und zu erfahren, was wir fühlen, anstatt gleich eine übereilte Entscheidung zu treffen. Denn wenn wir uns mit unserer Gefühlslage auseinandersetzen, können wir die Situation auf eine angemessenere Art und Weise betrachten und lassen uns nicht von dem ersten Gedanken, der uns in den Sinn kommt, leiten.

Dieser komplexe Vorgang zu einer tiefgründigen Wahrnehmung über das, was wir sind, was wir fühlen und lernen, bietet uns selbst die Möglichkeit, uns spirituell weiterzuentwickeln, da die Introspektion uns dabei hilft, zu erkennen, was gut für uns ist und welche Werkzeuge uns zur Verfügung stehen, um die jeweiligen Situationen zu ändern und unseren Weg weiterzugehen.

An jedem einzelnen Tag ist es sehr wichtig, auf unserem Weg kurz Halt zu machen, ganz egal wo wir gerade sind oder was wir tun. Es ist von großer Bedeutung, den Fokus mal ganz auf uns selbst zu lenken, auf unser Sein, unsere Essenz; mit der Stille eins zu werden und zu lernen, uns selbst ein Ohr zu schenken. Dadurch werden wir zu Beobachtern, die sich von äußeren Geschehnissen distanzieren.

Die Selbstbeobachtung hat sowohl positive, als auch negative Aspekte und dient als Möglichkeit, sich selbst zu perfektionieren und auf seinem Lebensweg einen Schritt nach vorn zu machen. Sie ist eine nützliche Methode, um mit unserer seelischen Realität in Kontakt zu treten, die die Grundlage unserer persönlichen Ausgeglichenheit darstellt und uns erlaubt, das eigene Ich näher zu erkunden und Änderungen vorzunehmen.

Die Introspektion unterstützt uns nicht nur dabei, uns selbst besser kennenzulernen, sondern auch dabei, uns zu respektieren, uns selbst zu lieben und uns so zu akzeptieren, wie wir sind.

Um es mit den Worten von Eckhart Tolle auszudrücken: „Wenn du die Verbindungen zu deiner inneren Ruhe verlierst, verlierst du die Verbindung zu dir selbst. Wenn du die Verbindung zu dir selbst verlierst, verlierst du dich in der Welt.“

Bildmaterial mit freundlicher Genehmigung von Emerald Wake

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