Du bist nicht deine Erfahrungen, sondern das, was du aus ihnen lernst

7. Juli 2016 en Psychologie 167 Geteilt

Einer der Hauptgründe für Kummer ist oft der folgende: Wir setzen so viel mit bestimmten Erfahrungen gleich, dass irgendwann eine Zeit kommt, in der wir nicht wissen, wie wir zwischen dem Betrachter und dem Spiel unterscheiden können.

Zufälligerweise sind schmerzhafte Erfahrungen diejenigen, die am markantesten sind, und diejenigen, die die größten psychologischen und physischen Auswirkungen auf uns haben.

Wir müssen uns von dieser Vorstellung befreien, wenn wir dazu fähig sein wollen, das zu sein, was wir sein wollen. Du musst verstehen, dass du nicht das bist, was dir passiert, sondern das Fundament, das deine Erfahrungen speichert. Du bist nicht das, was du erlebst, sondern das, was du daraus lernst.

Die Erklärung liegt in der Evolution

Der Mensch war immer Gefahren ausgesetzt, und dieser Eindruck von Überreizung und Angst schläft noch immer in unseren neuzeutigen Seelen, und das auch, wenn es nicht immer zum Ausdruck kommt.

Deshalb behandeln wir Schmerz auf einem individuellen Level als etwas, das gekommen ist, um uns zu zerstören. Dieser Gedanke macht uns schwach auf individueller und misstrauisch auf sozialer Ebene.

Dieser kranke Kreislauf heilt keine Wunden: Du musst damit aufhören, zu leiden, damit du beginnen kannst, zu fließen, und dafür musst du dir zweier Konzepte klar werden, die in kürzlichen Generationen-Therapien dargelegt wurden: Du musst zwischen deinem Kontext und deinem Inhalt unterscheiden.

Loch-in-Brust

Das Einmachglas und der Inhalt

Stell dir ein Einmachglas vor. Es macht einen dichten und starken Eindruck, aber wir wissen, dass bestimmte Bedingungen dazu führen können, dass es herunterfällt und zerbricht, wenn es uns beispielsweise aus der Hand fällt, oder wenn es jemand willentlich kaputt macht.

Dieses Glas stand lange an einem wichtigen Platz im Wohnzimmer eines Hauses. Es hat etwas Besonderes, jemand hat sich dazu entschieden, es zu verschönern, um es etwas ansehnlicher zu machen, und hat die Worte „ein Glas für alles“ darauf geschrieben, als die Marmelade, die ursprünglich in dem Glas war, zuneige ging.

Über die Jahre haben die Bewohner des Hauses, die Kinder, die darin gespielt haben, und sogar Gäste, verschiedenste Substanzen und Objekte in das Glas gefüllt.

Sie haben es mit Münzen gefüllt und Post-its an die Außenseite geklebt. Es wurde dafür benutzt, Kakerlaken zu fangen, es hat schon Streichhölzer beherbergt, Hochzeitskarten, Nägel, Reißnägel, es wurde mit Bleichmittel gewaschen, es hat eine Zeit mit Räucherstäbchen verbracht, und wenn seine Existenz für längere Zeit vergessen wurde, hat sich eine Menge Dreck und Staub darin angesammelt.

Aber das Glas ist immer im Regal geblieben. Wenn du in das Haus gegangen wärst und sie dich fragen würden, was du siehst, wenn du es anschaust, was würdest du antworten? Na klar, du würdest sagen, dass es ein Einmachglas ist.

Jetzt fragst du dich sicher, was der Sinn dieser Geschichte ist. Ich kann dir soviel sagen, als dass es keine Geschichte über ein Einmachglas ist, sondern eine Metapher für das Leben.

Einmachglas

Ich habe eine Menge durchgemacht, aber eine Sache bleibt immer gleich: ich selbst

So wie das Einmachglas hast auch du eine Essenz, die sich nicht verändert wird und die verwurzelt ist. Du hast Enttäuschungen und Vernachlässigungen erfahren, du hast unter Gleichgültigkeit und Betrug gelitten, und wurdest von den schlechten Absichten anderer verletzt. Ein Großteil dieses Schadens bleibt in dir, und deshalb bist du zu jemanden geworden, der misstrauisch und vielleicht sogar ein Einzelgänger ist.

Sehr negative Dinge tragen dazu bei, wer du im Innersten bist, aber diesmal ist es niemand anders außer dir selbst, der das tut. Du hast Angst, Interessenlosigkeit, schädliche Erinnerungen und endlose Tränen aufgeschüttet. Wenn du damit weitermachst, dieses Glas damit vollzustopfen, dann kann es wirklich sein, dass du zerbrichst, also hör damit auf, dich mit langlebigen negativen Dingen zu überladen.

Geh zurück zu deiner Essenz und deinem wahren Ich, sei dir dessen bewusst, dass dir solange du am Leben bist, ganz egal was auch passiert, immer gute und auch schlechte Dinge widerfahren werden.  Aber du wirst immer da sein, und die Welt wird dich erkennen.

Pack das, was dir passiert, bei den Hörnern, und sei wieder du selbst

Zu wissen, dass du allein dafür verantwortlich bist, welchen Pfad du in deinem Leben auswählst, ist eine große Verantwortung, aber mit dieser Verantwortung gewinnst du an Freiheit.

Schmetterlingsmaedchen

„Ich glaube nicht an Zufälle oder Notwendigkeiten; mein Wille ist mein Schicksal.“

John Milton

Also benutze alles, was du erlebst, um zu lernen und Lektionen vom Leben zu erhalten, die auf deinen Erfahrungen basieren. Vergiss manche davon, ändere andere, und lache über den Rest. Saniere oder stirb.

Geh dahin zurück, die Person zu sein, die verschiedene Erfahrungen willkommen heißt. Oder erlaube dir, in alles einzutauchen, was dir passiert, sodass dein Essenz Positives anzapft und sodass du dem näher kommst, was du erreichen willst. Verwirf das, was es nicht verdient, kontinuierlich darüber nachzudenken, weil es überhaupt nichts mit dir zu tun hat, auch wenn du es durchlebt hast.

Das ist Weisheit, aber es heißt auch, zu wissen, wie du dich selbst vor der Welt nochmals bestätigst, indem du offen sagst, dass du sowohl dem Guten als auch dem Bösen gegenüber gestanden hast, und dass du zurückgekommen bist, um dich wieder mit deiner Essenz zu vereinigen. Weil du gelernt hast, dass du nicht das bist, was du erlebst, sondern die Essenz, die diese Erfahrungen willkommen heißt und sie auch wieder gehen lässt.

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