Auch Lesen gibt meiner Existenz einen Sinn

· 11. Februar 2016

Viele Dinge machen mich aus, ich bin jemand, der lernt, in Bescheidenheit zu leben, um mich so tagtäglich zu bereichern. Ich bin auch jemand, der einen komplizierten Weg entlang läuft, der sich Existenz nennt und versucht, aus meinen Fehlern, aus meinen Erfolgen zu lernen.

Ich umgebe mich mit meinen Leuten, für mich ist das Hier und Jetzt wichtig, ich erlaube mir Dinge, habe meine Launen und umarme mit aller Kraft meine Wirklichkeit, und manchmal  vergnüge ich mich in meinen Lesenächten, um andere Leben zu leben, um mir andere Schuhe anzuziehen. Denn auch Bücher machen einen Teil meiner Existenz aus.

Lesen ist eine Art des Glücks, das nur für die freiesten Geister erreichbar ist. Denen, die in der Lage sind, ihre täglichen Sorgen abzulegen, um durch das Türschloss des Wissens, der Leidenschaft, des Vergnügens und des erhabensten Mysterium zu schlüpfen.

Wer gern liest, liebt den Geruch der Bücher, und wer es liebt, zu lesen, blättert immer mit Traurigkeit die letzte Seite des Buches um, das er gerade vor sich hat. Doch ist dieses Leid nicht permanent, denn nach jedem beendeten Roman warten noch tausend weitere Welten auf uns, auf diesen mit einem Meer an Buchstaben gefüllten Seiten.

 Du bestehst aus deinen Erfahrungen und aus allem, was du gelesen hast

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Hast du daran gezweifelt? Als gieriger Leser, der du ohne Zweifel bist, solltest du wissen, dass deine Identität, deine Persönlichkeit und dein Grund des Seins sich nicht nur aus all deinen Erfahrungen geformt haben. Die Stunden, die du gelesen hast, haben dich in Form gemeißelt, bis du zu der authentischen Person geworden bist, die du heute bist.

Das Lesen ist ein Haus mit mehreren Fenstern. Wer neugierig ist, traut sich, sich aus allen einmal herauszulehnen, um in Ruhe alles beobachten zu können und wird dafür diese Art der Lektionen des Lebens erhalten, die keine Spuren des Schmerzes, sondern Spuren der Erkenntnis hinterlassen.

Wenn es noch etwas gibt, wessen wir uns ganz klar sind, dann der Geschichte, wie wir zum Lesen gekommen sind. Vielleicht hast du dich dafür begeistert, weil du Bücher zu Hause gesehen hast und deine Eltern dich an das Lesen herangeführt haben. Es ist auch sehr wahrscheinlich, dass dich ein bestimmtes Buch für immer gefangen genommen hat, und dass es in irgendeiner Form die Türen zu diesem Vergnügen geöffnet hat, was ohne Zweifel das Lesen ist.

Es ist in der Tat sehr häufig anzutreffen, dass wir uns mit besonderer Hingabe an diese ersten Romane aus unserer Kindheit oder Jugend erinnern. Unvergessliche Entdeckungen, die aus uns das machen, was wir sind. Wir wissen, dass wir gern lesen, dass unser Haus bereits zu klein geworden ist für diese Berge an Romanen, von denen der Staub der Zeit schon allen Glanz hat verschwinden lassen, aber hast du aufgehört, daran zu denken, was Bücher für dich ausmachen?

  • Das Lesen ist eine Form täglicher Freiheit, die uns Zuflucht vor dem Stress und den Sorgen gibt.
  • Lesen ist eine effektive Art und Weise, um kognitive Fähigkeiten aufzubauen. Am nächsten Tag werden wir über ein Gehirn voller Verknüpfungen verfügen, so stark wie unser bester Muskel, eventuell verringert sich so auch unser Demenzrisiko.
  • Das Vergnügen am Lesen ist das beste Erbe, was wir unseren Kindern nur bieten können.
  • Bücher erzeugen bei uns Tränen, Lächeln als auch den Genuss des Schreckens. Wir sind jedoch für all diese intensiven Emotionen dankbar, weil dies auch eine Form des Lebens ist. Teil unserer Existenz.
  • Viele denken, dass der, der seinen Tag mit Lesen verbringt, vor der Wirklichkeit fliehen will. Das stimmt nicht. Wer nicht liest, flieht vor der eigenen Erkenntnis und ist Sklave seiner eigenen Grenzen.
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Das Lesen ist eine exzellente Therapie für den Alltag

Wir alle fühlen uns leer, wir alle gehen durch schwierige Momente und durchleben diese existentiellen Zweifel,  bei denen uns die Menschen in unserer Umgebung auch nicht immer weiterhelfen können. Bücher sind eine einfach zu erreichende Quelle für viele dieser Fragen und können uns als wirkliche, therapeutische Werkzeuge dienen.

Wenn du Zweifel hast, wenn du Wissen erlangen willst, dann beschränke dich nicht darauf, die Antwort in einem einzigen Buch zu suchen. Ziehe alle heran, die sich in deiner Reichweite befinden und schärfe deinen Sinn für Kritik. Manchmal gibt es nicht eine einzige Wahrheit, sondern die, die wir in einem bestimmten Moment brauchen und erhalten.

Das Lesen ist eine Art, uns selbst Fragen zu stellen. Und manchmal hilft es uns, sich in die Haut des Anderen zu versetzen, um mit Situationen, Kommentaren und Verhaltensweisen besser umgehen zu können.

  • Das Leben bietet Erfahrung und Lehren, Bücher jedoch sind Truhen voll mit alltäglichem Wissen, aus denen wir Informationen, Daten, und vor allem Emotionen hervorholen.
  • Jede Emotion, die wir auf einer Buchseite gefühlt haben, ist eine Spur in unserem Gehirn, die uns für immer erhalten bleiben kann. Sie bringen uns etwas bei, sie erschüttern uns und manchmal zwingen sie uns dazu, die Realität mit anderen Augen wahrzunehmen.
  • Lesen ist auch eine Einladung zum Leben. Und darin liegt eines der therapeutischen Wunder. Es kann uns von unserer täglichen Trauer befreien, und in uns Neugierde für Dinge hervorrufen, mit denen wir uns bis dahin noch nie beschäftigt haben.

Bücher helfen Kindern in ihrem Reifeprozess und den Eltern, wieder zu Kindern zu werden. Sie sind ein einfacher Schlüssel, den wir in der Tasche mitnehmen können, wenn wir einen Bus nehmen, es sind unsere Freunde auf dem Nachttisch und die richtigen Begleiter in Gewitternächten.

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Das Lesen öffnet deine Augen, entzündet deinen Verstand und lässt dein Herz erzittern, es ist das edelste Vermächtnis, was die Menschheit den Ihren vermacht hat und das wir gleichzeitig den Unseren weitergeben sollten. Es ist ein leidenschaftliches Abenteuer, das niemals mit der letzten Seite endet.

Bildmaterial mit freundlicher Genehmigung von Jonathan Bean, Vittorio Giardino