Kennst du das Syndrom des zufriedenen Sklaven?

29. Dezember 2015 en Psychologie 6 Geteilt
„Nichts ist so entmutigend wie ein zufriedener Sklave.“

Ricardo Flores Magón

Wir wissen alle, was ein Sklave ist, nämlich eine Person, der die Freiheit genommen wurde. So ähnlich wie Menschen, die an dem Stockholm-Syndrom leiden, was darin besteht, dass eine entführte Person ein affektive Bindung zu ihrem Entführer aufbaut, so kann es auch passieren, dass ein Sklave damit zufrieden ist, dass ihm die Freiheit entzogen wurde.

Dies hat nichts mit Sexualität zu tun. Das Syndrom des zufriedenen Sklave geht weit darüber hinaus. Möchtest du mehr über dieses Syndrom erfahren? Erkennst du dich vielleicht in den beschriebenen Mustern wieder?

Mentale Ketten

Wenn wir über Sklaverei reden, dann denkt die ganze Welt, dass es sich um etwas Althergebrachtes handelt, was der Vergangenheit angehört. Aber sind wir da so sicher? Ein zufriedener Sklave trägt viele mentale Ketten. Dies macht es wesentlich schwieriger, sich gegen sie aufzulehnen, weil diese Ketten sich in seinem eigenen Kopf befinden und dadurch auch einen Teil von ihm selbst ausmachen.

Die Art und Weise, wie jemand versklavt wird, hat sich geändert, es geschieht jetzt wesentlich subtiler. So können wir zufriedene Sklaven sein, ohne dies zu bemerken. Niemandem gefällt es, ein Sklave zu sein, aber was ist, wenn wir uns dessen einfach nicht bewusst sind? Im Folgenden werden wir dieses große Unbekannte aufdecken.

Kopf

Wenn du nicht dazu in der Lage bist, dich gegen eine Erniedrigung aufzulehnen, wenn du deinen Kopf in einer Diskussion hängen lässt, ohne deine Meinung zu sagen, dann bist du ein Sklave. Wovor hast du Angst? Du weißt, dass du gern deine Stimme erheben willst, aber irgendetwas hält dich davon ab. Oder sollten wir vielleicht sagen, dass du dich selbst davon abhälst?

Die Ketten, die wir vielleicht haben, können von niemandem gelöst werden, nur von uns selbst. Regeln, die dafür gemacht sind, um uns zu sagen, wie man in der Gesellschaft leben sollte, die Notwendigkeit, perfekt zu sein: Diese schränken oft die Freiheit unseres wahren Ichs ein, das versucht, zu erblühen. Doch leider bemerken wir dies oft nicht.

Bist du glücklich dabei, dass du anderen erlaubst, dich zu erniedrigen? Bist du glücklich, wenn du versuchst, genauso zu sein, wie die Anderen? Führt dich deine Suche nach Glück wirklich zu ihnen hin? In Wirklichkeit nicht.

Lebst du wie betäubt?

Man kann das Syndrom des zufriedenen Sklaven damit vergleichen, unter den Auswirkungen einer Betäubung zu leben. Wir sind wie Körper, die relativ ähnlich denken und die das machen, von dem wir glauben, dass wir es wollen. Doch die Wirklichkeit sieht komplett anders aus. Wir sind zufriedene Sklaven und daran glauben wir.

Lasst uns einen Moment an unsere Beziehungen denken. Je nachdem, an welchem Ort du dich aufhältst, wirst du ein anderes Konzept von Beziehungen, Untreue oder Monogamie haben. Vielleicht hast du mal eine andere Form der Beziehung ausprobiert, anders als die, die sie dir als kleines Kind eingetrichtert haben, aber bist du deshalb kein zufriedener Sklave?

Puppen

Alle menschlichen Wesen sind auf der Suche nach Glück, oder zumindest glauben wir, dass dies unser Ziel ist. Was heißt jedoch Glück für dich? Eine Familie gründen? Einen sicheren Arbeitsplatz haben? Das Glück wird von unserer Gesellschaft vorgeschrieben. Die Menschen, die hingegen anfangen, gegen dieses Syndrom aufzubegehren, erfahren als Reaktion eine Art unsinniges Trugbild von Stereotypen, die uns von der Gesellschaft aufgezwungen werden, in der wir leben.

„Sie lachen über mich, weil ich anders bin, ich lache über sie, weil sie alle gleich sind.“

Kurt Cobain

Es gibt ein uniformiertes Denken. Etwas, was uns nicht erlaubt, uns anders zu fühlen als die Menschen, die uns umgeben. Doch wenn wir darüber hinausgehen, wenn wir diese Ketten ablegen, dann werden wir erst recht zu seltsamen Wesen. Wir fangen an, die anderen Menschen als eine Gruppe zu sehen, die alle das Gleiche denken, während wir anders sind.

Erinnerst du dich an die Schuhe, die dir überhaupt nicht gefallen haben, die du jetzt aber anziehst? Die Werbung, die Mode und die Gesellschaft selbst „zwingen“ dich dazu, dass du letztlich Unterwürfigkeit zeigst. Vorher haben sie dir nicht gefallen, aber jetzt ziehst du sie an. Obwohl du nicht glaubst, dass deine Freunde Druck auf dich ausüben, erzwingen, dass du diese Schuhe anziehst, die du so gehasst hast. Die Gesellschaft setzt dich unter Druck, erzwingt, dass du dich angleichst.

Denken wir an unsere eigene Familie, gibt es dort immer noch eine traditionelle Rollenverteilung?

In vielen schon, und weißt du warum? Wenn wir es schaffen, dagegen zu rebellieren und darauf zu verzichten, dann fühlen wir uns nicht wertgeschätzt. Da wir in unserem Heim ständig vorgelebt bekommen, wie ein Mann lebt, wie eine Frau lebt, reproduzieren wir dies später in unseren eigenen Beziehungen, ohne uns dessen bewusst zu sein.

Deshalb existieren auch heute noch viele Dinge, die bereits in der Vergangenheit hätten bleiben sollen. Deshalb sind viele Menschen so widersprüchlich. Sie bemerken nicht, dass sie etwas nachmachen, was sie selbst kritisieren oder sogar ablehnen.

Zu versuchen, man selbst zu sein, ist sehr schwierig. Es scheint, als ob wir alle durch die gleichen Muster geprägt sind und wenn du dich davon entfernst, wirst du zu einem seltsamen Vogel. Frustration, Pessimismus und Depression können dich vereinnahmen. Du kannst den Rest nicht verändern, du kannst aber dich selbst verändern. Befreie dich von deinen Ketten und sei frei. Suche nach deiner eigenen Zufriedenheit, entfernt von dem, was uns die Gesellschaft diktiert.

Auch interessant