Endlich frei fliegen wie ein Adler

· 11. November 2015

Maharat war gerade 22 Jahre alt geworden und träumte davon, frei zu sein, zu reisen und ferne Länder zu erkunden. Seine Mutter, die ihn beschützen wollte, versuchte ihn mit allen erdenklichen Mitteln in seinem Enthusiasmus zu bremsen. Der junge Erwachsene war pausenlos frustriert, weil er seine Mutter liebte und unter ihren Fittichen stand, was ihre Kritik an seinen Reiseplänen anbelangte. Eines Tages entschied er sich, geplagt von Zweifeln und Grübeleien, auf einen Berg zu steigen, um dort oben über die Zweifel seiner Mutter nachzudenken, die ihn regelrecht folterten. Er fing dort an, zu träumen, schloss seine Augen, und vor seinem geistigen Auge begann ein seltsames Gedankenspiel:

Eine Art Huhn, dem die Gabe des Fliegens nicht geschenkt wurde, war gerade dabei, ein Ei eines anderen Vogels auszubrüten, welches es in seinem Nest vorfand. Das junge Küken schlüpfte, und nachdem eine Weile vergangen war, fragte es seine Mutter: „Wann werde ich fliegen können?“ Daraufhin antwortete sie: „Warum willst du fliegen können? Siehst du denn nicht, wie schön wir es haben, so wie es ist? Außerdem werde ich nicht auf dich aufpassen können, wenn du fliegen kannst, und auf dieser Welt gibt es viele unbekannte, gefährliche Dinge.“

Als Maharat wieder aus seinem Traum erwachte, fühlte er sich leicht verwirrt. Und als er vom Berg herunterkletterte, hörte er eine Stimme sagen und singen:
„Wenn du wie die Adler leben willst, dann darfst du nicht bei den Sperlingen bleiben.“
(aus: „Geschichten, um das Lernen zu lernen“ von José María Doria)
Gib deine Träume nicht für die Ängste der anderen auf. Auch nicht, wenn die Zweifel aus den Reihen der eigenen Familie kommen. Der Einzige, der darunter leiden wird, wirst du sein. Sei dankbar für jeden Rat, aber vergiss nicht, dass es Ratschläge sind (gut gemeinte Orientierungen für dein Leben) und keine Befehle. Keine Rose ohne Dornen, sagt ein altes Sprichwort.
Du solltest immer versuchen, nach dem Besten zu streben und nicht jedes Mal sind die Lebensbedingungen dabei auf deiner Seite. Es gibt immer ein „aber“. Doch Teil des Lebens ist es, immer eine Antwort auf eine bestimmte Lebenssituation zu haben und du solltest dir klar vor Augen führen, was du erreichen willst.
Erzählung

Die Angst vor sich selbst und vor anderen

Jeder weiß, dass das Leben nicht einfach ist und wir ständig Entscheidungen treffen müssen, die Risiken mit sich bringen oder Opfer erfordern, sei es für das eigene Glück oder das Gemeinwohl.
Das Leben verrät uns nie, wann der richtige Moment gekommen ist. Die besten Möglichkeiten kommen oftmals ganz unerwartet.
Wichtig ist, diese Möglichkeiten zu erkennen und sie beim Schopf zu nehmen. Denn niemand weiß, wann sich solch eine Gelegenheit noch einmal bietet und in welcher Art und Weise.
Wie das spanische Gedicht Momente besagt: „Man muss leichtfertiger umherreisen und mehr Eis essen und weniger Bohnen.“ Kurz gesagt: Man sollte etwas leichtsinniger sein als das bisher der Fall war.
Die Möglichkeit, die du heute ausschlägst, kann zweifellos morgen dein größter Verlust sein. Und die Zeit kann man leider nicht zurück drehen. Früher oder später holt uns unsere Entscheidung sowieso ein, ob wir Recht damit behielten, zu warten oder etwas zu tun, um unser Leben zu verbessern.

Eine Sache des Charakters und des Ermessens

Dein Charakter und dein Ermessen wird auf die Probe gestellt, wenn es darum geht, dass deine Aufgabe darin besteht, gern und aufmerksam den Ratschlägen anderer zuzuhören. Aber es liegt auch an dir, mehr mit dem Verstand als mit dem Herzen zu entscheiden.
Es gibt für alles den richtigen Moment: der richtige Moment, um zu lachen, und der richtige, um zu weinen, der richtige, um vorsichtig zu sein, und der richtige, um frei zu fliegen, wie ein Adler, auch wenn die Eltern anderer Meinung sind.
Niemand kommt im Leben weiter, wenn er nicht auch mal ein Risiko eingeht. Wir müssen fast immer etwas verlieren, um etwas anderes zu gewinnen. Und das Beste daran ist, die Anstrengungen und Momente des Zweifelns und der Unsicherheit als eine Art Investition anzusehen, und nicht als verschwendete Zeit oder einen Verlust. Unsere Sinnhaftigkeit dient dem Vergleich und der Beurteilung unserer Möglichkeiten, die uns das Leben bietet. Und dadurch bestimmen wir selbst, wie glücklich wir sein können.

Unser Rat: Riskiere etwas, aber gehe vorsichtig und behutsam dabei vor. Es geht nicht darum, alles auf einmal zu verlieren oder alles von heute auf morgen zu gewinnen. Es geht darum, nach und nach als Person und Individuum zu wachsen, Tag für Tag.

Den richtigen Weg zu finden, ist nicht immer einfach, aber das muss auch so sein. Wenn du im Leben weiter kommen und erfolgreich sein willst, dann denke an die Weisheit die hinter der einführenden Geschichte steckt und achte auf die Möglichkeiten, die dein eigenes Leben für dich bereit hält. Man hört nie auf, zu lernen und niemand ist allwissend.
Bildmaterial mit freundlicher Genehmigung von Flying high