Es ist dein Traum: Niemand wird dir sagen, wie und wohin du fliegen sollst

30. Oktober 2015 en Bücher 177 Geteilt

1970 veröffentliche Richard Bach einen der schönsten Romane unserer Geschichte, der viele Generationen zum Nachdenken bewegte: Die Möwe Jonathan.

Es ist eine Heldengeschichte über eine Möwe, darüber, was sie das Leben lehrt und wie sie lernt, zu fliegen – eine Art Ratgeber über das persönliche Weiterkommen. Der Roman schildert, wie man sich nicht damit abfinden sollte, eine Möwe zu sein, deren Dasein nur darauf beschränkt ist, in der Luft umher zu fliegen und Nahrung zu suchen, sondern wie man sich am Leben erfreut.

„Wir sind frei, dorthin zu gehen, wo wir hingehen wollen und zu sein, wer wir sein wollen. Das einzige Gesetz, das es wirklich gibt, ist das Gesetz der Freiheit, und kein anderes“ , sagte die Möwe Jonathan.

Die Möwe Jonathan war anders als die anderen Möwen. Sie hatte einen Traum. Ein einfacher Traum, aber für Möwen war dies kein normaler Traum. Jonathan wollte fliegen, aber nicht wie eine normale Möwe, sondern auf eine ganz besondere Weise – auf eine akrobatische Weise, mit Pirouetten und Sturzflügen, ganz hoch oben und in der Nacht, …

Doch dafür musste er sich von seiner Schar trennen, um sich seinen grenzenlosen Traum vom Fliegen zu erfüllen. Jonathan wollte einfach nur fliegen. Er liebte es, zu fliegen. Er liebte es, zu fliegen, ohne sich nach den anderen richten zu müssen. Er liebte es, zu fliegen und dabei bis an seine eigenen Grenzen zu kommen, seine Grenzen der Perfektion.

Träume sind ein Teil der menschlichen Natur, da wir uns durch sie verbessern, unsere Grenzen überschreiten und unserem Geist freien Lauf lassen, um dem „normalen“ Leben zu entkommen. Nur durch unsere Träume sind wir frei, erreichen den Himmel, streicheln unsere Seele und unseren Verstand.

Träume treiben uns zu Höchstleistungen an

Nicht jeder ist gleich. Es gibt fast unerreichbare Träume und Ziele und es gibt wiederum andere, die mit einem Wimpernschlag in Erfüllung gehen. Alle sind gleich wertvoll, obwohl uns manche mehr abverlangen als andere. Es ist ganz normal und menschlich, Träume zu haben, Meinungen anderer zu ihnen hören oder über deren Realität sprechen zu wollen. So weit, so gut.

Doch manchmal können die uns gegebenen Ratschläge und Gespräche darüber, die wir nicht hören möchten, sich in eine Art Gefängnis verwandeln, aus dem es schwer wieder auszubrechen ist. Wann werden aus Ratschlägen Befehle?

Seit eh und je gibt es eine endlose Diskussion zwischen denjenigen, die behaupten, dass alles im Leben vorherbestimmt sei und denjenigen, die sich sicher sind, dass wir unsere eigene Zukunft schreiben und wir Schritt für Schritt unser Leben selbst gestalten. Es ist eine nicht enden wollende Diskussion, da, zumindest in dieser Welt, niemand mehr herausfinden wird, wer denn nun Recht hat.

Trotz dieser Grundsatzdiskussion, auf die es letztendlich doch keine Antwort gibt, ist eines definitiv möglich: das zu kontrollieren, was in unserer Macht liegt. Wir gestalten unseren eigenen Weg und führen so unser Leben zu unserem selbstgewählten Schicksal.

Seine Träume zu träumen kostet keinen müden Cent. Und wenn wir uns Ziele setzen, die uns diese Träume aufweisen – wie ein Schicksal, das wir herbeisehnen, ohne uns selbst und somit der Entwicklung unserer Persönlichkeit Grenzen zu setzten –  dann können wir durch diese Träume zu etwas gelangen, dass man „Glück“ nennt.

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Schicksal und Ziel sind genauso wichtig wie der eigentliche Prozess, um seinen Traum zu verwirklichen

Der wundervolle Anblick einer Landschaft, an deren Horizont wir gelangen möchten; eine einzigartige Person, mit der wir eine Beziehung eingehen oder die wir irgendwann heiraten möchten; ein Kern, aus dem eine wunderbare Frucht entsteht; ein gutes Essen genießen oder kleine Schritte erreichen, von denen niemand gedacht hätte, man würde diese Hürden bezwingen können.
Jeden einzelnen Moment zu genießen ist sehr wichtig, denn wenn wir die kleinen Details des Alltags nicht schätzen lernen, ihnen keine Beachtung schenken, ihre Schönheit nicht zu schätzen wissen, welchen Sinn hat es dann überhaupt, nach etwas zu streben?

Diese Momente zu genießen hilft dabei, keinen Frust über nicht erreichte, kaum umsetzbare Ziele in sein Leben kommen zu lassen, denn wir können sagen: „Ich habe es wenigstens probiert!„. Jemand träumte einst davon, auf den Mond zu fliegen und er sprach das auch aus, und fast jeder sagte ihm, dass es unmöglich sei, dass er es niemals dort hin schaffen würde, dass er sich lieber mit Dingen beschäftigten sollte, mit denen sich jeder beschäftigt und aufhören solle, zu träumen.

Diesen Traum hatten viele. Diese „Tagträumer“ hatten es nicht einfach, weil es immer jemanden gab, der ihnen den Wind aus den Segeln nahm. „Denk nicht an so was.“ – „Fang etwas Richtiges mit deinem Leben an.“ – „Werde endlich erwachsen.“ – „Arbeite und träume nicht.“ – „Komm mal auf den Boden der Tatsachen zurück.“  und noch tausend andere „Ratschläge“… Kommt dir das bekannt vor?

Dank der Hartnäckigkeit wurde aus diesem Traum Realität als Neil Armstrong 1969 vom Mond aus zur Erde funkte: „Ein kleiner Schritt für einen Mann, ein großer Schritt für die Menschheit.“

Das Leben zeigt uns Werte und Ziele auf, von denen wir einige erreichen und andere nicht. Lasse dir von letzteren nicht dein Leben bestimmen. Lasse nicht zu, dass sie deine Träume werden, dass sie das Einzige sind, woran du denken kannst. Und lasse auf keinen Fall zu, dass Träume oder Wirklichkeiten anderer Personen deine Träume zerstören oder ihnen Grenzen setzen.

Die Möwe Jonathan lehrte uns, dass die einzige Grenze, die wirklich existiert, darin besteht, dass wir unsere eigenen Träume nicht zum Leben erwachen lassen können. Und gib gut acht auf deine Ängste, denn sie zerstören deine Träume.

Flieg Möwe, flieg, lass deine Träume fliegen.

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