Muss man in einer festen Beziehung leben?

· 29. Oktober 2015

„Manchmal verwechseln wir den Wunsch, allein zu sein, mit dem Bedürfnis mit der richtigen Person zu sein.“

Francesc Miralles

Eine feste Beziehung gründet auf gegenseitigem Respekt, bietet viel Zufriedenheit, generiert ein großes Wohlbefinden und kann uns starken Rückhalt geben. Die persönliche Entwicklung vollzieht sich gemeinsam und beide lernen etwas Einzigartiges und Schönes.

Was ist, wenn jemand keine feste Beziehung hat oder nicht haben will?

„Die Menschen, die in befriedigenden und stabilen Beziehungen leben sind ausgeglichene Wesen. Sie suchen nicht nach jemandem, der „eine Lücke füllt“. Sie erkennen ihren eigenen Wert.“

Andrew Matthews

Es handelt sich hier um eine sehr persönliche Meinung, da es viele Menschen gibt, die in ihrem Leben andere Prioritäten haben als eine feste Beziehung, was vollkommen in Ordnung ist. Für solche Menschen könnte ein Partner auch in Konflikt mit ihrem Lebensstil stehen und deshalb entscheiden sie sich dafür, allein zu leben.

Ein Paar zu sein ist eine Entscheidung, die nicht zwingend notwendig ist, da es von dem abhängt, was jeder Einzelne in seinem Leben will. Man kann ohne Probleme auch ohne einen Partner leben, da unsere persönliche Wertschätzung und Zufriedenheit nicht davon abhängt, ob man allein oder zu zweit ist.

Welche Art von Beziehung wir haben, sagt auch sehr viel über uns selbst aus, über unsere Unsicherheiten, Verletzlichkeiten und Ängste. Brauchen wir den anderen?

Manchmal scheint es, als ob wir immer wieder die gleiche Form von Partnerschaft eingehen, obwohl es uns jedesmal ein Gefühl der Unzufriedenheit bereitet. Dies geschieht nicht zufällig, sondern hat viel damit zu tun, dass wir noch erlernen müssen, wie man eine gesunde Beziehung führt.

Worin besteht eine gesunde Beziehung?

Oft bauen wir eine Beziehung zu jemandem auf, der uns kaum etwas gibt, was uns wiederum mit Unglück, Bitterkeit und Unzufriedenheit erfüllen kann.

Die Erfahrung, Liebe in einer festen Beziehung zu erleben, ist ein Weg gemeinsamen Reifens, auf dem wir viel über uns selbst lernen, unsere Vorlieben, Leidenschaften und Vergnügen austauschen. Genauso wie unsere Schwierigkeiten, Ängste und Mängel, die zum Vorschein treten, wenn wir unser Innerstes der Person öffnen, mit der wir emotional zusammen sein wollen. So zeigen wir unsere intimsten Seiten, die wir normalerweise nicht zur Sprache bringen.

Eine Partnerschaft hört auf gesund zu sein, wenn diese zu einer Notwendigkeit, zu einer emotionalen Abhängigkeit wird und wir anfangen unseren eigenen Wert in der anderen Person zu suchen. Diese Art von Bindung kann sehr schädlich sein.

Mit oder ohne Partner ist es am Wichtigsten zuerst sich selbst zu lieben, wertzuschätzen und zu respektieren. Auf diese Art und Weise, egal ob man eine Beziehung haben will oder nicht, können wir eine zufriedenstellende, emotionale Bindung zu anderen aufbauen, da es sich hier um die Grundpfeiler handelt, die nötig sind, um eine gesunde Beziehung zu führen.

Letztendlich geht es beim Aufbau einer emotionalen Bindung mit anderen Menschen darum, sich gut zu fühlen. Trotzdem ist es wichtig zu unterscheiden, ob es sich dabei um eine gefühlte Notwendigkeit handelt, dieses Wohlgefühl durch jemand anderen zu erreichen oder ob es darum geht, dieses zu teilen.

Eine Gesunde Beziehung verlangt Akzeptanz, um mit einer anderen Person in einem gemeinsamen Raum das teilen zu können, was wir sind, was uns wiederum auch das Recht gibt unseren eigenen Raum zu genießen.

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Warum denkt man immer, dass man eine Beziehung haben muss?

Eine feste Beziehung zu haben ist eines der gewöhnlichsten Dinge in unserer Gesellschaft oder zumindest lässt man uns das glauben. Dies sagen uns die Medien, die Literatur und auch unsere Eltern.

Du hast bestimmt mehr als eine Person in deiner Familie, die dich häufiger fragt – Und, hast du eine/-n Freund/-in?-, und dies bereits seit deinem Kindesalter. Die Partnersuche kann so leicht zu einer Pflichtübung werden und uns schlecht fühlen lassen, wenn wir keinen Partner haben.

Diese Vorstellung wird auch in Filmen und Märchen eingeführt, in denen der romantischen Liebe eine große Rolle eingeräumt wird, präsentiert durch die Prinzen und Prinzessinnen, die Idee der Existenz einer besseren Hälfte und die Vorstellung, dass man für die Liebe leiden muss. All diese verbreiteten Mythen erscheinen in unserem Kopf in der Form: Du sollst eine feste Beziehung haben um glücklich zu sein.

Sowohl die Ehe als auch die feste Beziehung haben sich in unserer Kultur als fundamentaler Kern der Organisation unserer Gemeinschaft etabliert. Trotzdem gibt es viele Personen, die sich dagegen entscheiden, in einer festen Beziehung zu leben, sei es über einen bestimmten Zeitraum hinweg oder auch für den Rest ihres Lebens.

Der wichtigste Aspekt in dieser Frage ist es, zu wissen, dass es sich bei einer Partnerschaft um eine Wahlentscheidung und nicht um eine Notwendigkeit handelt. In dem Moment, in dem sie zu einer Notwendigkeit wird, entsteht auch die Abhängigkeit, die Konformität und der Wunsch nach Besitz, so dass wir auf diese Weise eine Beziehung aufbauen, die auf Verzweiflung beruht.

„Das Wissen darüber, wie man für die Liebe einen Platz in unserem Leben findet und wir wir für uns selbst einen Platz in der Liebe finden, verlangt viel Arbeit an der persönlichen Entwicklung, um die Liebe nicht mit etwas Anderem zu verwechseln: Besitznahme, Druck, Auflösung, usw. Wenn man jeden Tag die Kunst des Liebens weiterentwickelt, bedeutet dies, dass man die Liebe wie eine Kunst versteht: Die Kunst des Teilens, der Harmonie, der Kreation.“

Fina Sanz