Probleme lösen: Die wissenschaftliche Methode des Entscheidens

· 7. Juli 2017

Ach, diese Probleme! Unser ganzes Leben lang bereiten sie uns Kopfschmerzen, von jenen, die uns die Mathematik in der Schule verursachte, hin zu jenen, die wir nun als Erwachsene im täglichen Leben antreffen. Zum Glück hatten wir, bevor wir uns ersteren stellen mussten, Lehrer, die uns beibrachten, wie man sie löst. Aber was können wir den Problemen in unserem echten Leben entgegensetzen?

Unsere Probleme verlangen nicht nach Formeln, die uns in jedem Fall zu einem konkreten Ergebnis führen… Aber wir dürfen die Hoffnung nicht verlieren: Auch wenn es keine einzige Methode gibt, die uns immer einen sicheren Ausgang verspricht, wenn wir etwas Bestimmtes tun, können wir uns selbst mit Problemlösestrategien auf den richtigen Weg bringen.

„Ich bin kein Produkt meiner Umstände, ich bin das Produkt meiner Entscheidungen.“

Steven Covey

Was ist eine Problemlösetherapie?

Konflikte sind Teil des Lebens und wir alle leiden unter ihnen. Die Tatsache, dass wir Menschen sind, macht uns aber von Natur aus zu Problemlösern, auch wenn diese natürliche Gabe bei manchen Menschen besser ausgeprägt ist als bei anderen. Was sagt uns das? Es handelt sich dabei um eine Fähigkeit, die man lernen kann. Deshalb kamen D’Zurilla und Golfried im Jahr 1971 auf die Idee des Problemlösetrainings.

Nach einem entsprechenden Training fällt es uns leichter, Probleme zu identifizieren, alternative Lösungen zu finden und aus unseren Vorschlägen die effizienteste Reaktion auszuwählen. So haben wir ein zusätzliches Instrument zur Verfügung, um negative Emotionen zu kontrollieren, die verschiedene Hürden mit sich bringen können.

Diesbezüglich sollten wir einer Technik folgen, die fünf Schritte umfasst und im Folgenden genauer beschrieben wird. Das Erlernen des Problemlösens ist ein langwieriger Prozess, aber er ist jede Minute wert, wenn du ihn dann für wirklich problematische Situationen nutzt. Die Schritte, die es zu gehen gilt, sind:

  • Orientierung am Problem
  • Definition und Formulierung des Problems
  • Entwickeln verschiedener Lösungsansätze
  • Entscheidungen treffen
  • Ausführung und Prüfung

Phase 1: Orientierung am Problem

Der erste Schritt, der getan werden muss, bevor man versuchen kann, ein Problem zu lösen, ist es, eine positive Haltung zu dem Konflikt und unserer Fähigkeit, ihn erfolgreich zu lösen, einzunehmen. Wir müssen an uns glauben, annehmen, dass wir es schaffen können, das Problem zu lösen, und wir müssen die Laster identifizieren, derer wir uns dazu entledigen wollen, wie beispielsweise unserer Unsicherheit.

Auf der anderen Seite ist es wichtig, dass wir unseren Blick auf das Problem ändern. Statt negativ darüber zu denken, weil es uns das Leben erschweren wird, sollten wir es als eine Herausforderung betrachten, die uns dabei helfen kann, in unserer Persönlichkeit zu wachsen und unsere Fähigkeiten zu verbessern.

Zusätzlich zu all dem müssen wir dazu in der Lage sein, innezuhalten und nachzudenken, bevor wir handeln, damit wir die erste Phase dieses Prozesses durchlaufen können. Denn wenn wir impulsiv handeln, unterlaufen uns leicht Fehler beim Lösen des Problems.

Phase 2: Definition und Formulierung des Problems

Wenn wir erst einmal akzeptiert haben, dass es Probleme gibt und dass wir Lösungen dafür finden können, können wir in die nächste Phase starten. Hier werden wir den Konflikt genau definieren und formulieren. Das ist sehr wichtig, denn wenn wir erst einmal konkret verstanden haben, worin die Herausforderung liegt, haben wir schon einen großen Schritt zu ihrer Bewältigung getan.

Deshalb ist es eine gute Idee, zu beginnen, relevante Informationen zu sammeln, um es in deutlichen, spezifischen und genauen Begriffen zu beschreiben. Es ist sehr wichtig, dass wir eine solide Grundlage objektiver Fakten haben. Wir müssen außerdem definieren können, warum es sich bei der speziellen Situation, in der wir uns befinden, um einen Konflikt handelt. Zudem müssen wir diesen Konflikt bezüglich unseres persönlichen und sozialen Wohlbefindens bewerten.

Schließlich müssen wir uns dessen bewusst sein, dass nicht jedes Problem gelöst werden kann. Die Lösung muss ein realistisches Ziel darstellen. Wir können auch ein komplexes Problem in mehrere kleinere Probleme zerlegen, für die es einfacher ist, eine Lösung zu finden.

Phase 3: Entwickeln verschiedener Lösungsansätze

Wenn wir es geschafft haben, die beiden vorhergehenden Phasen abzuschließen, und wir wissen, was genau das Problem ist, dem wir uns gegenübersehen, ist es an der Zeit, so viele Lösungsmöglichkeiten wie möglich zu finden. Das kann schwierig sein, aber wir sollten uns die Zeit dafür nehmen und daran arbeiten.

Je mehr Lösungsalternativen wir uns überlegen, desto mehr Ideen werden wir an der Hand haben und die Chance, die beste Reaktion auf unseren Konflikt zu finden, steigt. Es ist wichtig, daran zu denken, dass wir in dieser Phase die Qualität der potenziellen Lösungen nicht beurteilen, weil das unsere Vorstellungskraft einschränken würde. Deshalb beginnen wir erst im nächsten Schritt, die Entwürfe zu bewerten.

Phase 4: Entscheidungen treffen

Jetzt ist der Zeitpunkt gekommen, die verschiedenen Lösungsansätze, die wir uns in der vorherigen Phase ausgedacht haben, zu vergleichen und zu bewerten. Auf Grundlage dieser Bewertung suchen wir dann die beste Lösung oder die besten Lösungen aus.

Wie gehen wir dabei vor? Nun ja, für jede mögliche Alternative beurteilen wir den Aufwand und den Nutzen auf kurze und auf lange Hinsicht, um die Lösung oder die Kombination aus Lösungen auszuwählen, von der wir glauben, dass sie uns das erwünschte Ergebnis bringen wird. Dazu werden wir anhand von vier Kriterien arbeiten:

  • Lösung des Problems: Wahrscheinlichkeit, mit der eine Lösung erreicht wird
  • Emotionales Wohlbefinden: Qualität des erwünschten emotionalen Resultats
  • Zeit/Aufwand: Das geschätzte Ausmaß an Zeit und Anstrengung, das wir zu brauchen glauben
  • Persönliches und soziales Wohlbefinden in Kombination: Gesamtergebnis hinsichtlich Kosten/Nutzen

Phase 5: Ausführung und Prüfung

Was bleibt noch zu tun, nachdem wir uns für die richtige Lösung entschieden haben? Sie in die Praxis umsetzen! Das ist die einzige Möglichkeit, zu sehen, ob es tatsächlich die richtige Lösung ist, um die problematische Situation zu überwinden. Wenn wir sie ausgeführt haben, müssen wir uns selbst so objektiv wie möglich beobachten und das Ergebnis unserer Handlung mit dem vergleichen, das wir vorausgesagt hatten. Wenn sich herausstellt, dass sich das erwünschte Ergebnis nicht einstellt, müssen wir den Ursprung dieser Diskrepanz finden und beheben.

„Handlung ist der Schlüssel zu jeglichem Erfolg.“

Pablo Picasso

Wenn wir schließlich ein kompliziertes Problem gelöst haben, vergessen wir häufig, etwas sehr Wichtiges zu tun: uns zu belohnen. Es gibt Menschen, die in ihrem Leben von einer Sorge zur nächsten springen, und wenn sie gerade keine Sorgen haben, dann sehen sie in der Zukunft welche voraus. Dieses Verhalten ist ohne Zweifel der beste Weg, schließlich vom Stress begraben zu werden.

Der wichtigste Teil von all dem ist, dass wir aufhören müssen, über das Problem nachzugrübeln und nach Lösungen zu suchen, ohne jemals eine einzige davon umzusetzen. Dadurch werden wir uns nur noch unwohler fühlen oder schließlich sogar eine Angststörung oder Depression entwickeln.

Wir müssen Risiken eingehen und eine Entscheidung treffen, einen Schritt nach vorne wagen. Es macht nichts, wenn wir es vermasseln! Wer ist schon perfekt? Keiner. Deshalb ist es besser, eine falsche Entscheidung zu treffen, als immer weiter und weiter nachzudenken, ohne irgendetwas zu tun. Jetzt, da du weißt, wie, ist es an der Zeit, die Lösungen für die Herausforderungen zu finden, die sich dir stellen.

Bildmaterial mit freundlicher Genehmigung von Ryan McGuire