Eine Geschichte über Hoffnung: Das Farnkraut und der Bambus

· 25. November 2016

Wir könnten sagen, dass die Geschichte vom Farnkraut und Bambus eine Geschichte über die Hoffnung ist. Wieso? Weil wir in ihr entdecken, was Resilienz und Beharrlichkeit bedeuten. In anderen Worten geht es in dieser Geschichte um die Wichtigkeit, uns nicht geschlagen zu geben, wenn wir vor einer Hürde, einer Herausforderung oder einem schlimmen Ereignis stehen, das noch immer kein Ende gefunden hat.

Es kann sein, dass wir die Veränderungen nicht sehen und dass es uns schwerfällt, an einem Punkt unseres Lebens standhaft zu bleiben, an dem wir kein Weiterkommen sehen, sondern wir das Gefühl haben, dass wir nicht vom Fleck kommen oder sogar einen Schritt zurück machen. Doch das ist Teil des Lebens und zweifellos spielen viele Faktoren eine Rolle, wenn wir uns die Frage stellen, ob wir weiterhin den Weg gehen sollen, von dem wir glauben, dass er uns zu unserem Ziel bringt.

Aber was passiert, wenn wir aufgeben und unser Ziel in Wahrheit in greifbarer Nähe ist? Hier kommt das Phänomen der Verlustaversion ins Spiel, welches in Psychologie und Ökonomie häufig anzutreffen ist.

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Emotionales und kognitives Misstrauen gegenüber Risiken

Wir ziehen es vor, nicht zu verlieren, bevor wir gewinnen, und aus diesem Grund geben wir zu schnell auf, um uns selbst zu schützen und nichts zu riskieren. Wenn wir einen möglichen Gewinn fern sehen, nehmen wir es lieber in Kauf, einen Rückzieher zu machen und einen Verlust zu vermeiden, bevor wir es wagen, auf den Sieg zuzugehen.

Dieser Verlust kann emotionalen, ökonomischen oder anderen Ursprungs sein. Was fest steht, ist die Tatsache, dass wir unsere Erfolgsaussichten unter bestimmten Umständen begünstigen können, wenn wir dieses Phänomen berücksichtigen.

Amos Tversky und Daniel Kahneman meinen, dass unsere Einstellung gegenüber Problemen davon abhänge, wie wir Alternativen betrachten. Wenn wir demnach an einen Menschen denken, der seit 15 Jahren in einer monotonen und langweiligen Beziehung lebt, können wir annehmen, dass es irgendeinen Grund, einen „Fehler“ in dieser Person gibt, der dafür verantwortlich ist, dass diese Personen nicht in der Lage ist, etwas zu ändern. Sie hat eine Aversion davor, die Beziehung zu beenden.

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Die Tatsache, dass dieser Mensch sich dazu entschließt, die Beziehung zu beenden oder eben auch nicht, hängt hauptsächlich davon ab, wie er ihr Verbleiben in der Partnerschaft sieht. Die Person aus unserem Beispiel hat zwei Möglichkeiten, die wir im Folgenden erklären werden. Zuerst mit abstrakten Begriffen und danach etwas spezifischer in Bezug auf unseren Fall:

  • Wenn wir die Situation in Bezug auf unseren Gewinn sehen, entscheiden wir uns im Allgemeinen für die Aversion, meiden das Risiko. Das heißt: Wenn dieser Mensch der Meinung ist, dass die emotionale Stabilität wertvoller sei als die Notwendigkeit, Neues kennenzulernen, wird er weiterhin in dieser Beziehung bleiben.
  • Wenn wir die Situation in Bezug auf unseren Verlust betrachten, werden wir es vorziehen, ein Risiko einzugehen und einen Schritt nach vorn zu machen. In anderen Worten: Wenn die Person glaubt, dass sie eine Veränderung in ihrem Leben braucht und dass es für sie wichtiger ist, die Welt kennenzulernen, als jemanden an ihrer Seite zu haben, an den sie 24 Stunden am Tag gefesselt ist, dann entscheidet sie sich für das Risiko.

Das Gleiche passiert auch, wenn wir einen schlechten Tag oder eine schwierige Zeit konfrontieren müssen. Wenn wir glauben, dass alles schlecht ist, werden wir wahrscheinlich an der Überzeugung festhalten, dass alles, was wir tun, die Situation nur verschlimmern kann. Das führt dazu, dass wir wie gelähmt sind, und wie wir bereits wissen, ist das nicht mit unserem Glück vereinbar.

Uns dessen bewusst zu sein, hilft uns, zu verstehen, was uns lähmt und was es eindeutig wert ist, ins Spiel gebracht zu werden, um unsere Ziele zu erreichen. Außerdem müssen wir auf diese Kleinigkeiten achten, um Entscheidungen zu treffen. Deshalb ist es so wichtig, Listen mit Vor- und Nachteilen der verschiedenen Optionen zu machen, die für uns plausibel erscheinen, wenn wir uns für etwas entscheiden müssen.

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Die Geschichte vom Farnkraut und vom Bambus

Eines Tages entschloss ich mich dazu, mich geschlagen zu geben: Ich schmiss meinen Job hin, beendete meine Beziehung und hatte keine Lust mehr auf mein Leben. Ich ging in den Wald, um mit einem alten Mann zu sprechen, von dem man sagte, dass er sehr weise sei.

„Könnten Sie mir einen guten Grund nennen, mich nicht geschlagen zu geben?“, fragte ich den Mann.

„Schau dich um“, antwortete er mir, „siehst du das Farnkraut und den Bambus?“

„Ja“, antwortete ich.

„Nachdem ich den Samen des Farnkrauts und des Bambus‘ säte, habe ich mich sehr gut um beide gekümmert. Das Farnkraut wuchs sehr schnell. Sein strahlendes Grün bedeckte den Boden. Aber der Samen des Bambus keimte nicht.
Doch ich gab den Bambus nicht auf. Im zweiten Jahr wurde das Farnkraut immer strahlender und größer und wieder keimte der Samen des Bambus nicht. Doch ich gab den Bambus nicht auf.
Im dritten Jahr war noch immer kein Bambus gewachsen. Doch ich gab den Bambus nicht auf.
Im vierten Jahr wiederholte sich, was zuvor passiert war. Doch ich gab den Bambus nicht auf.
Im fünften Jahr war ein kleiner Spross des Bambus in der Erde zu sehen. Im Vergleich zum Farnkraut war das sehr wenig und unbedeutend.
Im sechsten Jahr wurde der Bambus mehr als 20 m hoch. Es sind bis dahin fünf Jahre vergangen, in denen er seine Wurzeln schlug. Jene Wurzeln, die ihn stark machten und ihm gaben, was er zum Überleben brauchte.
Wusstest du, dass du in all dieser Zeit, in der du gekämpft hast, Wurzeln geschlagen hast?
Der Bambus hat einen anderen Zweck als das Farnkraut, dennoch sind beide wichtig und machen aus dem Wald einen wunderschönen Ort.“

Du solltest niemals auch nur einen Tag deines Lebens bereuen. Die guten Tage machen dich glücklich. Die schlechten Tage lehren dich etwas. Beides ist für das Leben notwendig. Das Glück hält dich bei guter Laune. Deine Kämpfe machen dich stark. Schmerzliche Momente machen dich menschlich. Niederschläge machen dich bescheiden. Erfolg bringt dich weiter.

Wenn du nicht erreichst, wonach du dich sehnst, verzweifle nicht, vielleicht schlägst du einfach gerade Wurzeln.

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Überdenke jeden Tag deine Prioritäten

Wenn wir noch immer mitten in einem wichtigen Projekt stecken, sollten wir uns einmal Gedanken darüber machen, ob es es wert ist, Zeit und Kraft zu investieren, so wie es beim Bambus der Fall war. Die Aufgaben, die die süßesten Früchte tragen, fordern oft viel Mühe und Hingabe.

Diese Geschichte ist keine mythische, nach dem Motto „Wenn du willst, kannst du es schaffen.“  Diese Botschaft ist irreal, bringt uns zum Verzweifeln und beraubt uns unseres ehrlichen und gesunden inneren Dialogs.

Es sollte gesagt sein, dass es es wert ist, hart für etwas zu arbeiten, um ein Ziel zu erreichen, wenn du wirklich davon überzeugt bist, dass es möglich ist und du die Kraft hast, dafür zu kämpfen.

Ganz gleich, ob wir unser Ziel erreichen oder nicht, die Reise ist es wert. Daher ist es wichtig, dass wir unsere Möglichkeiten abwägen und alles geben, um den Samen unseres Bambus jeden Tag zu pflegen. Unsere Mühe wird sich lohnen und aus dem Grund ist es die emotionale Investition wert, uns einer Sache voll und ganz zu widmen, wenn wir etwas wirklich wollen.

Gib nicht auf, auch wenn die Kälte brennt und die Angst beißt

Gib nicht auf, auch du wirst rechtzeitig etwas erreichen oder
etwas Neues beginnen, wirst deine Schatten akzeptieren…
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