Wie wirkt sich die Kontrollüberzeugung auf deine Beziehungen aus?

Menschen mit externer Kontrollüberzeugung neigen dazu, in ihren Beziehungen eine Opferhaltung einzunehmen. Sie sind diejenigen, die am häufigsten in abhängige Beziehungen geraten und ihre Identität verlieren. Wir erklären dir, warum das so ist.
Wie wirkt sich die Kontrollüberzeugung auf deine Beziehungen aus?

Geschrieben von Redaktionsteam

Letzte Aktualisierung: 28. August 2022

Wem gibst du die Schuld, wenn in deinem Leben etwas schiefläuft: dem Schicksal, der Gesellschaft, anderen? Und wenn du in einer Beziehung bist, wer ist dann für dein Glück verantwortlich? Wir wissen, dass die Qualität einer Bindung immer von zwei Personen abhängt. Es gibt jedoch auch Menschen, die eine etwas andere Sichtweise zu diesem Thema haben. In diesem Zusammenhang sprechen wir heute darüber, wie sich die Kontrollüberzeugung auf Beziehungen auswirkt.

Der Kontrollzwang wirkt sich auf alle Lebensbereiche aus, ganz besonders auf Beziehungen. Menschen, die externalisierte Kontrolle ausüben, kennen keine Grenze zwischen ihrem eigenen Selbst und anderen. Hypervigilanz, affektive Unsicherheit, Eifersucht, Misstrauen, ängstliche Anhänglichkeit oder Angst vor dem Verlassenwerden sind für diese Personen charakteristisch.

Die Wahrnehmung, dass das eigene Wohlergehen vom Zufall, vom Schicksal oder vom Verhalten anderer abhängt, führt nur zu Leid. Der Geist gerät in einen Zustand ständiger Unsicherheit und auch absoluter Abhängigkeit. Betroffene verlieren ihre Individualität und werden völlig abhängig von ihrem Partner, wenn es um die Stärkung des Selbstwertgefühls, die Mäßigung von Ängsten und die Sicherheit in der Beziehung geht.

Dies ist eine Persönlichkeitskomponente, die die Fähigkeit Glück zu erleben, von anderen abhängig macht.

Denke daran, dass du in jeder Situation du selbst sein solltest und vermeide es, dich emotional abhängig zu machen.

Wie wirkt sich die Kontrollüberzeugung auf deine Beziehungen aus?
Wenn dein Wohlbefinden ausschließlich von deinem Partner abhängt, verlierst du die Kontrolle über dein Leben.

Wie wirkt sich die Kontrollüberzeugung auf deine Beziehungen aus?

Die Kontrollüberzeugung definiert das Ausmaß der Kontrolle, die eine Person über die Ereignisse in ihrem Leben hat. Es war der Psychologe Julian B. Rotter, der diese Theorie im Jahr 1954 entwickelte. Dieses Konstrukt wurde in der psychologischen Literatur ausgiebig behandelt und hat die Aufmerksamkeit zahlreicher Forscher auf sich gezogen.

Eine Studie der Victoria University of Wellington aus dem Jahr 2020 zeigt eine interessante Tatsache auf: Diese Dimension ist in unsere Persönlichkeit integriert und steht hinter einer Vielzahl von Verhaltenskorrelaten. So haben Menschen mit einer externen Kontrollüberzeugung ein höheres Risiko, in kriminelle Tendenzen abzudriften.

Es wurde auch festgestellt, dass sie sich weniger an psychologische Behandlungen halten, sie früher abbrechen und die Therapien weniger Einfluss auf sie haben. Wenn man äußere Kräfte für die eigenen Umstände verantwortlich macht, wird das Maß an persönlicher Verantwortung völlig verwässert. Diese Persönlichkeitsprofile gehen davon aus, dass sie nicht in der Lage sind, ihre Realität zu ändern.

Die Auswirkungen dieses Denkansatzes auf emotionale Beziehungen sind immens.

Emotionale Verschmelzung und Identitätsverlust

Die Art und Weise, wie sich die Kontrollüberzeugung auf Beziehungen auswirkt, kann verheerend sein. Wenn eine Person ihr Glück und ihr Wohlbefinden ausschließlich davon abhängig macht, was ihr Partner tut oder nicht tut, kommt es zu einem vollständigen Bruch mit ihrer eigenen Identität.

Was dann passiert, ist eine eindeutig schädliche emotionale Verschmelzung mit der anderen Person. Sie integrieren sich so sehr, dass die andere Person zu ihrem Spiegelbild wird. Während sie in diesen Spiegel blicken, versuchen sie herauszufinden, wer sie sind und was sie wollen. Weil ihre Identität vollständig von der anderen Person absorbiert wird, brauchen sie ständig Bestätigung, um sich geliebt zu fühlen und sich zu motivieren. Nur so können sie ihren Selbstwert definieren und Wohlbefinden erreichen. Sie werden so, wie sie glauben, dass andere sie haben wollen.

Ein Gefühl der Leere und der erlernten Hilflosigkeit

Die Person mit einer externen Kontrollüberzeugung nimmt oft eine Opferhaltung ein. Diese Einstellung und dieses Verhalten werden durch die sogenannte erlernte Hilflosigkeit verstärkt. Es war Martin Seligman, der das letztgenannte Konzept definiert hat. Er bezieht sich auf einen Geisteszustand, in dem eine Person davon überzeugt ist, dass sie nichts tun kann, um schädigende Situationen zu bewältigen oder ihnen zu entkommen.

Das Komplexe daran ist, dass Menschen mit Kontrollüberzeugung sich ihres Unglücks voll bewusst sind. Sie wissen, dass sie absolut davon abhängig sind, was ihr Partner sagt oder ihnen zeigt, um sich gut zu fühlen, um ihr Selbstwertgefühl und ihre Identität zu bestätigen. Aber sie können nichts dagegen tun. Das wiederum gibt ihnen ein beunruhigendes Gefühl der Leere. Sie glauben, nie so geliebt zu werden, wie sie es erwarten oder verdienen.

Wenn wir uns fragen, warum manche Menschen diese Art von Kontrollüberzeugung entwickeln, ist es wichtig zu wissen, dass es sich nicht um ein angeborenes Merkmal handelt. Kindheitserfahrungen und die Art der Bindung zu den Bezugspersonen in der Kindheit spielen dabei eine wesentliche Rolle.

Kinder, deren Unabhängigkeit gefördert wird, können Eigenverantwortung und interne Kontrollmechanismen entwickeln. Sie verstehen, dass Handlungen Konsequenzen haben und dass sie die Kontrolle über ihre Handlungen und Entscheidungen übernehmen können und müssen.

Der externe Kontrollmechanismus entzieht uns jegliches Gefühl der Verantwortung für uns selbst.

Frau mit Kontrollüberzeugung in einer Beziehung
Obwohl es in unserem Leben immer ein gewisses Maß an Zufall gibt, haben wir alle eine gewisse Kontrolle über viele Aspekte unseres Lebens.

Der interne Kontrollmechanismus garantiert glücklichere Beziehungen

Der interne Kontrollmechanismus beeinflusst Beziehungen sehr stark. Er macht uns zu reifen, verantwortungsbewussten und durchsetzungsfähigen Menschen, die ihr Leben und ihre Entscheidungen selbst in die Hand nehmen können. Dieser verinnerlichte Fokus korreliert mit der Chance auf glücklichere und qualitativ hochwertigere Bindungen.

Scott M. Myers und Alan Booth haben 1999 in einer Arbeit gezeigt, dass das Glück und die Bereitschaft, ein befriedigenderes Leben zusammen aufzubauen, umso größer sind, je größer das Gefühl der Kontrolle ist. In diesen affektiven Szenarien gibt es nicht mehr diese zwanghafte Abhängigkeit vom anderen, diese heimtückische Angst, nicht geliebt zu werden, nicht genug für den anderen zu sein.

In diesem Fall sind es nicht mehr der Zufall, die Umstände oder das Verhalten des anderen, die die Stimmung und die Zukunft des Lebens bestimmen. Du selbst baust deine Chande auf Glück mit deinen Entscheidungen und deiner Bereitschaft auf, dich um die Beziehung zu kümmern. Und du kontrollierst dich selbst und setzt Grenzen, wenn dir jemand mehr Leid als Hoffnung bringt.

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