Wie die elterliche Bestätigung dein Erwachsenenleben prägt

Wenn du in der Kindheit nicht lernst, deine Gefühle auszudrücken und richtig mit diesen umzugehen, wird es dir im Erwachsenenalter schwerfallen, glückliche und gesunde Beziehungen zu pflegen.
Wie die elterliche Bestätigung dein Erwachsenenleben prägt
Michael Schaller

Geprüft und freigegeben von Psychologe Michael Schaller.

Geschrieben von Redaktionsteam

Letzte Aktualisierung: 24. August 2022

Drückst du in jeder deiner Beziehungen aus, was du fühlst und brauchst? Berücksichtigst du deine Gefühle, wenn du Entscheidungen triffst? Die positive Beantwortung dieser Fragen zeugt von emotionaler Verantwortung und Reife. Viele Menschen unterdrücken jedoch ihre Gefühle und schweigen, um andere nicht zu belasten oder nicht zu widersprechen. Sie sind nicht in der Lage, ihre Wünsche oder Bedürfnisse offen auszusprechen. In vielen Fällen sind die Gründe für dieses Verhalten in der Kindheit zu finden: Die elterliche Bestätigung spielt dabei eine wichtige Rolle. Wir gehen heute näher auf dieses Thema ein.

Die elterliche Bestätigung prägt das Verhalten im Erwachsenenalter. 

Wie die elterliche Bestätigung dein Erwachsenenleben prägt
Viele Menschen, denen es schwerfällt, über eigene Gefühle zu sprechen, müssen die Ursachen in ihrer Erziehung suchen.

Die elterliche Bestätigung und ihre Auswirkungen

Die elterliche Bestätigung ermöglicht es Kindern zu erkennen, dass eigene Gefühle wichtig sind. Kinder lernen auf diesem Weg, richtig mit Emotionen umzugehen und diese entsprechend auszudrücken. Erfahrene und respektvolle Eltern bringen ihren Kindern bei, Gefühle effektiv zu benennen und zu managen, damit ihr Nachwuchs emotionale Intelligenz entwickeln kann.

Die Anhäufung von Gefühlen, die beispielsweise durch Wutanfälle ausgelöst werden, sind für das Kind lähmend. Wenn Erwachsene mit Schreien oder Bestrafung reagieren, stauen sich im Kind Frust und Unbehagen auf. Ist ein Kind mit einer komplexen Aufgabe beschäftigt, kann ihm das elterliche Lob hingegen dabei helfen, mit Frustrationen besser umzugehen.

Die elterliche Bestätigung bedeutet auch, das Kind dazu anzuleiten, seine inneren Erfahrungen zum Ausdruck zu bringen: “Ich bin traurig”, “Ich bin wütend, weil …”, “Ich habe Angst vor …”  Eltern sollten ihr Kind täglich dazu anregen, über seine Bedürfnisse zu sprechen, anstatt diese zu verdrängen oder durch Wut einzufordern.

Vernachlässigende Eltern und dysfunktionale Familien sind das Substrat und die Wurzel vieler Probleme im Erwachsenenalter.

Die elterliche Bestätigung und die Selbstliebe

Wir sprechen heute über ein mächtiges Werkzeug, das uns im Erwachsenenalter hilft, gesunde Beziehungen aufzubauen: Die elterliche Bestätigung fördert unser psychisches Wohlbefinden. Wenn Eltern ihren Kindern verdeutlichen, dass diese es verdienen, geliebt zu werden, und wichtig sind, ist das die beste Seelennahrung.

Eine Studie der Universität Palo Alto zeigt, dass die Bestätigung auch eine wesentliche psychotherapeutische Wirkung hat. Psychologen verwenden entsprechende Techniken, um ihre Patienten zu stärken, damit diese die Wahrheit über ihre Gefühle und Gedanken erkennen. Hilfesuchende Menschen sind oft lange nicht in der Lage, ihre Emotionen oder die zugrunde liegenden Umstände zu verstehen.

Wenn Kinder lernen, ihre Bedürfnisse zu verschweigen, kann dies auch im Erwachsenenalter noch traumatische Nachwirkungen haben. Sie werden ihrer Sicherheit beraubt und erhalten keine Unterstützung, wenn sie es am meisten brauchen. Sie entwickeln in der Folge eine zerbrechliche Identität, leiden an einem schwachen Selbstwertgefühl und verfangen sich häufig in ungesunden Beziehungen.

Die fehlende elterliche Bestätigung und die emotionale Kommunikation

Wenn du als Kind lernst, dass Weinen, Klagen oder Proteste Schwäche signalisieren, wirst du auch im Erwachsenenalter dazu neigen, deine Bedürfnisse und Gefühle zu verheimlichen. Du strengst dich vermutlich an, deine Probleme selbst zu lösen. Vielleicht versuchst du, dich nicht zu beschweren und berücksichtigst deine eigenen Bedürfnisse nicht. Du gibst anderen den Vorrang und missachtest deine eigenen Gefühle.

Wenn ein Kind immer wieder erfährt, dass seine emotionale Erfahrung falsch ist, fühlt es sich selbst als Person falsch. Etwas zerbricht in ihm, es kann seinen eigenen Emotionen nicht mehr vertrauen, aber auch nicht denen anderer. Die Folgen: Angst, Stress, unterdrückte Wut, ein geringes Selbstwertgefühl, schlechte emotionale Kommunikation …

Die mangelnde elterliche Bestätigung verändert alles: Die Würde wird geschwächt, das Selbstwertgefühl ist gering und das Risiko, eine psychische Störung zu entwickeln, steigt. Depression, Borderline-Persönlichkeitsstörung sind häufige Folgen.

trauriges Mädchen wartet auf elterliche Bestätigung
Die elterliche Bestätigung löst keine Probleme, doch sie leitet Kinder dazu an, eigene Emotionen zu erkennen und richtig zu managen.

Wie kann ich mich selbst bestätigen?

Im Erwachsenenalter müssen viele lernen, mit den Fehlern ihrer Eltern umzugehen. Die Belastung ist zum Teil stark und beeinflusst alle Beziehungen. Was tun, wenn dich die fehlende elterliche Bestätigung auch im Erwachsenenalter noch von einem erfüllten Leben fernhält?

Wie Boris Cyrulnik betont, bestimmt eine unglückliche Kindheit nicht das Leben. Wir können uns verändern, Wunden heilen, uns weiterentwickeln und das mentale Narrativ neu schreiben. In diesem Fall ist es wichtig, eine gute emotionale Intelligenz zu entwickeln. Dazu gehört, dass du mit deinen Emotionen in Kontakt kommst, ihnen Präsenz verleihst, sie benennst und lernst, sie zu regulieren.

Du musst wissen, wie du kommunizieren, deine Gefühle ausdrücken und soziale Fähigkeiten erlernen kannst. Außerdem solltest du nicht übersehen, dass eine psychologische Therapie sehr vorteilhaft ist, um Werkzeuge zu erhalten, die dir auf deinem Weg zu einem besseren Leben helfen. 

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