Erlernte Hilflosigkeit und Medienmanipulation

Manchmal ist es so schwierig, zwischen gefälschten (oder parteiischen) Nachrichten und der Wahrheit zu unterscheiden, dass am Ende erlernte Hilflosigkeit im Umgang mit Medien entsteht.
Erlernte Hilflosigkeit und Medienmanipulation

Letzte Aktualisierung: 07. Januar 2022

Die erlernte Hilflosigkeit im Umgang mit Medien äußert sich durch die kognitive und emotionale Erschöpfung, die auftritt, wenn wir von einem Übermaß an widersprüchlichen Daten überflutet werden. Diese konfuse Informationsflut führt schließlich zu Hilflosigkeit.

Die kognitive Ermüdung führt zu Angst, Apathie und Ungewissheit, denn wir wissen nicht, was uns erwartet, wenn wir eine Nachricht lesen, einen Link zu einem Artikel erhalten oder die Meinung von Persönlichkeiten in den Medien hören. Dieses Phänomen ist besonders häufig in autoritären Ländern oder in Ländern, in denen Informationen eindeutig kontrolliert oder verzerrt werden, der Fall. 

In diesen Ländern sind die Menschen gezwungen, jede Information zunächst zu überprüfen. Mit der Zeit führt dieses anhaltende Misstrauen gegenüber den Medien zu Hilflosigkeit. Viele vermeiden in der Folge soziale Netzwerke oder andere Medien zu nutzen.

“Wenn du nicht weißt, wonach du suchst, wenn du keine Ahnung hast, was relevant ist, wenn du bereit bist, diese Idee zu hinterfragen, wenn du das nicht hast, ist das Erforschen des Internets nur ein wahlloses Aufnehmen von nicht überprüfbaren Fakten, die nichts bedeuten.”

Noam Chomsky

Erlernte Hilflosigkeit und Medienmanipulation

Erlernte Hilflosigkeit im Umgang mit Medien

Die Forscher Erik C. Nisbet und Olga Kamenchuk verwendeten den Begriff “Informational Learned Helplessness” in ihrer Studie an der Northwestern University. Die erlernte Hilflosigkeit im Umgang mit Medien entsteht durch die  “Infodemie” (Informationsflut mit vielen Fake News) und Desinformation.

Wenn diese beiden Variablen zu einer Konstante werden, wissen die Menschen nicht mehr, woran sie sind, sie wissen nicht, worauf sie vertrauen können, was glaubwürdig ist. Allmählich stellt sich Erschöpfung ein und die Überzeugungen geraten ins Wanken. Dies kann zu einem Punkt der Verwundbarkeit führen, auf den es zwei Reaktionen gibt: die totale Abschottung von den Medien oder die Tatsache, dass man in diesem mentalen Zustand der Erschöpfung alles glaubt.

Diese Form der erlernten Hilflosigkeit ist also auch eine Form der Manipulation. Wenn bestimmte Medien und Länder die Kontrolle der Medien übernehmen oder Falschinformationen verbreiten, tritt kognitive Erschöpfung ein und damit auch die Schwierigkeit (oder der fehlende Wunsch), etwas entgegenzusetzen.

Desinformation, eine Konstante in den letzten Jahren

Wenn wir die Geschichte der Information in den Medien betrachten, werden wir den Ursprung der erlernten Hilflosigkeit verstehen. Mit dem Aufkommen des Internets und der sozialen Netzwerke stieg die Anzahl an Daten, Artikeln, Nachrichten usw. exponentiell an…

…und damit auch die Desinformation, Manipulation und Clickbaiting (das Erzeugen von reißerischen Schlagzeilen, damit die Nutzer den Link öffnen). Eine andere Realität wurde ebenfalls deutlich. Wenn die Menschen Zugang zu allen Arten von Informationen erhalten, können sie bestimmte Realitäten entdecken, lernen und relativieren, die sie bis vor Kurzem für selbstverständlich hielten, jetzt allerdings zweifelhaft werden.

Für Länder mit einer Diktatur ist das natürlich ein Problem. Daher kontrollieren sie alle Veröffentlichungen, um sie in eine bestimmte Richtung zu lenken, die den Ideologien dieser Mächte entspricht.

In den letzten Jahren war Desinformation eine Konstante. Wir haben so viele Informationen erhalten, so viele Widersprüche gelesen und die Wissenschaft wurde in einem solchen Ausmaß infrage gestellt, dass viele Menschen eindeutig erschöpft sind.

Erlernte Hilflosigkeit im Umgang mit Medien und kognitive Erschöpfung

Wenn wir nur noch zweifelhafte oder unsichere Informationen lesen, folgen zwei Prozesse: Die kognitive Erschöpfung, die aus dem offensichtlichen Überangebot an Informationen resultiert. Die erlernte Hilflosigkeit führt zu Apathie und Entmutigung angesichts der Medien, die uns nur manipulieren wollen.

Diese kognitive und emotionale Erschöpfung führt jedoch auch dazu, dass wir nicht mehr in der Lage sind, Informationen richtig zu beurteilen. Der Wunsch, sich zu widersetzen, schwindet mit der Zeit. Wir zweifeln an allem, oder wir nehmen alles, was kommt, als gültig hin, weil diese Erschöpfung das kritische Denken ausschaltet.

Erlernte Informationslosigkeit kann dazu führen, dass wir die Informationen, die wir jeden Tag in den sozialen Medien lesen, nicht mehr überprüfen.

Erlernte Hilflosigkeit und Medienmanipulation

Erschöpfung und die “Infodemie” sind auch Formen der Manipulation

Die “Infodemie” oder die tägliche Informationsflut können uns in eine Art Hilflosigkeit stürzen, in der die Wahrheit der Information schließlich nicht mehr ausschlaggebend ist. Es ist eine Art von Medienmanipulation, die uns dazu bringt, uns entweder nicht mehr zu informieren oder alles, was wir bekommen, als selbstverständlich hinzunehmen.

Der einzige Weg, um in diesem Dschungel aus Hyperinformationen und verzerrten Daten zu überleben, ist die Anwendung einer Reihe von einfachen Strategien. Eine davon ist, die Nutzung von sozialen Netzwerken zu regulieren.

Die andere ist, dass wir ein kritisches Auge behalten, jede Information überprüfen und herausfinden, welche Quellen verwendet werden. Die Wahrheit über etwas zu erfahren, braucht Zeit und Engagement. Nachrichten sind kein Produkt, das man konsumiert, sondern eine Waffe, um das Bewusstsein und die Wahrheit zu wecken.

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  • Nisbet, EC y Kamenchuk, O. (2021). Medios de comunicación rusos, medios digitales, indefensión informativa aprendida y creencia en la desinformación de COVID-19. Revista Internacional de Investigación en Opinión Pública, 33 (3), 571-590. https://doi.org/10.1093/ijpor/edab011
  • Sedek G, Kofta M. When cognitive exertion does not yield cognitive gain: toward an informational explanation of learned helplessness. J Pers Soc Psychol. 1990 Apr;58(4):729-43. doi: 10.1037//0022-3514.58.4.729. PMID: 2348367.