Wie unsere Eltern unsere psychische Gesundheit beeinflussen

· 8. Dezember 2018

Die familiäre Umgebung ist in manchen Fällen ein vergiftetes Substrat, das mehr als nur ein Leiden verursachen mag. Sehr häufig beeinflussen unsere Eltern unsere psychische Gesundheit: Es gibt Dynamiken, in denen uns unsere Eltern schon sehr früh in Situationen des Stresses, der Angst, der Erniedrigung oder der Hilflosigkeit miteinbeziehen. Dies sind sehr harte Realitäten, die uns noch bis ins Erwachsenenalter hinein begleiten.

Oscar Wilde sagte in einem seiner Werke, dass sich fast niemand dessen bewusst sei, was innerhalb eines Zuhauses passiere. Oft sei ein Haus mit seinen Fenstern und geschlossenen Türen die ideale Kulisse, wo sich die erschreckendsten Geschichten ereignen. Geschichten, in denen die Mütter, die Väter oder andere Familienmitglieder hinter zugezogenen Vorhängen ein Drama veranstalten, das oft vom Rest der Gesellschaft unbemerkt bleibe.

Diesbezüglich gibt es eine Tatsache, die nicht spurlos an uns vorübergehen sollte: Die Auswirkungen einer mangelhaften Erziehung und die daraus folgenden psychischen Schäden können von Generation zu Generation immer weiter übertragen werden, wie eine Studie von Dr. Anne-Marie Conn, die am Medical Center der University of Rochester (New York, USA) tätig ist, bestätigte.

Das bedeutet, es bleibt nicht nur bei diesen Traumata, die durch mangelnde Zuneigung, Misshandung, physische Gewalt oder andere Zustände zugefügt werden und die optimale psychoemotionale Entwicklung des Kindes beeinflussen. Sie transzendieren, wirken sich auf sein psychische Gesundheit aus, beeinflussen sogar die Entwicklung seines Gehirns und können so zu psychischen Störungen führen, die wiederum die Erziehung der nächsten Generation beeinträchtigen.

„Die psychische Gesundheit erfordert viel Aufmerksamkeit. Sie ist nach wie vor ein Tabuthema und wir sollten uns diesem Tabu stellen und es so auflösen.“

Adam Ant

Trauriges Mädchen, das mit einem Teddybär kuschelt

Wenn die Eltern unsere psychische Gesundheit beeinflussen

Unsere Eltern beeinflussen unsere psychische Gesundheit. Ein sicheres familiäres Umfeld, welches reich an emotionalen Nährstoffen und begünstigend für die Bildung einer Identität ist, wird uns die Möglichkeit bieten, mit außergewöhnlichen psychologischen Fähigkeiten das Erwachsenenalter zu erreichen. Umgekehrt erhöhen solche Erziehungsstile, die eine Reihe an Defiziten aufweisen, die Wahrscheinlichkeit, dass unser psychologisches Gewebe ernsthaft geschädigt wird.

Darüber hinaus wissen wir, dass die Hauptursache für die emotionalen und verhaltensbedingten Probleme von Kindern heutzutage immer noch das familiäre Umfeld und die dort vorherrschenden Dynamiken sind. In der Tat wurde kürzlich eine Studie im Journal of Family Psychology  veröffentlicht, in der es heißt, dass ein einfacher Schlag auf den Hintern sehr negative Folgen haben könne. Schläge, aggressive Kommunikationsstile und eine autoritäre Erziehung passen in dasselbe Muster.

Jede Geste, jedes Wort und jedes Verhalten, das implizit oder explizit Aggressionen umfasst, hinterlässt Spuren, verändert das Verhalten des Kindes und prägt sich in das Gehirn des Kindes ein. Wenn Kinder also in solch einer Umgebung oder im Schatten bestimmter Bildungsstrategien aufwachsen, die von den Eltern als angemessen verstanden werden, was jedoch nicht der Fall ist, entwickeln sich häufiger bestimmte Eigenschaften:

  • Geringes Selbstwertgefühl
  • Die Annahme, dass die eigenen Bedürfnisse nicht wichtig seien
  • Das Verständnis, dass das Ausdrücken von Emotionen etwas Negatives und Falsches sei
  • Die Akzeptanz dieser Dynamiken (Aggressivität, Missbrauch, Respektlosigkeit, …) als üblich und zulässig
Trauriges Mädchen mit geschlossenen Augen

Auf der anderen Seite führt die Tatsache, in solch einem Umfeld aufgewachsen zu sein, dazu, dass jede Erfahrung auf eine bestimmte Art und Weise kristallisiert. Zweifellos gibt es Menschen, die das Gewicht dieses dunklen Schattens überwinden können, aber dennoch ist ein großer Teil dieser Personen auch im Erwachsenenalter leicht verletzbar und in seiner psychischen Gesundheit stark beeinträchtigt.

Wie unsere Eltern unsere psychische Gesundheit beeinflussen

Eine der häufigsten Formen, in denen Menschen die Auswirkungen einer traumatischen Kindheit sowie einer dysfunktionalen Familie zum Ausdruck bringen, ist der chronische Stress.

Zustände von permanentem Stress

Wenn ein Kind in einer instabilen Umgebung lebt, in der es nicht die Zuneigung einer Bezugsperson verspürt und sich nicht sicher und geliebt fühlt, erfährt es Stress. Dieser Stress kann zu Beginn akut sein, doch wenn er länger anhält, entwickelt sich ein einschneidender, latenter und dauerhafter Stresszustand. Und der endet oft in einer Veränderung der Gehirnfunktionen, beeinflusst die Aufmerksamkeit sowie das Gedächtnis und führt häufig zu Hyperaktivität.

Abhängige Beziehungen

Dieser frühe Mangel an Zuneigung führt weiterhin dazu, dass sich viele dieser Menschen nach starken emotionalen Beziehungen sehnen, in denen sie sich bestätigt und sicher fühlen können. Die ständige Angst davor, diese Bindung wieder zu verlieren, stürzt sie dann jedoch in zwanghafte Zustände der Angst, die dazu führen, dass sie in abhängige Beziehungen geraten.

Die Eltern beeinflussen unsere psychische Gesundheit auf vielfältige Art und Weise; man muss jedoch verstehen, dass der Erziehungsstil und die Bildung einen gravierenden Effekt auf das Leben eines Kindes (und des Erwachsenen von morgen) hat. Dies sollten wir alle täglich in Bezug auf unser Verhalten beachten und beispielsweise in unsern Worten berücksichtigen.

Dauerhafte Angst und Hilflosigkeit

Ohne die Sicherheit einer liebevollen Familie aufzuwachsen, einer bereichernden Umgebung, in der sich eine starke Identität entwickeln kann, steigert das Risiko, schwere psychische Mängel zu entwickeln. Das Selbstwertgefühl und vor allem die Hoffnung versagen dann. Daher ist es mehr als üblich, einen chronischen Pessismismus zu entwickeln, sowie diese Angst, die diesen Mangel signalisiert.

Ebenso ist die erlernte Hilflosigkeit eine sehr häufige psychologische Realität. Diese entsteht, wenn eine Person annimmt, dass sich nie etwas ändern werde, ganz egal was sie tue. Sie geht davon aus, dass sie keine Kontrolle über ihr eigenes Leben habe.

Psychologische Mechanismen, um eine traumatische Vergangenheit zu „verstecken“

Der Verstand ist geschickt. Das Gehirn kann das Gewicht eines Traumas oft nicht stemmen und nutzt bestimmte psychologische Mechanismen, mit denen der Alltag bewältigt werden kann, ohne dass der Schatten die Realität trüben würde. Was es jedoch tut, ist, sich auf jene pathologischen Zustände zu konzentrieren, die die psychischen Störungen definieren.

Am häufigsten treten in diesem Zusammenhang dissoziative Störungen auf: Hierbei handelt es sich um Veränderungen, bei denen die Identität, das Gedächtnis und die Wahrnehmung der Umgebung betroffen sind. Dies ist ein sehr häufiger posttraumatischer Stresseffekt, der das zuvor erwähnte Gewicht eines Traumas als Anker hat.

Mann, dessen Kopf in einen Wald und Vögel übergeht

Um abzuschließen, lässt sich sagen, dass unsere Eltern unsere psychische Gesundheit auf verschiedene Weisen beeinflussen. Um aus diesen schwarzen Löchern herauszukommen, die vielleicht in unserer Kindheit geschaffen wurden, ist mehr als nur Zeit erforderlich. Man benötigt auch Mut, Kraft und muss sich selbst erlauben, professionelle und spezialisierte Hilfe anzunehmen, die einen bei der Wiedererlangung der Kontrolle und der Schaffung einer gesünderen, würdigeren und zufriedenstellenden Realität unterstützt.