Gedächtnisverlust durch zu viel Stress

· 8. Mai 2018

Ein Gedächtnisverlust durch Stress kommt viel häufiger vor, als wir denken: Wir vergessen Verabredungen, Gespräche, Namen und Dinge, die wir dringend kaufen müssen. Dabei haben wir Schwierigkeiten, Informationen zu behalten und bereits Erlebtes abzurufen. Dieser kognitive Verfall wird meist mit großer Sorge und Angst erlebt.

Oft wird gesagt, dass das Gedächtnis ein Schatz sei, auf den wir besonders gut aufpassen sollten. Wir haben jedoch alle schon erlebt, dass es versagt. Solche Momente beunruhigen uns und lassen uns ängstlich werden. Ist das mangelnde Erinnerungsvermögen vielleicht ein erstes Anzeichen für Demenz? Viele ziehen dabei nicht in Betracht, dass ein Gedächtnisverlust durch Stress verursacht werden kann. 

„Ruhe. Ein Feld, das sich ausgeruht hat, gibt eine großzügige Ernte.“

Ovid

Es ist nicht gut, etwas zu überstürzen. Bevor wir über eine Erkrankung nachdenken, sollten wir uns daran erinnern, dass 80 % der kleinen, alltäglichen Gedächtnisstörungen durch Stress bedingt sind. Kann man eine frühe Demenz ausschließen, gibt dies durchaus Grund zum Aufatmen. Dennoch führen chronischer Stress und Angststörungen dauerhaft zu einer Beeinträchtigung der Gehirnfunktion, die weniger schwerwiegend ist als Morbus Alzheimer, die aber sicher zu einer ernstzunehmenden Belastung werden kann.

Gedächtnisverlust durch Stress? - Blätter fliegen von einem Baum weg, der einen Kopf bildet

Gedächtnisverlust durch Stress – wie kann das passieren?

Manchmal kommen wir von der Arbeit und schalten zu Hause in den „Autopiloten“. Wir überschreiten die Schwelle unserer Haustür und im selben Moment fällt uns ein, dass wir unseren Sohn bei seinem Englischunterricht vergessen haben. Ganz schnell rennen wir also zum Auto zurück. Doch wo sind die Schlüssel?

Stress und Angst lassen uns erschöpfen. Surreale Situationen wie diese sind häufig. Ebenso das Gefühl, die Kontrolle über das eigene Leben zu verlieren. Schließlich gibt es nur wenig, das peinlicher ist, als relevante Dinge des Alltags zu vergessen. Besonders dann fühlen wir uns verantwortungsbewusst und kompetent.

Wenn wir uns nun fragen, was hinter dem Gedächtnisverlust durch Stress steht, müssen wir einen alten Bekannten nennen: das Hormon Kortisol. Dieses Glukokortikoid wird als Reaktion auf Stress freigesetzt. Steigt der Kortisolspiegel kurzfristig über seinen normalen Wert, ist das keineswegs problematisch. Vielmehr erleichtert es die Erschaffung neuer Erinnerungen. Beunruhigend wird es, wenn die Freisetzung von Glukokortikoiden ständig, über Wochen oder Monate erhöht ist. Dann wird es schwieriger, sich Informationen einzuprägen und bereits vorhandene Erinnerungen abzurufen.

Schauen wir uns an, welche Wirkungen ein erhöhter Kortisolspiegel auf unser Gehirn haben kann.

Signale im Gehirn

Wirkungen des Kortisols auf unser Gehirn

  • Ein langfristiger Überschuss an Kortisol wirkt auf unser Gehirn wie Gift.
  • Der Hippocampus, der mit dem Gedächtnis und unseren Emotionen verbunden ist, verliert dabei an Volumen. 
  • Stressbedingter Gedächtnisverlust ist auch mit der Tatsache verbunden, dass Kortisol die Sauerstoffversorgung des Gehirns behindert. Die Nervenzellen erhalten weniger Nährstoffe und weniger Sauerstoff. All dies geht auch mit einem erhöhten Schlaganfallrisiko einher. Diese Tatsache sollten wir auf jeden Fall berücksichtigen.
  • Wird das Kortisol freigesetzt, produzieren wir weniger Endorphine. Dadurch entsteht Unwohlsein, das es uns unmöglich macht, jene Aktivitäten zu genießen, die uns zuvor gefallen haben: Sport, Essen, Lachen usw.
  • Nicht zuletzt ist zu beachten, dass das Kortisol unseren Schlafrhythmus beeinflusst. Wir leiden dann an Schlaflosigkeit oder wachen ständig nachts auf. 

Wie können wir den stressbedingten Gedächtnisverlust reduzieren?

Wenn wir feststellen, dass wir in den letzten Wochen oder Monaten ungewöhnlich viel vergessen haben, ist es am besten, sich mit einem Arzt in Verbindung zu setzen. Manchmal kann eine mangelhafte Ernährung (Mangel an Vitamin B12 oder Vitamin D) die Ursache sein. Auch endokrine Störungen wie eine Hypothyreose können unsere kognitiven Funktionen behindern. Deshalb, und um Klarheit über die Ursache zu erhalten, ist es ratsam, mit Spezialisten zu sprechen.

Person hält sich die Ohren zu.

Sobald organische Ursachen ausgeschlossen wurden, können wir das Problem auf sinnvolle Weise angehen: Stressbewältigung. Dazu ein paar Tipps:

  • Identifiziere die Stressoren. Mache dir bewusst, wie dein Körper reagiert: Muskelverspannungen, ein steifer Nacken, Herzrasen …
  • Stress wird nicht unter Kontrolle gebracht, indem du alle Aspekte, die Stress verursachen, vermeidest. Vielmehr musst du dich diesen Reizen stellen, Prioritäten festlegen, Entscheidungen treffen und so die Kontrolle über deine Welt wieder erlangen.
  • Du solltest dir bestimmte Atemtechniken aneignen.
  • Reflektiere deine Realität und mache dir bewusst, was in deinem Leben wirklich wichtig ist. Schalte einen Gang herunter und schätze die Gegenwart auf eine entspanntere Weise.
  • Ernähre dich gesund. Iss viel Hafer, Obst und Gemüse und trinke ausreichend Wasser, Baldrian- und Kamillentee.
  • Nahrungsergänzungsmittel auf Magnesiumbasis sind hervorragend geeignet, um unser Gehirn vor den Auswirkungen von Stress zu schützen.
  • Gehe jeden Tag eine halbe Stunde lang spazieren. Auf diese Weise befreist du deinen Geist, gelangst zu neuen Sichtweisen und verbesserst deine Blutzirkulation. So gelangen mehr Sauerstoff und Nährstoffe ins Gehirn.

Zusammenfassend kann der Gedächtnisverlust durch Stress unser Leben komplett verändern. Wenn wir das Grundproblem nicht lösen, wird die fortwährende Belastung das Problem noch verstärken und uns in immer mehr Bereichen beeinträchtigen. Unsere Stimmung wird sich verschlechtern und unsere Motivation wird abnehmen.

Wir sollten deshalb lernen, unseren Rhythmus zu verlangsamen und nicht immer schneller werden zu wollen. Unsere Gesundheit ist das Wichtigste in unserem Leben.