Noradrenalin - eine Schlüsselkomponente des Verhaltens und der Emotionen

17 April, 2021
Wenn du ein konkretes Ziel verfolgst, bei dem du die Motivation verspürst, dieses auch zu erreichen, verstärkt tatsächlich eine bestimmte Chemikalie in deinem Körper diesen Prozess. Das fragliche Molekül nennt sich Noradrenalin und ist das Thema unseres heutigen Artikels.

Wenn du schnell das Lenkrad herumreißt, um einen Unfall zu vermeiden oder ein Pokerface aufsetzt, wenn du vor einer wichtigen Prüfung stehst; auch wenn du dich von jemandem angezogen fühlst oder vermehrte Ängste verspürst, weil du zu viel Arbeit hast… All diese und viele weitere Situationen werden durch ein grundlegendes Molekül in deinem Nervensystem gesteuert: Noradrenalin.

Wie du weißt, werden dein Verhalten und deine Emotionen von der faszinierenden chemischen Welt der Hormone und Neurotransmitter gesteuert. Jede bewusste oder unbewusste Reaktion wird durch Dopamin, Serotonin, Endorphine, Acetylcholin und GABA gesteuert. Diese chemischen Substanzen, die dein Körper produziert, senden Signale an die Neuronen, um unterschiedliche Funktionen auszuführen.

Ein höherer oder niedrigerer Spiegel dieser chemischen Substanzen löst Veränderungen in deinem Körper aus. Dies kann deine Stimmung beeinträchtigen und dazu führen, dass du müder oder gestresster bist. Noradrenalin ist eines der entscheidendsten Moleküle in dieser Gruppe. Daher wollen wir uns mit diesem Neurotransmitter in unserem heutigen Artikel eingehender befassen. Warum ist dieses Molekül von so großer Bedeutung?

Noradrenalin: Was ist das und was bewirkt es?

Noradrenalin oder Norepinephrin ist ein Katecholamin, das vielen physiologischen und homöostatischen Zwecken dient. Es wirkt als Hormon und Neurotransmitter. Es ähnelt strukturell dem Epinephrin, einem anderen Katecholamin. Diese beiden sind zusammen mit anderen Schlüsselsubstanzen wie Dopamin und Adrenalin sehr wichtig für überlebensnotwendige Reaktionen (wie Kampf oder Flucht).

Darüber hinaus solltest du wissen, dass Noradrenalin eines der wichtigsten Moleküle bei der Übertragung von Nachrichten zwischen Neuronen ist. Dies ist besonders wichtig bei Prozessen im parasympathischen Nervensystem, welches unwillkürliche Funktionen steuert.

Noradrenalin wird in zwei Bereichen deines Körpers produziert. Zum einen in den Nebennieren, die die Chemikalie in den Blutkreislauf abgeben, wo sie als Hormon wirkt und eine Reihe konkreter Veränderungen und Prozesse auslöst. Außerdem kann Noradrenalin auch im Locus caeruleus synthetisiert werden, einem Bereich des Gehirns, der mit dem limbischen System, dem Thalamus und dem Hypothalamus verbunden ist.

Außerdem ist Noradrenalin einer der 12 wichtigsten Neurotransmitter deines Körpers. Infolgedessen haben seine Funktionen auch einen erheblichen Einfluss auf den Körper, sowohl auf emotionaler als auch auf physischer Ebene. Einige dieser Funktionen wollen wir uns nun genauer ansehen:

Wenn dein Herz rast

Es gibt viele Gründe für Herzrasen. Vielleicht bist du nervös oder siehst etwas, das dir Angst macht. Aber du könntest dich auch extrem über etwas freuen oder Angst davor haben, weil du eine Rede in der Öffentlichkeit halten musst.

Noradrenalin ist für die Aktivierung verantwortlich, die eine erhöhte Herzfrequenz auslöst.

Muskelkraft

Wie wir bereits erwähnt haben, spielt diese Chemikalie eine wichtige Rolle bei überlebenswichtigen Funktionen. Noradrenalin hilft dir, zu reagieren, zu entkommen und dich vor Bedrohungen zu schützen oder angesichts jeglicher Art von Reizen zu handeln und zu reagieren. Eine der wichtigsten Funktionen besteht daher darin, mehr Blut an das Muskelgewebe zu senden, damit diese in derartigen Situationen besser und schneller reagieren können.

Die Motivation, Ziele zu erreichen

Noradrenalin ist der Treibstoff, der dich motiviert, deine Ziele zu erreichen. Zusammen mit Dopamin verbessert dieser Neurotransmitter wichtige Funktionen wie das Lernen, dein Kurz- und Langzeitgedächtnis und vermittelt dir dieses angenehme Gefühl, das du verspürst, wenn du etwas erreicht hast (das Gefühl der Belohnung).

Noradrenalin und Aufmerksamkeit

Daniel Goleman erklärt in seinem Buch Konzentriert Euch! Eine Anleitung zum modernen Leben, dass Aufmerksamkeit wie ein Muskel ist, den man trainieren muss. Aufmerksamkeit ermöglicht es, all deine Energie und Ressourcen auf ein Ziel zu lenken, was unglaublich vorteilhaft sein kann.

Aber du wirst dadurch nicht nur produktiver, sondern zudem wird auch dein Geist wesentlich aufmerksamer und fokussierter. Falls du es noch nicht erraten hast: Noradrenalin ist der Neurotransmitter, der diesen Prozess steuert.

Sexuelles Verlangen

Wie du sicherlich weißt, wird das sexuelle Verlangen ebenso wie die Anziehung von einer Vielzahl von Neurotransmittern gesteuert. Liebe, Leidenschaft und sexuelle Anziehung sind reine Chemie. Kein Wunder also, dass auch hier unser Lieblings-Mehrzweckmolekül eine wichtige Rolle spielt.

Noradrenalin - Frau vor dem Spiegel

Veränderungen des Noradrenalinspiegels

Unter bestimmten psychischen und emotionalen Bedingungen ist der Noradrenalinspiegel entweder zu hoch oder zu niedrig. Wenn Pharmaunternehmen Antidepressiva entwickeln, tun sie dies unter Berücksichtigung dieses Neurotransmitters.

Serotonin-Noradrenalin-Wiederaufnahmehemmer (SNRIs) sind ein Beispiel für derartige Medikamente. Es hat sich gezeigt, dass sie bei der Behandlung verschiedener Arten von depressiven Störungen sehr wirksam sind.

Nachfolgend betrachten wir einige der möglichen Zustände, die eine Veränderung des Noradrenalinspiegels verursachen kann:

  • Depressionen. Studien wie diese vom Nationalen Institut für Psychiatrie Ramón de la Fuente in Mexiko zeigen, dass eine Verringerung der Produktion und des Metabolismus von Noradrenalin eine Rolle bei der Entwicklung von Depressionen spielen kann.
  • Stress und Angststörungen. Darüber ist es wichtig, hervorzuheben, dass Noradrenalin und Cortisol die primären Hormone sind, die bei Stressprozessen ins Spiel kommen. Wenn eine Stresssituation über einen bestimmten Zeitraum andauert, wird außerdem die neurophysiologische Angstreaktion aktiviert. Dies löst unter anderem Tachykardie, Pupillenerweiterung und einen Anstieg des Blutzuckerspiegels aus. Während einer Panikattacke beispielsweise ist der Noradrenalinspiegel sehr hoch.
  • ADHS und Noradrenalin. Bei Kindern und Erwachsenen mit Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS) liegt eine Anomalie in Bezug auf diesen Botenstoff vor. Infolgedessen kommt es zu einem Defizit bei der Freisetzung von Dopamin und Noradrenalin und einer erhöhten Wiederaufnahmerate beider Stoffe.

Noradrenalin, ein sehr vielseitiges Molekül

Es ist zweifelsohne sehr faszinierend zu sehen, wie diese Moleküle wirken und in zahllosen körpereigenen Prozessen vermitteln. Jedes Jahr lernen wir mehr über die Rollen, die sie spielen, nicht nur für das eigene Wohlbefinden und die Motivation, sondern auch in komplizierteren Prozessen.

Die gute Nachricht ist, dass wir die Werkzeuge haben, um diese Substanzen zu regulieren. In einer Therapie kannst du gute Bewältigungsstrategien erlernen, und Medikamente können helfen, deinen Spiegel auszugleichen.

  • Brunello, N. & Ragacni, G. (1998). Rationale for the development of noradrenaline reuptake inhibitors. Hum Psychopharmacol; 13(supl 1): S13-S2
  • Tanaka, M. et al. (2000). Noradrenaline systems in the hypothalamus, amygdala and locus coeruleus are involved in the provocation of anxiety: basic studies.
  • Stahl, S.M. (2002). Psicofarmacología esencial. Bases neurocientíficas y aplicaciones clínicas. Barcelona: Ariel.
  • Vega-Rivera, Nelly. López-Rubalcava, Carolina Estrogens-noradrenaline interactions: their role in the regulation of depression. Laboratorio de Neuropsicofarmacología. Dirección de Neurociencias. Instituto Nacional de Psiquiatría Ramón de la Fuente Muñiz.