Acetylcholin: der Neurotransmitter, der die Kommunikation zwischen den Neuronen ermöglicht

· 8. Oktober 2018

Acetylcholin ist der häufigste Neurotransmitter in unserem Nervensystem. Diese Substanz, die unser Gehirn hauptsächlich aus Zucker und Cholin produziert, ist der wesentliche Botenstoff, der die Kommunikation zwischen den Neuronen ermöglicht. Dank dieses Stoffes werden unsere Aufmerksamkeit und unser Gedächtnis reguliert, es werden neue Informationen assimiliert und unsere Stimmung bleibt erhalten.

Acetylcholin ist zudem der erste offiziell identifizierte Neurotransmitter. Diese Leistung erbrachte Henry Hallett Dale im Jahre 1915; später wurden weitere Funktionen dieser Substanz von Dr. Otto Loewi beschrieben. Die beiden Ärzte erhielten hierfür 1936 den Nobelpreis. Wie wir sehen können, haben wir es hierbei nicht mit irgendeiner chemischen Verbindung zu tun, denn die Beteiligung dieses kleinen Moleküls an unserem Leben und einem großen Teil der biologischen Vorgänge ist immens.

Wenn wir die Relevanz von Acetylcholin in unserem Organismus verstehen wollen, können wir zum Beispiel daran denken, dass ohne diese Substanz unser Herz nicht schlagen und unsere Muskeln sich nicht kontrahieren könnten.

Es ist bekannt, dass es in unserem Körper bestimmte Zellen gibt, die ausschließlich auf Acetylcholin reagieren. Ebenso brauchen das basale Vorderhirn und der Hippocampus insbesondere diesen Neurotransmitter, um ihre Aufgaben erfüllen zu können.

Diese Substanz dient nicht nur als Botenstoff, sondern sie erhöht durch eine Verstärkung von Theta-Wellen auch die Intensität der Signale. Sie optimiert das Gedächtnis, die Kommunikation, fördert die Neuroplastizität … Im Folgenden betrachten wir weitere Details über diesen Neurotransmitter.

Synapse

Acetylcholin: Welche Funktionen erfüllt es?

Die meisten von uns werden schon von Acetylcholin gehört haben, wenn sie sich jemals damit beschäftigt haben, wie sie ihr Gedächtnis und ihre Konzentration verbessern können. Daher ist Acetylcholin auch eine der häufigsten Komponenten in Nootropika, also in Medikamenten, die zur Verbesserung unserer kognitiven Funktionen verwendet werden. Darüber hinaus wissen wir, dass es auch für zahlreiche andere Prozesse, die wir weiter unten sehen werden, unerlässlich ist.

Man muss sich also vor Augen führen, dass sein Aktionsfeld in unserem Organismus sehr breit ist. Man findet diesen Neurotransmitter sowohl im zentralen als auch im peripheren Nervensystem und er vermittelt sowohl exzitatorische als auch inhibitorische Effekte. Das heißt, er kann den elektrischen Impuls verstärken oder hemmen. Acetylcholin arbeitet wie der Direktor eines Orchesters, der Regie führt und darauf achtet, dass Harmonie, Rhythmus und Balance beibehalten werden.

Funktionen im zentralen Nervensystem

  • Im zentralen Nervensystem wirkt Acetylcholin stimulierend. Dank seiner Vermittlung zwischen Neuronen werden Aufmerksamkeit und Motivation gefördert.
  • Acetylcholin bewirkt zudem den Eintritt in die REM-Phase des Schlafes, indem es sich auf das basale Vorderhirn wirkt. Dank des Umstandes, dass wir in diese Phase des paradoxen Traums oder des schnellen Schlafes eintreten, gelingt es uns, die Erinnerungen und Informationen, die wir tagsüber erhalten haben, besser zu behalten.
  • Acetylcholin wirkt sich auch insofern auf die Großhirnrinde aus, dass wir übergeordneten exekutiven Funktionen Form geben können, etwa bei der Problemlösung oder der Reflexion.
  • Acetylcholin wirkt auf die Hypophyse. Auf diese Weise kann es beispielsweise in die Produktion der Schilddrüsenhormone und den Wasserhaushalt eingreifen.

Übrigens ist die Hauptursache dafür, dass die cholinergenen Bahnen im zentralen Nervensystem ihre Funktionalität verlieren und aufhören, die neuronale Kommunikation zu unterstützen, der Morbus Alzheimer. Bei Alzheimer-Patienten kommt es deshalb zu Störungen in den zuvor genannten geistigen Fähigkeiten.

Signale im Gehirn

Funktionen im peripheren Nervensystem

Unser peripheres Nervensystem könnte ohne diesen Neurotransmitter viele seiner Funktionen nicht ausführen. Die Aufgaben, die dieser übernimmt, sind für unser Wohlergehen und unsere Existenz äußerst wichtig:

  • Er ermöglicht die Kontraktion der Herz- und Skelettmuskulatur. Damit stellt er die Brücke zwischen dem Gehirn, den Nerven, den Muskeln und den Knochen dar, die jede unserer Bewegungen erst ermöglicht. 
  • Im Herz-Kreislauf-System wirkt er in der Regel gefäßerweiternd, das heißt, er reduziert den Blutdruck.
  • Im Magen-Darm-Trakt begünstigt er die Verdauung.
  • Acetylcholin ermöglicht die Entleerung von Harnblase und Darm.

Darüber hinaus und als kurioser Fakt, wollen wir erwähnen, dass Acetyolcholin auch in einem der Prozesse vermittelt, der unser Überleben seit Jahrtausenden garantiert: in der Wahrnehmung von Schmerz.

Wie können wir die Produktion von Acetylcholin anregen?

Wie bereits zu Beginn erwähnt, benötigt unser Gehirn „Zucker“ um Acetylcholin produzieren zu können. Es ist jedoch wichtig, den Verzehr von Zucker niemals zu übertreiben, denn was wir so provozieren, ist, dass unsere Aufmerksamkeit und unser Erinngerungsvermögen nach ein paar Stunden zur Neige gehen. Der Grund dafür? Wenn es im Körper einen Überschuss an Zucker gibt, wird Adenosin gebildet, eine Substanz, die die Wirkung von Acetylcholin hemmt. 

Daher ist es in jedem Fall ratsam, bezüglich unserer Ernährung die Balance zu halten. Und wenn wir die Produktion dieses Neurotransmitters auf gesunde Weise erhöhen wollen, gibt es nichts Besseres, als ein paar dieser Lebensmittel in unsere tägliche Diät aufzunehmen:

  • Kaffee
  • Sojalecithin
  • Eigelb
  • Brokkoli
  • Bananen
  • Orangen
  • Rote Weintrauben
  • Erdnüsse
  • Hafer
  • Leinsamen
  • Weizenkeime
  • Zimt
  • Rosmarin
Bananen

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass es immer wieder faszinierend ist, zu entdecken, wie solch unscheinbare, verborgene und einzigartige Elemente unseres Organismus so viel für uns tun. Da wir nun wissen, wie relevant Acetylcholin ist, sollten wir uns auch um ein enstprechendes Gleichgewicht kümmern. Wir sollten nicht zögern, uns besser um unsere Ernährung zu kümmern, ein aktiveres Leben zu führen und uns den empfohlenen Vorsorgeuntersuchungen zu unterziehen, damit wir sicherstellen können, dass alles so läuft, wie es sollte.