Positive Neuroplastizität: Wir tun einfach mal so, bis es dann wirklich so ist

· 5. Januar 2018

Tun wir einfach mal so, als ob uns alles Gute in die Arme nähme – dann erreicht es uns auch. Tun wir mal so, als ob wir bereits glücklich seien. Dann können uns unsere Gefühle auch davon überzeugen, dass wir es sind. Glaube jeden Tag mit einer festen Überzeugung daran, dass du verdienst, was du dir ersehnst. Dies ist keine egoistische Handlungsweise, sondern in der Tat der erste Schritt zu persönlichem Wachstum.

Denken wir einen Moment lang über Folgendes nach: Wenn wir uns nicht selbst davon überzeugen, dass wir aus unserer Depression, einer unglücklichen Beziehung oder einer Arbeitsstelle, die unsere Rechte beschneidet, entfliehen können und dass wir wirklich dazu fähig sind, wird das kein anderer für uns tun. Der wirkliche Held, der dafür verantwortlich war, dass du aus deinen dunklen Löchern hervorgekrochen bist, warst immer nur du ganz allein. Das hast du mit eisernem Willen und einem klaren gedanklichen Vorgang geschafft, bei dem du dir dein Ziel stets vor Augen gehalten hast.

„Du verdienst das Beste; ja, das Allerbeste, weil du einer der wenigen Menschen in dieser elenden Welt bist, der ehrlich zu sich selbst ist.“

Frida Kahlo

Unser Gehirn übernimmt naturgemäß den Vorsitz

Es ist in der Tat so, dass man häufig auf Jobs, Bücher oder interessante Veröffentlichungen stößt, die einen dazu ermutigen, den Chefposten im eigenen Gehirn zu besetzen. Der generelle Tenor ist der, dass wir alle erst einmal die Funktionsweise des Gehirns verstehen müssen, damit wir eine größere Kontrolle über die dort ablaufenden Vorgänge erlangen können.

Wenn es etwas gibt, das wir alle schon seit geraumer Zeit wissen, ist es, dass Menschen komplexe Wesen sind, die von Gefühlen geleitet und beherrscht werden. Unser Gehirn setzt sich die Kapitänsmütze auf, führt uns in eine bestimmte Richtung und macht uns mit Dopamin, Serotonin und Oxytocin betrunken. Manchmal sitzt es dann auch neben uns auf diesem chemischen Schiffswrack, mit dem wir in einem Dauerzustand von Traurigkeit und Hilflosigkeit untergehen.

Eben deshalb ist es auch manchmal von Nöten, dass wir uns zum „Oberboss“ unseres Gehirns aufschwingen, das Steuer übernehmen und uns selbst in Richtung Wandel und Wohlbefinden dirigieren. Wir werden dir nun erklären, wie das geht.

Ein Vogelschwarm fliegt vor einem vollen Mond.

Wenn unsere Gefühle uns kidnappen, können wir nicht wachsen

Es ist nicht einfach, die tendenziell negative Grundeinstellung unseres Gehirns zu überwinden, um positive Neuroplastizität zu fördern. Erst einmal ist es deshalb nicht leicht, weil viele von uns einen Geschäftsführer im Gehirn sitzen haben, der ein Meister der Selbstkritik ist. Er übt immer wieder großen Einfluss auf unsere aus, was zu stets gleichen Ideen und limitierenden Grundhaltungen führt. Diese verwandeln uns in einen Zwerghamster, der dann Runde um Runde in seinem Hamsterrad dreht.

Viele Experten im Bereich menschlichen Verhaltens bezeichnen diese gängige Praxis als „Kinderlogik“. Das heißt, dass wir uns in bestimmten Augenblicken einfach von unseren negativen Gefühlen  gefangen nehmen lassen, bis wir das äußerste Ausmaß der Unreife erreicht haben. Sinniere zum besseren Verständnis kurz über dieses einfache Beispiel nach: Du hast auf der Arbeit einen Fehler gemacht und als Folge deiner Nachlässigkeit haben andere gelitten.

In Gedanken wiederholst du in einer Endlosschleife: „Ich bin ein Idiot, ich bin wertlos.“  Dein Gehirn tritt nun als verstärkendes Element auf. Es erinnert dich an all die gemachten Fehler aus der Vergangenheit und an jeden Moment, in dem dir jemand mitgeteilt hat, wie ungeschickt du doch seist.

Deine Gefühle halten dich also in diesem Hamsterrad gefangen. Dort verstärken sich diese negativen Empfindungen immer weiter, bis du völlig blockiert bist. Bis du in einen gefühlsmäßigen Zustand der kompletten Hilflosigkeit abgleitest. Du sagst dir nicht: „Ich habe einen Fehler gemacht, ich werde daraus lernen und meine Sache morgen besser machen.“  Stattdessen entscheidest du dich dafür, dir ein Schild mit der Aufschrift „Ich bin ein Idiot“ auf die Stirn zu heften.

Frau auf Schaukel, die an einer Uhr hängt, in einer Gebirgslandschaft mit Fluss

Diese Art von negativer Tendenz, die uns in bestimmten Augenblicken unseres Lebens prägt, wird von äußerst konkreten Vorgängen gesteuert. Unsere Stimmung übernimmt die Kontrolle.

Um jetzt wirklich der Generaldirektor unseres Gehirns zu werden, müssen wir die Zügel über unsere mentalen Vorgänge ergreifen. Genauso, als ob wir die wahren Anführer wären und keine Untergebenen, die zulassen, dass sie eine Dampfwalze überrollt.

Wir tun so, als ob wir es schon wären, um uns zu überzeugen, dass wir dazu in der Lage sind

Die Neurowissenschaften helfen uns, zu verstehen, warum wir zeitweise zulassen, dass uns unsere negativen Gefühle übermannen. Ein überaktiver Mandelkernkomplex (Amygdala) treibt uns zum Beispiel immer wieder in die Angst hinein und hält uns dort gefangen. Laut aktueller Studien der Harvard University (Massachussetts, USA) kann man das Kleinhirn, das primär die Motorik kontrolliert, tatsächlich auch in Verbindung mit unserer emotionalen Stabilität bringen.

Wenn du dir das zugestehst, was du verdienst, wirst du das anziehen, was du brauchst.

Wir erkennen also, dass das Gehirn ein Gebilde ist, in dem Gefühle Macht haben. Oftmals laufen die gedanklichen Vorgänge auf jener Basis ab. Wenn man in diesen Fällen eine passive Haltung einnimmt, kann das zu einer Vernachlässigung der eigenen Person führen. Ebenso zu einer klaren Unfähigkeit, für das eigene Glücklichsein die Verantwortung zu übernehmen.

Positive Neuroplastizität wird uns von Nutzen sein und uns bei der Erreichung wichtiger Ziele zu unterstützen. Aber wie können wir sie fördern?

Eine Nixe schwimmt unter Wasser und lauscht dabei an einer Muschel.

Vier Fragen, die uns dabei helfen, mehr Resilienz zu entwickeln

Denke so lange daran, dass du glücklich bist, bis du es dann wirklich bist.  Ist das eine Anleitung, die aus einem billigen Selbsthilferatgeber stammt? Nein, überhaupt nicht. Diese Aussage beinhaltet tiefgreifende innere Mechanismen. Über diese können wir anhand der folgenden vier einfachen Fragen nachdenken:

  • „Bin ich das wirklich?“ Frage dich jedes Mal, wenn du dich selbst als Idioten bezeichnest, ob das wirklich wahr ist. Oder dann, wenn du dir sagst, dass du keine Liebe verdient hättest. Oder dass du ein Versager und nicht in der Lage dazu wärst, deine Träume in die Wirklichkeit umzusetzen. Um die volle Kontrolle über deine Gedanken zu übernehmen, gibt es nichts Besseres als dir zu sagen: „Im Moment fühle ich mich wie ein Idiot, aber ich kann die Dinge in Zukunft besser machen. Und werde die Person sein, die ich verdiene zu sein.“
  • Wer oder was hält mich davon ab, das zu erreichen, was ich mir am sehnlichsten wünsche? Wenn du dir diese Frage stellst, musst du vollkommen ehrlich mit dir sein. Meistens sind wir die einzig Verantwortlichen für unsere Lage. Und das liegt an unserer uns begrenzenden Einstellung.
  • Welche Art von Gefühl verspüre ich im Moment?
  • Hilft mir dieses Gefühl dabei, das zu erreichen, was ich möchte?

Die letzten beiden Fragen sind eng miteinander verbunden. Wenn du antwortest: Ich fühle mich den ganzen Tag lang verängstigt und unsicher„,  dann ist es sonnenklar, dass du aus deinem schwarzen Loch, in dem du sitzt, niemals herauskommen wirst. Wenn du jedoch versuchst, dich selbst zu überzeugen, dass du stark und fähig bist und dass du verdienst, was du dir wünscht – allein durch stark aufgeladene Gedanken – dann öffnen sich von Tag zu Tag mehr Türen zu zweiten Chancen.