Nootropika: Was sind sie und können sie dich klüger machen?

23. Mai 2018 en Psychologie 0 Geteilt
Nootropika - Pille mit zwei Gehirnen

Nootropika sind auch bekannt als „Smart Drugs“, weil man behauptet, dass sie beträchtliche Vorteile bieten. Befürworter sagen, dass sie die mentale Kapazität erhöhen und die kognitive Funktion verbessern würden. Ihre Beliebtheit nahm in den letzten Jahren rasant zu. Tausende von Menschen fügen diese kleinen goldenen Pillen ihrem Frühstück hinzu, damit sie auf der Arbeit produktiver sind.

Nootropika kennt man aus dem Film Ohne Limits.  In ihm nahm Bradley Cooper eine experimentelle Droge mit dem Namen „NZT-48“ ein. Kurz nach der Einnahme wurde seine Welt lebendiger. Seine Sinne schärften sich und seine kognitiven Leistungen erhöhten sich auf 200 %. Er war in der Lage, neue Sprachen mit Leichtigkeit zu lernen und an der Wall Street zu dominieren. Zudem konnte er sich an alles erinnern, was er gesehen, gelesen und gehört hatte.

„Vermutlich ist das kindliche Gehirn wie ein Notizbuch, das man sich beim Schreibwarenhändler kaufen kann. Ein eher kleiner Mechanismus und viele leere Blätter.“

Alan Turing

Nootropika scheinen etwas zu sein, das uns dabei helfen könnte, produktiver zu sein als Stephen King, der ein Buch nach dem anderen schreibt. Wir könnten uns komplexe Inhalte in der Hälfte der Zeit merken. Oder die neuronalen Strukturen aktivieren, die das mathematische oder musikalische Genie in uns wecken. Wir sagen „scheinen“, weil die Wahrheit nicht so verblüffend ist: Die reale Wirkung des Medikaments ist begrenzt und weniger beeindruckend, aber trotzdem interessant.

Die Pharmaindustrie investiert jedes Jahr Millionen, um neue Nootropika zu entwickeln. Sie tun es aus einem einfachen Grund, nämlich weil die Nachfrage wächst. Der Druck auf Arbeitnehmer wird immer stärker. Wir alle wissen es. Wir müssen aufmerksam sein, unsere Konzentration verbessern und mental agiler sein. Man Arbeit möchte, dass wir kreativer und produktiver sind. Und jeder wäre wohl gern in der Lage, mehr zu geben, ohne auf gefährliche Substanzen zurückzugreifen. Genau da kommen die Nootropika oder Smart Drugs ins Spiel.

Nootropika - Pillen für's Gehirn

Wir wissen heute, dass Studenten, Soldaten, Piloten, Programmierer und kreative Marketingdesigner diese scheinbar harmlosen Drogen häufig konsumieren. Sie wollen ihren Geist erweitern, ihre Aufmerksamkeit fokussieren und ihr Bestes geben. Die Frage ist aber: Helfen Nootropika wirklich?

Die zufällige Entdeckung smarter Drogen

Nootropika sind das Produkt einer schnelllebigen Gesellschaft, die die Grenzen des Möglichen erreichen möchte. Es gibt sogar Menschen, die prophezeien, dass Nootropika bald auf unserer evolutionären Speisekarte zu finden sein werden, da sie uns wohl dabei helfen werden, das nächste Level der Gehirnentwicklung zu erreichen. Manche nennen sie deshalb „die Drogen der Zukunft“. Pharmakologen kennen sie hingegen als kognitive Verstärker.

Wie dem auch sei, ist genau das der Vorschlag der Industrie. Genau genommen hat man in Silicon Valley, der Welthauptstadt der Technik, jahrelang an Nootropika gearbeitet. Man hat neue Methoden entwickelt, mit denen ihre Eigenschaften und demzufolge ihre Wirkungsdauer und Anwendungsbreite verbessern konnte. Heute sind sie nicht mehr nur dazu da, um die Aufmerksamkeit und Kreativität des Menschen zu verbessern. Tatsächlich machte man es in Silicon Valley möglich, Klarträume oder Stufen der Entspannung zu erfahren, wie die, die man sonst erst nach jahrelanger Meditation erlangt.

Für viele unserer Leser klingen diese Behauptungen wie reine Science Fiction. Deshalb müssen wir uns Schritt für Schritt mit ihnen befassen. Was ist also der Ursprung von Nootropika?

Von Schlafmitteln zu Aufmerksamkeitsaktivatoren

Lasst uns zurück in die 60er Jahren gehen, in ein belgisches Labor namens „Union Chimique Belge“. Der rumänische Neuropharmakologe Corneliu Giurgea arbeitete an der Synthese verschiedener chemischer Präparate mit dem Ziel, den Schlaf anregen zu können.

Was er jedoch entdeckt hat, war in Wirklichkeit ein spezielles Molekül. Ein Molekül, das es ihm erlaubte, das erste Nootropikum zu generieren, das Piracetam. Dieses Medikament reduzierte weder die neuronale Erregbarkeit, noch begünstigte es den Schlaf. Genau genommen tat es das genaue Gegenteil. Es versetze den Geist in Alarmbereitschaft und verbesserte die kognitiven Funktionen, wie das Gedächtnis und die Konzentration. Es ist die chemische Modulation von Neurotransmittern, wie Acethylcholin und Glutamat, die dies möglich macht. Das Verblüffende daran ist, dass Piracetam das scheinbar ohne Nebenwirkungen tat. Corneliu Giurgeas Piracetam wurde daher schnell kommerzialisiert. Dies bedeutete, dass bald danach ähnliche Medikamente auf den Markt kamen, darunter Oxiracetam, Aniracetam, Pramiracetam und Phenylpiracetam.

Konzentrierte Person

Der Wirkmechanismus von Nootropika ist von Präparat zu Präparat verschieden. Jedoch verursachen die meisten von ihnen eine Gefäßerweiterung. Das heißt, sie verbessern die Blutversorgung im Gehirn. Eine verbesserter Blutfluss bedeutet mehr Sauerstoff und Nährstoffe wie Glukose. Glukose ist die unerlässliche Energiequelle, die das Gehirn zur Konzentration nutzt.

Ebenso wissen wir (und das ist interessant zu berücksichtigen), dass man in Silicon Valley mit Nootropika im Zusammenhang zu Biohacking arbeitet. Anders ausgedrückt versuchen die Forscher, verschiedene Substanzen einzusetzen, um gewisse Hirnfunktionen zu „hacken“ und die zerebrale Leistung zu verbessern.

Es scheint, als ob wir gerade die Tür zum nächsten evolutionären Sprung in unserem Gehirn öffnen würden …

Welche Wirkungen haben Nootropika? Sind sie so vorteilhaft, wie sie scheinen?

Die Pharmaindustrie verfolgt mit ihren Nootropika zwei Ziele. Wie wir wissen, wollen sie erstens unsere grundlegenden kognitiven Prozesse verbessern. Und meistens sind sie damit erfolgreich. Zweitens wollen sie, dass Nootropika als Neuroprotektoren agieren. Zudem sollten sie nur minimale – am besten keine – Nebenwirkungen haben, aber wir wir bereits wissen, kann ein Medikament, dass keine Nebenwirkungen hat, auch keine Hauptwirkungen haben.

Für Gesundheitsexperten ist eines der primären Probleme mit Nootropika, dass gestresste Studenten, Geschäftsleute usw. diese im Internet kaufen können. Sie zeigen sich nicht allzu sehr darüber besorgt, woher diese kommen. Oder auch, und das ist fast noch schlimmer, wie sie diese eigentlich einnehmen sollten.

Mensch, der mit Staub bedeckt ist

Hier ein Beispiel. Koffein ist ein natürliches Nootropikum, genauso wie Omega-3-Fettsäuren. Wenn ich zehn Tassen Kaffee in einer Nacht trinke, werde ich wahrscheinlich Kopfschmerzen, Schwindel und Bluthochdruck erfahren. Ähnlich hat der Student, der Nootropika im Internet kauft, keine Ahnung, was sich in ihnen befindet. Ebenso weiß er nicht, welche Dosis angemessen ist. Er kauft sie einfach, damit er sein Examen besteht. Daher ist es sehr wahrscheinlich, dass er aufgrund einer Fehldosierung Nebenwirkungen erzeugen wird, bevor er positive Effekte überhaupt wahrnehmen kann. Eine verbesserte Aufmerksamkeit und ein besseres Gedächtnis – leider nicht gewonnen.

Es ist wichtig zu verstehen, dass Nootropika zwar helfen können, aber kein Allheilmittel sind. Zusätzlich können wir ihre Vorteile nur für uns nutzen, wenn wir wissen, wie wir sie einnehmen müssen. Dazu sollten wir immer dem Rat eines Experten folgen.

Wie man Nootropika nutzt

Experten sagen, dass es einige grundlegende Richtlinien gebe, denen wir folgen sollten, wenn wir Nootropika einnehmen möchten:

  • Das Nootropikum wählen, das am besten zu unseren Bedürfnissen passt. Dazu einen Spezialisten konsultieren, der Auskunft über die Optionen geben kann, die der Markt bietet.
  • Jede Person reagiert anders. Allgemein sollte deshalb mit sehr geringen Dosen begonnen werden.
  • Wenn Nebenwirkungen festgestellt werden, wie Kopfschmerzen oder Schwindel, die Einname des Medikaments absetzen.
  • Es sei darauf hingewiesen, dass diese Medikamente nicht sofort wirken. Das Gehirn braucht Zeit, um sich an sie zu gewöhnen. Genau genommen wirst du die Wirkung erst nach ein paar Tagen oder Wochen spüren.

Wenn du deine Gehirnchemie regulieren möchtest, um so die Leistung deiner grauen Substanz zu maximieren, musst du dich gesund ernähren. Es gibt gewisse Nährstoffe, die den Wirkmechanismus von „Smart Drugs“ aktivieren. Demnach ist eine ausgewogene Ernährung mit viel frischem Obst, Gemüse, sowie Omega-3- und Omega-6-Fettsäuren für die Wirksamkeit der Nootropika unerlässlich.

Läufer, der sich die Schnürsenkel bindet

Falls du viel sitzt, macht der Bewegungsmangel deinen Stoffwechsel langsam und wenig effizient. Das hat zur Folge, dass deine Leber nicht mehr in der Lage sein wird, die Bestandteile der Nootropika vollständig zu verarbeiten. Sport ist deshalb ebenso essenziell, damit die Nootropika angemessen funktionieren können.

„Das wahre Zeichen von Intelligenz ist nicht das Wissen, sondern die Vorstellungskraft.“

Albert Einstein

Formen von Nootropika

Man sollte wissen, dass nicht alle Nootropika Medikamente sind. Viele Nootropika erfordern kein ärztliches Rezept, weil sie aus natürlichen Inhaltsstoffen bestehen. Einige kann man in Heilkräuterläden finden. Abgesehen davon ist es jedoch immer angebracht, einen Spezialisten zu konsultieren, bevor man kognitive Stimulanzien einnimmt.

Wir sollten wissen, wonach wir suchen. Denn, wie wir gesehen haben, gibt es eine Vielzahl von Nootropika. Und es scheint so, als ob wir in den kommenden Jahren noch mehr sehen werden. Momentan gibt es Nootropika in den folgenden Kategorien:

  • Konzentrationsverbesserer
  • Gedächtnisschärfer
  • Stimmungserheller
  • Angstlöser
  • Schlafförderer
  • Anti-Aging-Nootropika

Abschließend lässt sich sagen, dass Nootropika keine Nahrungsergänzungsmittel sind. Wir sollten sie nicht leichtfertig einnehmen. Vor allem, weil immer mehr Varianten verfügbar werden und ihre Wirkung fraglich ist. Wir alle möchten gern unsere kognitive Funktion verbessern, um den Anforderungen des Arbeitsmarktes gerecht zu werden, aber ist es immer besser, nach alternativen Strategien zu suchen, um diese Ziele zu erreichen. Eine gesunde Ernährung und ausreichend Bewegung sind immer gute Ideen. Nichtsdestotrotz werden wir die Evolution dieser kognitiven Verstärker und ihre Auswirkung auf unsere Zukunft weiter beobachten.

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