Kreativität: Eine Pflanze, die wir pflegen müssen

· 19. September 2017

Kreativität: Wie oft haben wir dieses Wort schon gehört? Es ist ein Begriff, den wir alle häufig verwenden, ob wir nun Experten sind oder nicht. Aber wissen wir wirklich darüber Bescheid, was diese Fähigkeit in unserem täglichen Leben bewirkt? Wir betrachten sie seit jeher als eine Qualität, über die wir in unserer Kindheit oder vielleicht in unserer Jugendzeit verfügten. Aber wir liegen falsch, wenn wir denken, dass sie im Erwachsenenalter verschwindet.

Kreativität verbessert deine Fähigkeit, Probleme zu lösen

Kreativität wird unterschätzt. Sie wird als eine Eigenschaft verrückter Menschen oder großer Genies betrachtet. Zum Glück wird diese Fähigkeit, die in Wirklichkeit in uns allen schlummert, nun langsam etwas populärer. Bei einigen von uns schläft sie lediglich etwas tiefer, während sie bei anderen bereits hellwach ist.

Menschen, deren Kreativität erwacht ist, verfügen über eine sehr lebendige innere Welt. In dieser Welt regiert die Fantasie und bestimmt darüber, wie Probleme gelöst und welche Fragen gestellt werden. Kreative Menschen können unzählige Alternativen, verschiedene Möglichkeiten und Ansätze anhäufen, um ein einziges Problem anzugehen.

„Logik bringt dich von A nach B. Fantasie bringt dich überall hin.“

Albert Einstein

Kreativität erfordert Flexiblität

Der Terminus Kreativität stammt von dem Verb kreieren. Und kreieren bedeutet ganz einfach, etwas Neues zu schaffen oder zu erfinden. Das ist nicht, wie viele meinen, eine Qualität, die ausschließlich Malern, Künstlern, Architekten und Musikern vorbehalten ist. Jeder Einzelne, der kreative Lösungen für die Probleme findet, die in seinem täglichen Leben entstehen, ist eine kreative Person. Es ist auch jemand, der sich Fragen stellt und Themen aus einer Perspektive betrachtet, die zuvor niemand eingenommen hat.

Viele dieser Menschen hatten in ihrer Kindheit die Möglichkeit, ihre Kreativität zu entwickeln. Das liegt daran, dass sie von den Menschen, die an ihrer Erziehung beteiligt waren, gefordert und gefördert wurde. Nehmen wir zum Beispiel an, ein Kind malt ein Schaf mit Flügeln. Wir wissen, dass Schafe keine Flügel haben. Es klingt sogar lustig, das extra sagen zu müssen. Aber es ist eine Tatsache, Schafe haben keine Flügel. Also sagen wir dem Kind, dass es Schafe doch ohne Flügel malen sollte. Aber was ist das Problem daran, wenn ein Kind ein Schaf auf diese Weise malt? Warum müssen wir dieses ganz spezielle Kunstwerk zensieren?

Kreativität nährt man durch Belohnungen, nicht durch Strafen

Besonders während der Kindheit ist der Prozess, nicht das Ergebnis, von Bedeutung. Wir sollten uns damit zurückhalten, die Qualität des künstlerischen Ausdrucks eines Kindes mit den Prädikaten gut oder schlecht zu bewerten. Denn dadurch strafen wir lediglich seine Spontanität und halten es dazu an, sie aufzugeben. Wenn ich meinem Kind die Freiheit lasse, seine Bilder fantasievoll zu gestalten, wird es in der Lage sein, weitere Alternativen zu erfinden. Anders als jene, die bereits existieren.

Es wird die Fähigkeit entwickeln, sich Dinge vorzustellen und sich spontan auszudrücken. Sobald wir eingreifen, den Anflug von Kreativität plötzlich unterbrechen und diese Unterbrechung gar zur Gewohnheit lassen werden, wird das Kind aufhören, sich auf aufrichtige Weise auszudrücken.

„Kreativität bedeutet, aus bekannten Mustern auszubrechen, um die Dinger anders betrachten zu können.“

Edward von Bono

Lasst uns unsere Problemlösefähigkeit stärken!

„Nichts ist so frei wie der Geist des Menschen.“

David Hume

Wenn ich im Gegenteil die erfinderische Ader meines Kindes unterstütze, kann ich ihm dabei helfen, auch weiterhin auszudrücken, was auch immer seine sprudelnde Fantasie der Welt zu bieten hat. „Das muss aber ein ganz freies Schaf sein. Es möchte fliegen!“, „Wie schön, dass du ihm dabei hilfst, fliegen zu können!“,  oder, „Was meinst du denn, wo es hinfliegen möchte?“,  sind nur einige mögliche Reaktionen unsererseits, die es für seine Kreativität loben.

Alle diese Bemerkungen vermitteln, dass der Ausdruck des Kindes wertgeschätzt wird. Auf diese Art kann man wirksam die Vorstellungskraft der Kinder fördern, die unseren erwachsenen Augen manchmal unbegreiflich erscheint.

Geistreich zu sein ist keine Eigenschaft verrückter Menschen

Viele kreative Erwachsene hatten in ihrer Kindheit die Erlaubnis dazu, sich frei auszudrücken. Sie wurden darin bestärkt, aufrichtig zu sein. Im Gegensatz dazu war die Kindheit von Menschen, die jetzt nicht kreativ sind, häufig davon geprägt, dass diese Art von Ausdruck zensiert wurde. Wir sprechen hier von der Zensur all dessen, was nicht zu den Erwartungen oder zu dem passt, was als normal betrachtet wird.

Versetzten wir uns einmal in die Lage dieser Personen. Wenn wir in unserer Kindheit erleben, dass unser Umfeld ein Verhalten nicht wertschätzt, dass in unserem Erwachsenenleben nützlich wäre, lernen wir, dass das eine Eigenschaft Verrückter ist. Wir folgern dann, dass wir, wenn wir uns entsprechend dieser Vorstellungen ausdrücken, von anderen Menschen als verrückt angesehen werden.

Wir leben mit Sicherheit in einer Welt, in der Selbstkontrolle belohnt wird. In einer Welt, in der Spontanität irgendwie zensiert wird. Kreativität benötigt diese Spontanität, um zu überleben. Sie muss im Kontakt mit der Realität stehen und sogar eine Quelle von Fehlern sein. So können wir verhindern, dass sie in unserem Inneren wie ein altes Stück Sperrmüll in eine Ecke gestellt wird.

Häufig ist es so, dass wir in unserem Inneren Angst verspüren, davor, etwas zu versuchen. Angst davor, bei dem Versuch zu versagen, vor den Konsequenzen unseres eigenen aufrichtigen Ausdrucks. Diese Angst ist in bestimmten Situationen oder Berufen besonders stark ausgeprägt.

„Es gäbe keine Kreativität ohne die Neugier, die uns bewegt und uns angesichts einer Welt, die wir nicht geschaffen haben, geduldig ungeduldig sein lässt. Angesichts einer Welt, die wir durch unser Tun größer machen.“

Paulo Freire

Wir wurden frei geboren, um unsere fantasievollsten Ideen auszudrücken

Kreativ zu sein bedeutet, über eine sehr lebendige innere Welt zu verfügen, die zu jedem Schritt, den ich im Treppenhaus des Lebens gehe, eine ganze Reihe möglicher Alternativen liefert. Es bedeutet, einen Rucksack voller Ressourcen zu haben, voller Farben in verschiedensten Nuancen, aus verschiedenen Stoffen… sie alle ermöglichen es mir, auf anderen Wegen nach oben zu gelangen, ohne im grauen Treppenhaus zu ermüden.

Wir wurden nicht strukturiert und hermetisch abgeschottet geboren. Wir wurden frei und mit einer enormen Kraft geboren, das zu entwickeln, was zu uns gehört und mit uns auf die Welt gekommen ist.

„Kreativität ist nicht nur etwas für Künstler. Kreativität muss etwas für alle sein. Der kreative Schöpfer versucht, neue Sichtweisen, Ideen und Visionen zu bringen, so dass Menschen später entscheiden können, ob diese ihnen interessant erscheinen oder nicht.“

Phillipe Starck

Lasst uns keine Angst haben, etwas so Schönes zu entwickeln und freizulassen. Du wirst entdecken, dass du Dinge tun wirst, von denen du nie geglaubt hast, dazu fähig zu sein.