Neurone, Hormone und Liebe

· 24. Dezember 2018

Gerne betrachtet man die Liebe als etwas Himmlisches, das von Kräften gelenkt wird, die sich dem menschlichen Verständnis entziehen. Natürlich ist es romantisch, so zu denken. Man sollte jedoch nicht vergessen, dass Verlangen und Leidenschaft oder auch das Leiden durch eine Mischung aus neuronalen Signalen, Hormonen und Liebe hervorgerufen wird.

Spricht man darüber, was aus biologischer Sicht liebevoll ist, so kann dies durchaus eine gewisse Ernüchterung hervorrufen. Auf diese Weise kann man jedoch besser verstehen, was eigentlich passiert, wenn man sich verliebt. Man erhält die Möglichkeit, diesen Prozess bewusster zu erleben und, sofern man es denn möchte, gezielter zu steuern.

Neurone, Hormone und Liebe gehören zusammen. Unsere Gefühle werden in unseren Zellen geboren und wachsen dort heran. Streng genommen passiert dies in den Neuronen. Hormone und Liebe drücken schließlich dasselbe aus, nur auf unterschiedlichen Ebenen. Der eine Teil bezieht sich auf das Körperliche, der andere auf die menschliche Gefühlswelt. Beide Prozesse laufen im Gehirn ab. Um sie zu verstehen, lohnt sich eine genauere Betrachtung aus Sicht der Neuropsychologie.

„Als man jung war, zelebrierte man das Verliebtsein als wäre es ein denkwürdiges Ereignis. Doch was war es in Wirklichkeit? Chemie, Hormone. Ein Trick des Verstandes.“

Liane Moriarty

Bindung, Hormone und Liebe

Die Zuneigung ist die erste Form der Bindung im Leben. Man empfindet sie in den ersten Lebensjahren für die eigenen Eltern, Großeltern oder seine Geschwister. Ihre Präsenz ist für einen Menschen von größter Bedeutung. Zwischen der Außenwelt und dem Inneren eines Menschen befinden sich eben diese Personen, die bedingungslos lieben, beschützen und einen bei dem Abenteuer, die Welt zu erkunden, begleiten.

Zuneigung ist jedoch nicht nur etwas, das in den ersten Lebensjahren vorhanden ist. Auch in Liebesbeziehungen spielt sie eine große Rolle. Wieder kommen Hormone und die Liebe zusammen, um das Gefühl zu vermitteln, nicht ohne den anderen leben zu können. Dies zeigt sich besonders deutlich in jungen Jahren.

Empfindet man Zuneigung für jemand anderen, kommt es zu einer verstärkten Sekretion der Hormone Oxytocin und Vasopressin. Oxytocin wird sowohl beim Stillen als auch bei einem Orgasmus freigesetzt. Es stärkt die Bindung zu einer Person, indem es positive Assoziationen hervorruft. Vasopressin wird beispielsweise nach dem Geschlechtsverkehr ausgeschüttet. Es erzeugt ein Gefühl der Zuneigung für den anderen. Es ist daher wahrscheinlich, dass die Bindung eines Paares umso stärker ist, je mehr Sex es hat. Somit bilden Hormone und die Liebe die Grundlage für eine dauerhafte Beziehung.

Hormone und Liebe: Paar umarmt sich

Die Partnerwahl

Experten sind sich bezüglich der Gründe für eine Partnerwahl uneinig. Während einige davon ausgehen, dass es sich dabei um ein gemeinsames Wirken unbewusster Faktoren handele, weisen andere darauf hin, dass dies ein klassisches Beispiel für die Kombination von Hormonen und der Liebe sei.

Diejenigen, die der Meinung sind, es handle sich um eine Kombination aus Hormonen und Liebe, sehen in den Genen den entscheiden Grund für eine Partnerwahl. Sie glauben, dass jede Partnerwahl das Ergebnis einer Suche nach den besten Genen sei. Dieser Prozess sei instinktiv, denn ganz offensichtlich hat kein Mensch einen Überblick über die Gene eines anderen, wenn er sich dazu entscheidet, Zuneigung zu empfinden.

Demnach entscheidet ein Mensch innerhalb von 3 bis 4 Minuten darüber, ob er eine andere Person anziehend findet oder nicht. Äußere Einflüsse wie die Kleidung sollen dabei keine Rolle spielen. Entscheidend sind schließlich die Pheromone. Man kann sie zwar nicht bewusst wahrnehmen, doch reagieren wir durchaus empfindlich auf sie. Schlussendlich beeinflussen sie die Zuneigung zu einer Person und ob man sich in sie verliebt oder nicht.

Hormone und Liebe: wichtige Komponenten bei der Partnerwahl

Weitere interessante Fakten

Ob man jemanden anziehend findet, dafür sind weitere Aspekte verantwortlich. Diese offenbaren sich allerdings nur durch aufwendige Studien. So wurde beispielsweise nachgewiesen, dass bei der Partnerwahl ein ähnliches Lungenvolumen von Bedeutung ist. Gleiches gilt für die Größe der Ohren, den Umfang des Halses sowie des Handgelenks.

Neurowissenschaftler sind zudem der Meinung, dass besonders viele Hormone während der Phase des Verliebtseins ausgeschüttet werden. Grundsätzlich findet eine verstärkte Produktion der Hormone Noradrenalin, Dopamin und Serotonin im Gehirn statt. Jedes von ihnen erzeugt unterschiedliche Reaktionen und löst bestimmte Verhaltensweisen aus.

  • Die Freisetzung von Noradrenalin führt zu einem Gefühl von „Schmetterlingen im Bauch„. Es handelt sich um ein sehr starkes Gefühl, in dem sich Glück und Nervosität vermischen. Ähnliches verspürt man beispielsweise bei einem Fallschirmsprung.
  • Dopamin erzeugt Wohlbefinden und KraftEs ist das Hormon, das für die Entwicklung von Zuneigung verantwortlich ist.
  • Serotonin bringt einen Menschen dazu, begeistert und fröhlich zu sein. Insgesamt erzeugt es sehr angenehme Gefühle.

Wie wir erkennen können, gehen Hormone und die Liebe stets Hand in Hand. Dies bedeutet jedoch nicht, dass sich alles wissenschaftlich erklären ließe.

Suárez-Lledó Alemany, J. (2007). Las hormonas, el pensamiento sexual y el amor. León, Edilesa.