Gefühlsräume – mein Lieblingsplatz ist bei dir

· 15. Juli 2018

Eine Grundvoraussetzung für die geistige Gesundheit ist ein positiver Gefühlsraum, den du bewohnst und wo du ganz du selbst sein kannst. Gefühlsräume funktionieren nach Motto: Leben und leben lassen. Sie sind ein Milieu, in dem du dich frei fühlst und wo es Platz für Wachstum gibt. Ein Platz, an dem es aber auch etwas oder jemanden gibt, der dort mit dir „verankert“ ist. Es wäre toll, wenn wir alle einen solchen Lieblingsplatz haben. Einen Ort, an dem wir uns bereichert fühlen. An dem wir uns entfalten und emotional wachsen können.

Das Konzept „Gefühlsraum“ ist nicht brandneu. Fast immer wird ein Gefühlsraum im schriftlichen Kontext jedoch mit einem Arbeitsumfeld in Zusammenhang gebracht. Wir sind uns dessen auch bewusst, dass das alltägliche emotionale Ambiente am Arbeitsplatz einen größeren Einfluss auf uns ausübt als die meisten anderen Orte. Es gelingt dir am Arbeitsplatz nicht immer, das zu finden, was du brauchst, um dich wohlzufühlen und mit anderen gut in Verbindung treten zu können. Und dann wird es schwierig, deiner Firma dein Bestes zuteilwerden zu lassen.

„Die wahren Orte findest du nie auf einer Landkarte vermerkt.“

Herman Melville

Was versteht man unter einem emotionalem Klima?

Gefühlsräume – dieses spannende Thema geht allerdings über das bloße Arbeitsumfeld hinaus. Zuallererst einmal gibt es da eine grundlegende Tatsache, die wir nicht vergessen sollten, nämlich dass der oder die Menschen von dem Zeitpunkt an, in dem sie einen Raum beziehen, eine bestimmte Atmosphäre erzeugen. Wir alle emittieren eine Art „emotionaler Strahlung“. Diese verbindet sich mit denen der anderen Bewohner und erzeugt ein förderliches, feindliches oder auch ein neutrales Klima.

Manche Psychologen sagen, dass es oft nur eine Sache von wenigen Minuten sei, um das emotionale Klima eines Zuhauses oder einer Familie einzufangen. Diese Zeitspanne reiche, um die Gesichtsausdrücke zu lesen und die Tonlagen und den jeweiligen Kommunikationsstil zu registrieren. Aus diesen Informationen könne der Beobachter eine Menge ableiten.

Hinzu kommt, dass Immobilienmakler der Ansicht sind, dass potenzielle Käufer innerhalb von 30 Sekunden nach dem Betreten eines Hauses wissen, ob sie dieses mögen oder nicht. Das liegt daran, dass unser Gehirn manchmal sehr subjektive emotionale Reize aufnimmt, selbst wenn keine Menschen anwesend sind. Die Beleuchtung, die Farben und andere Einzelheiten nehmen auf der Grundlage unserer Persönlichkeit und unserer Erfahrungen einen emotionalen Wert an.

Du siehst also, dieses Thema ist ebenso umfangreich wie interessant.

Hirsch in magischer Landschaft bei Sonnenaufgang.

Gefühlsräume sind Orte, wo das Herz wohnt

Herman Melville sagte, dass die schönsten Orte nicht auf einer Karte verzeichnet seien. Zwei Menschen, die sich in reifer Liebe zugetan sind, errichten die schönsten Räume zwischen sich. Sie brechen ihre eigenen Wände nieder, um sich der anderen Person zu öffnen. In ihrem gemeinsamen Garten pflanzen sie Respekt und ernten Zufriedenheit. Jede Seite investiert in das eigene Glück, weil beide wissen, dass das jeweilige innere Wohlbefinden ihrem geliebten Gegenüber zugutekommen wird.

Es mag dir abwegig erscheinen, aber positive und qualitativ hochwertige Gefühlsräume sind gar nicht so leicht zu errichten. Ein Fehler, den man machen kann und der oft zu einem Misserfolg führt, ist folgendem Irrtum zu erliegen: Jede Atmosphäre, die Bedeutung habe und wo das Glück wohne, entstehe deswegen, weil man andere glücklich mache. Wenn du dieser Ansicht bist, bleibst du am Ende in der Arbeit in einer selbstzufriedenen und unterwürfigen Haltung stecken. Dir wird es an Initativgeist fehlen, positive Veränderungen am Arbeitsplatz vorzuschlagen und zu erschaffen.

Gleichzeitig wirst du auf der Beziehungs- oder Familienebene zu einem Menschen werden, der die Gefühle der anderen über die eigenen stellt. Dies wird schließlich eine Atmosphäre voll angestauter Frustration und bitterer Unzufriedenheit verursachen. Was wir mit diesen Beispielen verdeutlichen wollen, ist, dass positive Gefühlsräume zunächst eine Investition in dich selbst erfordern. Nimm dir die Zeit, um darüber nachzudenken.

Aus einem Haus flattert ein blaues Hemd heraus. Weitere surrealistische Elemente sind eine Uhr und Wolkenspiele.

Es ist entscheidend, sich daran zu erinnern, dass jede Form von negativem emotionalem Klima ein Schlachtfeld ist, wo das Vorurteil, das Ego, absolute Urteile, der Individualismus, der Dämon der Hast, der Beleidigungen und am schlimmsten von allen, der Angst, miteinander kämpfen.

Die menschliche Natur, die mit emotionaler Reife und einem selbstbewussten Vorgehen einhergeht, setzt der Bildung eines toxischen Ambientes Grenzen. Wenn du bereits all diese Charakterzüge in deinem Inneren trägt, bestimmen sie dein Verhalten und somit auch dein emotionales Klima. Es ist wichtig, zu verstehen, dass jede bereichernde emotionale Atmosphäre vom psychologischen Profil ihrer Bewohner abhängt.

Wie du emotional großzügige, positive und kraftvolle Gefühlsräume schaffst

Deine tagtäglichen Gefühlsräume sollten deine Lieblingsorte sein. Jene Orte, wo du immer du selbst sein kannst. Wo du weißt, dass deine Vorstellungen, Werte und Gefühle respektiert werden. Gefühlsräume sind begrenzte Räume, in denen sich deine Beziehungen nicht wie Ketten oder Fußfesseln anfühlen. Sie gleichen stattdessen warmen Winden, die deine Segel mit Hoffnung füllen. Durch sie fühlst du dich frei und voller Möglichkeiten.

„Gefühle sind ansteckend. Wir haben das alle durch Selbstversuche herausgefunden. Du weißt, dass du dich gut fühlst, wenn du mit einem Freund ein fröhliches Treffen auf eine Tasse Kaffee hattest. Wenn du auf einen unfreundlichen Angestellten in einem Laden triffst, verlässt du den Laden und fühlst dich schlecht.“

Daniel Goleman

Es reicht nicht, dass dich die Menschen lieben – sie müssen dich auch auf eine gute Art und Weise lieben. Um großzügige und positive Gefühlsräume zu schaffen, empfehlen wir dir, die nachfolgend genannten einfachen Strategien anzuwenden.

Paar küsst sich am Strand vor großer Wolke in Form eines Kussmundes.

Vier Strategien, um eine großzügige emotionale Atmosphäre zu schaffen

Fange mit dir selbst an, ehe du dich auf den emotionalen Zustand der Menschen in deinem Umfeld konzentrierst. Gefühlsräume werden am meisten von persönlicher Frustration, Reizbarkeit oder einer Abwehrhaltung beeinflusst. Schaue dir deine Gefühle gut an und lerne, mit ihnen umzugehen, bevor du deine Wut, deine nervöse Anspannung oder deine eigenen Unzulänglichkeiten auf andere Menschen überträgst.

  • Positive Verstärkung. Experten in punkto Gefühlsraum berichten, dass Menschen im Durchschnitt einen negativen Kommentar pro Tag verkraften können, etwa einen Vorwurf, eine Kritik oder eine Warnung. Und das auch nur, wenn sie dazu am Tag vier positive Kommentare erhalten. Es gilt dabei gleichermaßen, dass sich eine übergroße positive Einstellung unecht oder künstlich anfühlen kann.
  • Eine dauerhaft ehrliche und selbstbewusste Kommunikation. Ergänzend zu positiver Verstärkung und emotionaler Ermutigung erfordert eine qualitativ hochwertige emotionale Umgebung einen nicht abreißenden Dialog. Alle beteiligten Parteien sollten aktives Zuhören pflegen und eine empathische und selbstbewusste Grundhaltung praktizieren.
  • Eine wahre Verbindung ermöglichen. Es ist einfach, in einem Arbeitsumfeld mit vielen Leuten gut auszukommen. Ein authentisches Umfeld, sowohl zu Hause als auch am Arbeitsplatz, besteht dann, wenn du das Gefühl hast, dich mit anderen verbinden zu können. Dies geht über einfache Höflichkeit oder sogar die Sprache hinaus. Es wird als gegenseitiges Verständnis bezeichnet.
  • Ein Augenmerk auf die Details legen. Zu guter Letzt ist eine wichtige Strategie, um einen jeglichen Gefühlsraum zu nähren, das Wissen um die kleinen Dinge. Achte auf diese alltäglichen Feinheiten. Wenn du genau aufpasst, wirst du diese rücksichtsvolle und dankbare Haltung bemerken, und Sätze wie „Danke, dass du da bist“, „Was würde ich ohne dich tun?“  oder „Mein Lieblingsplatz ist bei dir“.

Achte jeden Tag auf diese vier Dinge, um eine positivere Atmosphäre für dich selbst und andere zu schaffen.