Mein Sohn ist auch verständnisvoll, liebevoll und mitfühlend

· 18. Februar 2018

Mein Sohn sagt auch „Ich liebe dich“,  umarmt mich, ist mitfühlend und zögert nicht, seine Zuneigung und Zärtlichkeit zu zeigen. Denn Jungen sind genauso empfindsam wie Mädchen und haben eine emotionale Intelligenz, die wir respektieren und fördern sollten. Ohne sie für ihre Gefühle oder Bedürfnisse zu verurteilen, ohne ihnen zu sagen, sie verhielten sich „wie ein Mädchen“.

Diese sensiblere Seite unserer Jungen zu entwickeln und zu stärken, ist etwas, das sich definitiv lohnt. Es ist Zeit und Mühe wert. Aber aus irgendeinem Grund fühlen sich Gesellschaft und Familien zwar der scheinbaren Gleichstellung der Geschlechter verpflichtet, aber viele Details gehen auf dem Weg doch verloren.

„Es ist nicht unser Fleisch und Blut, was uns zu Eltern und Kindern macht, sondern unser Herz.“

Friedrich von Schiller

Vor nicht allzu langer Zeit wurde unter Jungen und Mädchen an verschiedenen Schulen Spaniens eine Umfrage durchgeführt, in der einige Mädchen angaben, dass ihr männliches Vorbild der Business-Tycoon Amancio Ortega sei. Es scheint, sie haben die Idee verinnerlicht, dass es für sozialen Erfolg bestimmter Fähigkeiten bedürfe: Risikofreudigkeit, Mut und aktives Handeln. All dies sind Dimensionen, die wir noch vor kurzer Zeit ausschließlich dem männlichen Geschlecht zugeschrieben haben.

Während Mädchen sich bewusst sind, dass sie diese „männlichen“ Eigenschaften durchaus entwickeln können, sind die Jungen noch immer Opfer ihrer Männlichkeit, in der traditionelle „weibliche“ Eigenschaften keinen Platz haben und zu Spott führen. Diese wären Empfindsamkeit, Sanftheit und Zärtlichkeit.

Im Ergebnis können wir sagen, dass uns der Sexismus trotz aller sozialen Fortschritte immer noch limitiert. Dies hat viel damit zu tun, wie wir unsere Söhne erziehen. Wir dürfen auch nicht vergessen, dass das Patriarchat nicht nur Frauen diskriminiert und unterdrückt, sondern auch Männer. Es diktiert uns, wie sie sein sollen, sich verhalten müssen und wie sie zu reagieren haben.

Trauriger Junge

Was sein sollte und Männerkreise

Roberts Beziehung zu seiner Freundin ist gerade zu Ende gegangen. Nach acht Jahren hatte sie ihm gesagt, dass sie ihn nicht mehr liebe. Roberts Welt brach zusammen, sein Herz und sein Verstand lagen in Trümmern. Es schmerzte ihn so sehr, dass er nicht mehr atmen konnte. Er wusste nicht, was er nun tun sollte, wie er reagieren sollte.

Er spürte, dass er die Unterstützung seiner Freunden brauchte. Aber er hatte auch verstanden, dass seine Freundschaften auf gemeinsamen Hobbies beruhten und nicht auf Gefühlsduselei. Mit seinen Freunden spielte er Basketball oder zockte Videospiele.

Da war jedoch sein alter Freund Philipp. Er wusste, dass er definitiv mit ihm sprechen konnte. Sie vertrauten sich gegenseitig und Philipp würde ihm zuhören, eine Schulter zum Anlehnen sein. Aber da besteht ein frustrierendes Problem: Robert hatte nicht den Mut, nach dieser Intimität zu suchen. Er wusste nicht wie, ihm fehlten die Kompetenzen.

Endlich, nach Monaten der Dunkelheit und einem gelegentlichen Selbstmordgedanken, entschloss er sich, sich professionelle Hilfe zu suchen. Nach einigen Monaten der Therapie, empfahl ihm der Psychologe etwas, wovon Roberto noch nie gehört hatte, etwas, was seltsamerweise genauso positiv wie therapeutisch sein sollte, nämlich Männerkreise.

Männerkreis

Das sind Männerkreise

Die Gesellschaft fördert Homogenität. Unsere Eltern hämmern es uns ein – wie es auch mit Robert geschehen ist – dieses Gedankengerüst darum, wie wir sein, uns verhalten und denken sollten, beruhend auf unserem Geschlecht. Dies wird früher oder später zu Widersprüchlichkeiten, Schmerz und viel Frustration führen.

Das letztendliche Ziel von Männerkreisen ist es, sichere, vertrauliche Räume zu schaffen, in denen Männer über ihre Gedanken und Bedürfnisse sprechen können. In denen sie ihren Gefühlen Ausdruck verleihen können, ohne Angst haben zu müssen, wie ein Mädchen betrachtet zu werden.

Männer und Jungen sollte wissen, dass es ihnen zusteht, ihre Rüstung abzulegen und die Wunden zu betrachten, die die Gesellschaft ihnen zugefügt hat. Sie dürfen weinen. Sie können ihre Empfindsamkeit zeigen und über alles sprechen, ohne im vorherrschenden patriarchalen System verurteilt zu werden.

Mein Sohn ist mitfühlend und liebevoll und wird immer seine sensible Seite haben

„Höre auf, zu weinen! Zeige keine Schwäche! Du benimmst dich ja wie ein Mädchen …“, solche und andere sexistische und diskriminierende Kommentare sind die Basis der oben beschriebenen Frustration. Sie alle halten den Jungen davon ab, emotional zu wachsen.

Dies ist nicht der richtige Ansatz. Letztendlich definieren diese Kommentare die Vorstellung, die die Jungen von Männlichkeit entwickeln. Wenn wir schon im frühen Alter beginnen, ihren Emotionen jeglichen Raum zu nehmen, liefern wir der Welt limitierte und unsichere Personen.

„Ein guter Elternteil ist so viel wert wie einhundert Lehrer.“

Jean Jacques Rousseau

So ist es wahrscheinlich, dass diese Jungen für bestimmte Bereiche vorbereitet und wettbewerbsfähig sind, nämlich für Aufgaben, die räumliche Vorstellungskraft oder handwerkliche Fertigkeiten erfordern. Aber ihnen fehlt es an emotionalen Fähigkeiten. Sie werden Frustration nicht tolerieren können. Und sie werden keine effizienten Mechanismen kennen, um Gefühle wie Trauer oder Angst zu verarbeiten.

Wollen wir aber wirklich Jungen großziehen, die eines Tages unglücklich sind und so auch ihre Umgebung unglücklich machen? Sicher nicht.

Vater mit Sohn auf dem Arm

Die meisten unserer Kinder, egal ob Mädchen oder Jungen, sind von Natur aus liebevoll und mitfühlend. Wir Menschen sind darauf programmiert, uns mit anderen Leuten zu verbinden. Und zu verstehen, dass Wärme, Empfindsamkeit und Zärtlichkeit uns erlauben, Bindungen mit anderen leichter eingehen zu können.

Respektiere diese Seite und lasse sie zu. Erlaube deinen Söhnen, frei zu erlernen, wie sie ihre Gefühle ausdrücken können. Dass sie nach einer Umarmung fragen können. Dass sie keine Bedenken haben müssen, wenn sie das Bedürfnis haben, zu weinen. Sie dürfen analysieren, was in ihnen vorgeht, und das hat nichts mit ihrem Geschlecht zu tun.