Manchmal ist Zärtlichkeit alles, was wir brauchen

28. August 2016 en Emotionen 523 Geteilt

Manchmal ist Zärtlichkeit alles, was wir braucht. Sonst nichts. Wir wollen nicht mehr dieselben alten Worte oder dieselben Sätze hören, die wieder und wieder gesagt werden. Wir wollen bestätigt, willkommen geheißen werden und uns wertgeschätzt fühlen, wenn diese Hand sanft über unsere Haut streicht. Nur wenige Dinge haben solch einen starken Beruhigungseffekt wie die bloße Handlung, jemanden zu streicheln. Außerdem wird im Bereich der humanistischen Psychologie und Transaktionsanalyse gesagt, dass jede Person von Menschen, die sie lieben, angefasst werden muss, um sich „anerkannt“ zu fühlen. Nichts ist angenehmer als eine unerwartete Streicheleinheit oder die Berührung von jemanden, der von tausenden Narben bedeckt ist, aber noch immer imstande ist, wohltuende Zärtlichkeit zu geben.

Sensorische Deprivation wird nicht nur von einem Baby bezüglich dessen Mutter erlebt. Sie existiert ebenso zwischen Paaren und kann jederzeit passieren. Sie tritt bei Verbindungen auf, denen es an ausreichender Menge an Kontakt fehlt, wenn die Person nicht durch Zärtlichkeiten, Umarmungen oder lieben Worten anerkannt wird. In solchen Arten von Beziehungen findet keine Übertragung von Zuneigung oder Liebe jenseits von Worten statt. Ein Kind, das den Entzug der mütterlichen, sensorischen Zuneigung erleidet, entwickelt sich viel langsamer und wird möglicherweise später reaktive und emotionale Störungen haben.

Es kann geschehen, dass bei Paaren eine der beiden Personen auf emotionaler Ebene diese emotionale Weisheit in einfachen Berührungen fehlt, welche dabei hilft, eine authentische Beziehung aufzubauen. In diesen Fällen fühlt sich der Gegenüber in der Beziehung meist leer und wird die Gefühle und Berechtigung von Kompromissen der Beziehung anzweifeln. Zuneigung und Zärtlichkeiten sind Nahrung für die Seele, die auch unser Gehirn braucht, um sich als Teil dieser Welt zu fühlen. Um sich als Teil der Dinge, die man liebt, zu fühlen.

Zärtlichkeit: eine psychologische, biologische und soziale Notwendigkeit

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Zärtlichkeit ist eine mächtige Waffe, eine unerlässliche Geste, die die ganze Welt der Gefühle, inneren Balance und des psychologischen Wohlergehens enthält. Dieses Bedürfnis, verstanden zu werden, wird lebenslang für uns bezeichnend sein.
Eine Zärtlichkeit kann ein Leben erbauen, es bestätigen und bilden, und webt eine unsichtbare Decke, die uns mit der Person, die wir tief in unserem Herzen sind, wieder vereint. Keine Technologie der Welt kann so etwas ersetzen. Keine Maschine der Welt hat die Wärme einer Umarmung oder eines sanften Streichelns.

Man sagt auch, dass die Art und Weise, auf die ein Mensch während seiner Kindheit Streicheleinheiten erfahren hat, die Art und Weise bestimmt, auf die er sie später von anderen erwartet. Wenn Menschen niemals Zärtlichkeiten erhalten haben, ist es sehr wahrscheinlich, dass sie nicht wissen, wie man sie gibt. Ihr Bedürfnis jedoch, sie zu bekommen, wird zweifelsohne sehr intensiv sein, obwohl sie dieses Bedürfnis möglicherweise gar nicht erkennen. Es ist sehr komplex, denn unsere Schwächen in der Kindheit bestimmen viele unserer Verhaltens- und Denkmuster unseres erwachsenen Daseins.

Und obwohl es viele individuelle Unterschiede geben mag, so ist doch das Bedürfnis nach Berührung, Nähe und Zuneigung universell. Man findet es nicht nur bei Menschen, sondern auch bei Tieren. Tatsächlich können wir dieses Bedürfnis auch bei Hund, Katze & Co. beobachten.

Lass uns nun die grundlegenden Charakteristika und psychologischen Folgen von Zärtlichkeiten anschauen.

Die Kraft bedingungsloser Zärtlichkeit

Zärtlichkeit muss bedingungslos sein, um Einfluss und Relevanz zu erwirken. Ich streichle dein Gesicht mit meiner Hand, weil es tief aus meinem Herzen kommt, weil ich dich als ein Teil von mir erkenne. Ich tue es selbstlos. Bedingungslos.

Vor allem ist Zärtlichkeit ein sensorischer Reiz. Ein Empfinden kommt zustande. Damit es jedoch authentisch und bedingungslos sein kann, muss diese Zärtlichkeit Gefühle und positive Emotionen erwecken.

Wenn die Zuneigung aufrichtig und bedingungslos ist, wird damit eine angemessene Gegenseitigkeit gebildet. Die beiden Menschen erkennen sich selbst als Teil des anderen. Sie nehmen diese Zärtlichkeiten als eine Art Sprache auf, die ihre Verbindung verstärkt und bekräftigt.

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In jeder Berührung, die ich dir schenke, ist ein Teil von mir

Die Menschen streicheln einander nicht einfach aus Vergnügen, Zuneigung oder zur Beruhigung. Wir streicheln einander, um einen Teil von uns selbst zu übertragen und eine Verbindung aufzubauen.

Sobald eine Zärtlichkeit gegeben wird, ist sie, was sie ist. Die andere Person muss später beurteilen, ob sie echt und authentisch ist oder nicht. Es gibt nämlich auch manche Formen der Zärtlichkeit, die uns Schaden zufügen können: Unaufrichtige oder ironische Zuneigungen können diese Verbindung wieder zerstören.

Eine Streicheleinheit sagt eine Menge über uns aus. Daher müssen wir sie bedacht, ruhig, mit Zärtlichkeit anbieten, um unsere Botschaften, die ohne Worte auskommen, übermitteln zu können.

Zärtlichkeiten als Teil einer gesunden Bindung

Auf unserer Website geht es oft um das Konzept der Bindung. Natürlich wird Bindung oft als „abhängig“ wahrgenommen; von einem humanistischen oder emotionalen Standpunkt aus betrachtet brauchen Menschen jedoch gesunde Bindungen, um eine Beziehung aufzubauen.

Zärtlichkeiten sind Gesten, durch die wir einen oder mehrere Menschen erkennen, verstehen und in unser Sein einbeziehen. Sie werden Teil unseres Herzens und wir brauchen den Kontakt von Haut zu Haut, um unsere Gefühle füreinander zu bestätigen.

Eine Zärtlichkeit ist ein auf die Haut geschriebenes Wort, das wir alle brauchen; denn es gibt keinen besseren Klebstoff für gebrochene Herzen als jede Menge Zuneigung.

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