Die 6 Arten der Trauer um einen Menschen

· 7. Juli 2017

Trauer ist ein Zustand, in dem sich ein Mensch viele Male während seiner Existenz befindet. Sogar schon vor unserer Geburt beginnen wir damit, Verluste zu erfahren. Jeder Verlust beinhaltet Leiden, das verarbeitet und überwunden werden sollte.

Der gemeinsame Nenner all dieser Situationen ist das Leid wegen des implizierten Verlusts. Aber da diese Verluste sehr unterschiedlich sein können, können wir auch verschiedene Arten der Trauer definieren. Wir sprechen von „evolutionärer Trauer“, wenn wir uns auf die Verluste beziehen, die beim Übergang von einem zum nächsten Lebensjahr auftreten. Es gibt auch „soziale Trauer“, wie beispielsweise den Verlust des Jobs, den Eintritt ins Rentenalter, erzwungenes Exil usw.

„Die Menschen, die intensiv lieben, erleiden den größten Schmerz, aber ihr Bedürfnis, zu lieben, hilft ihnen dabei, ihrer Trauer entgegenzuwirken, und heilt sie.“

Leo Tolstoi

Die Trauer, die am schwersten zu bewältigen ist, ist jene, die vom Verlust eines geliebten Menschen verursacht wird, besonders durch dessen Tod. Die Bindung zerbricht, aber alles, was sie ausmachte, bleibt intakt. Die Liebe, auf der die Bindung aufbaute, und die Träume, Fantasien und Hoffnungen, die mit ihr einhergingen, bestehen fort. Deshalb ist das Leiden so intensiv und es bedarf einer Menge Arbeit, es zu überwinden. Bezüglich eines derartigen affektiven Verlustes gibt es verschiedene Trauerformen, die wir im Folgenden beschreiben werden.

Antizipatorische Trauer

Diese findet statt, wenn du dir bewusst wirst, dass dir ein Verlust bevorsteht, dieser aber noch nicht stattgefunden hat. Das passiert beispielsweise, wenn du eine Scheidung erfährst, wenn jemand an einer tödlichen Krankheit leidet oder eine Euthanasie vorgesehen ist.

Der Unterschied zwischen dieser und anderen Arten der Trauer ist, dass die mit ihr verbundenen Gefühle meist sehr viel ambivalenter und instabiler sind. Weil dieser Mensch noch immer da ist, schwankt der Trauernde zwischen Nähe und Distanz. Sie wollen ein letztes Mal die Anwesenheit dieses Menschen spüren. Aber gleichzeitig fürchten sie sich vor der Bindung, die so gestärkt wird.

In diesen Fällen ist es am besten, dem Menschen, der gehen wird, seine Gefühle offen und direkt zu zeigen.

Unterdrückte Trauer

Das ist eine Art von Trauer, in der die betroffene Person ihre Gefühle blockiert. Sie versucht, sich so zu verhalten, als ob nichts passiert sei. Wenn das ursächliche Geschehnis zur Sprache kommt, dann geben sie ihm nicht mehr Wichtigkeit als anderen, alltäglichen Situationen.

Die Person fühlt sich unfähig, ihre Trauer zu konfrontieren. Deshalb konzentriert sich sich auf andere Bereiche ihres Lebens. Das Problem ist, dass die versteckte Sorge immer wieder aufkommt und nicht verarbeitet werden kann. Sie zeigt sich in Form von Gereiztheit, Angst oder einer physischen Krankheit.

Chronische Trauer

Sie tritt auf, wenn es jemand nicht schafft, den Verlust eines geliebten Menschen zu verarbeiten. Er weigert sich, das zu akzeptieren, was passiert ist. Stattdessen scheint er wie besessen davon, die Erinnerung an die abwesende Person am Leben zu erhalten. Schließlich kommt sein eigenes Leben zum Stillstand und er tritt in einen Dauerzustand des Schmerzes ein.

Menschen mit depressiven Tendenzen neigen eher zu dieser Art von Trauer, die auch zu einer Lebensweise werden kann. Sie ist durch Angst, Traurigkeit und Schuld, aber auch ein Gefühl der Ohnmacht und Ernüchterung charakterisiert. Diese Art von Trauer bedarf professioneller Hilfe.

Verspätete Trauer

Sie ist häufig eine Konsequenz der unterdrückten Trauer. Auch wenn die Person zunächst versucht, ihren Schmerz zu ignorieren, tritt er schließlich verstärkt auf. Manchmal können mehrere Jahre vergehen, bevor diese Art der Trauerverarbeitung beginnt.

Es kann auch vorkommen, dass jemand im Moment des Verlustes aufgrund besonderer Umstände keine Trauerverarbeitung erfolgen kann. Zum Beispiel aufgrund einer fordernden Arbeit oder einer bedrückenden familiären Situation. Der Schmerz wird aufgeschoben und wenn er schließlich zutage tritt, geht er mit Komplikationen einher, denn er muss nun allein erfahren werden.

Gehemmte Trauer

Diese wird von Menschen erlebt, die große Schwierigkeiten haben, ihre Gefühle auszudrücken. Im Falle von Kindern zum Beispiel, die oft nicht in Worten ausdrücken können, was eine Situation für sie bedeutet. In vielen Fällen ignorieren Erwachsene ihren Schmerz und helfen dem Nachwuchs nicht, ihn zu überwinden. Erwachsene denken schlichtweg, dass „es die Kinder einfach nicht verstehen“.

Der Trauerprozess ist auch bei Menschen mit einer kognitiven Behinderung gehemmt. Oder in Situationen, in denen Vater und Mutter stark erscheinen wollen, um ihre Kinder nicht noch mehr zu belasten. Oder einfach nur dann, wenn jemand sehr reserviert ist und keine Möglichkeit sieht, über seine Gefühle zu sprechen. In vielen Fällen übersetzt sich die Hemmung in Besessenheit, Depression und Angst.

Unerlaubte Trauer

Bei unerlaubter Trauer weist die Umgebung einer Person den Schmerz zurück, den sie erfährt. Früher oder später versuchen andere, die Trauer zu verwerfen, denn für jemanden, der diesen Schmerz nicht erlebt hat, sollte der Trauernde loslassen und mit seinem Leben weitermachen.

Allerdings gibt es auch Situationen, in denen die Trauer von Beginn an offen unterbunden wird. Zum Beispiel, wenn der Partner in einer außerehelichen Beziehung gestorben ist. Der Liebende „hat kein Recht darauf“, seine Sorgen auszudrücken, da die Welt ja nicht weiß, in welch engem Verhältnis er zum Verstorbenen stand. Manchmal kann dies auch auf den Tod eines Haustiers zutreffen, weil dieses Ereignis großen Schmerz schafft, aber andere diese Art von Leid nicht akzeptieren.