Wenn dich die Angst vor dem Tod nicht leben lässt

· 27. September 2016

Eine unvermeidbare Tatsache ist uns allen klar: wir werden alle irgendwann einmal sterben. Nichtsdestotrotz endet das Nachdenken über das Lebensende für manche in einem Gefühl von wahrem Terror. Oft fühlen sich Menschen, die jemanden um sich haben, der dem Tod nahe ist, sehr ängstlich. Sie können auch eine tiefe Traurigkeit und Schmerz verspüren. Zur gleichen Zeit ist unsere Angst vor dem Tod einer der Hauptgründe, warum Religionen durch die Jahrhunderte hinweg überlebt haben.

Manchmal ist der Tod eine solch harte Realität, dass es viele vorziehen, zu vermeiden, darüber zu sprechen oder Rituale, die mit dem Tod in Verbindung stehen, zu akzeptieren. Aber hat das etwas mit dem Gefühl zu tun, dass unser eigenes Ende naht? Das heißt, steht das mit der Angst, die wir verspüren, wenn wir daran denken, dass auch unser letzter Tag mal kommen wird, in Verbindung? Sehen wir einen Spiegel unserer selbst in jeder sterbenden Person? Der Tod erinnert uns daran, dass wir verwundbar und endlich sind. Er sagt unserem selbst, dass auch es eines Tages verschwinden wird, was immer auch passieren mag.

Nichtsdestotrotz gibt es einige Menschen, die dieses Gefühl so sehr verstärken, dass sie eine authentische Phobie dem Tod gegenüber entwickeln können. Ihre Angst wird zu einer irrationalen Panik. Sie können sogar ganz und gar intolerant den Dingen gegenüber werden, die irgendetwas mit der Welt des Todes zu tun haben.

Eine der Quellen der Verwirrung, die um die Angst vorm Tod existieren, ist, dass der Tod adaptiv ist, denn er macht uns aufmerksamer und hält uns davon ab, uns in gefährliche Situationen zu begeben. Wenn das allerdings zu extrem wird und sich in eine Phobie transformiert, dann kann das wirklich einschränkend werden. Und so entsteht das Paradoxon, dass die Angst vor dem Tod zu dem wird, was uns vom Leben abhält.

Außerdem kann die Angst vor dem Tod mit vielen anderen Ängsten zusammen aufkommen, zum Beispiel: die Angst vor Schmerz, Dunkelheit, dem Unbekannten, Leiden, dem Nichts. Es sind Gefühle, Vorstellungen, Tradition und Geschichten, die von den Eltern an ihre Kinder weitergegeben werden und die uns davon abhalten, das Leben zu genießen.

Auf der anderen Seite ist der Tod eines geliebten Menschen, zusätzlich zu dem, dass er uns an unsere eigene Verwundbarkeit erinnert, von Verlustgefühlen geprägt, die unsere kognitiven Verteidigungsmechanismen beeinträchtigen und uns verwundbarer gegenüber negativen obsessiven Gedanken machen.

Im Hinblick auf den Ursprung dieser Angst denken viele Spezialisten, dass sie existiert, weil uns beigebracht wurde, sie zu haben. Wie? Eine Art, auf die wir lernen, Angst zu haben, ist durch Imitation des Verhaltens von anderen. So nehmen wir beispielsweise an, wenn wir jemanden schnell seine Hand von einem Ort wegziehen sehen, dass dort irgendeine Gefahr lauert, und wir behalten das im Kopf, damit wir unsere Hand nicht an denselben Ort legen. Verallgemeinert, wenn wir sehen, dass jemand etwas fürchtet und wir keine weiteren Informationen darüber haben, dann gehen wir davon aus, dass wir diese Sache auch fürchten sollten.

Wenn die Angst noch nicht zur Phobie geworden ist und nur ein reaktiver, nicht einschränkender Gedanke ist, dann sind einige Strategien, die wir befolgen können, um sie zu kontrollieren, die folgenden:

  • Akzeptiere die Idee. Der Tod existiert und das ist etwas, das du nicht ändern kannst. Aber du kannst verändern, was du bis zu diesem Moment tun wirst.
  • Glaube fest an etwas. Ganz egal, ob es wahr ist oder nicht, der Glaube kann manchmal die große Kraft der Verwandlung haben.
  • Konzentriere deine Aufmerksamkeit auf andere Dinge. Fokussiere dich nicht auf diese Angst oder diesen Gedanken. Das kannst du mental (z.B. zu planen, was du am nächsten Tag tun wirst), oder reell tun (z.B. deinen Partner zu fragen, wie sein Tag so läuft).

Wenn dieser Gedanke ein großes Unwohlsein in dir auslöst, wenn diese Gedanken wieder und wieder auftreten oder die Angst dein Leben einschränkt, dann solltest du einen Spezialisten aufsuchen.