Beziehungen sind ein Spiegel, in dem wir uns selbst erkennen können

· 11. August 2016

Wir sind von der Welt der menschlichen Beziehungen unweigerlich beeinflusst. Diesen Fakt können wir nicht leugnen. Wir können lernen, uns selbst durch die Augen anderer Menschen zu entdecken. Jede Person, die wir auf unserem Lebensweg kennenlernen, kann uns etwas anderes beibringen. In unseren Beziehungen zu ihnen können wir uns selbst erkennen.

Bist du für die Möglichkeit offen, dass dir jeder Mensch etwas Wichtiges für dein Leben bringen kann? Abhängig von unserer Offenheit ist dies mehr oder weniger wahr. Es ist wichtig, zu erkennen, dass jede Person dieses Potenzial in unserem Leben hat, genauso wie wir dieses Potenzial auch in den Leben anderer Menschen haben. Es liegt in der Verantwortlichkeit jeder einzelnen Person, diese Möglichkeit anzuerkennen und diese Gelegenheit zu nutzen.

„Das Treffen zweier Persönlichkeiten ist wie der Kontakt zweier chemischer Substanzen: Wenn es eine Reaktion gibt, werden beide transformiert.“

Carl Gustav Jung

Beziehungen als eine Möglichkeit, etwas zu lernen

Jede Beziehung, die wir führen, kann wichtig sein. Jede Begegnung, die wir mit jemandem haben, kann bewirken, dass wir viele Dinge über uns selbst lernen. Egal ob es nun eine romantische Beziehung, eine familiäre Beziehung, eine freundschaftliche Beziehung, eine zwanglose, geschäftliche oder multiple Beziehung ist, jede Art von Beziehung kann Auswirkungen auf uns haben. 

Jede Beziehung wird zu einer Möglichkeit, zu sehen, wie wir auf andere wirken: Die Art wie wir kommunizieren, wie wir fühlen, was uns traurig macht, welche Gewohnheiten wir mögen, was Wut und Ärger in uns auslöst, etc.

Drei Frauen mit Hund im Wald

Wenn wir uns auf eine andere Person fokussieren und trotzdem darauf achten, wie wir uns fühlen, verlieren wir eine wertvolle Perspektive. Es ist nicht die andere Person, die diese Emotion in mir ausgelöst hat, sondern es bin eher ich, der auf ihre Verhaltensweise reagiert hat. Ich kann mir Gedanken darüber machen und suchen, woher es kommt. Das kann als eine Chance wahrgenommen werden, um zu erkennen, was dies mit meinem Leben zu tun hat.

Wir müssen uns bewusst darüber sein, dass es nicht die andere Person ist, die Wut, Unbehagen oder Traurigkeit in uns auslöst. Ebenso wenig sind andere Personen für mein Glück, Freude oder Enthusiasmus verantwortlich. Das ganze Repertoire an Emotionen, egal ob es angenehme oder unangenehme sind, wird durch unsere Gedanken und unsere Ansichten ausgelöst. Dies sind Antworten, die wir abhängig von unseren Erfahrungen und unseren Überzeugungen äußern.

Die Beziehung als ein Spiegel zu mir selbst

Es gibt viele Gefühle, Wünsche und Absichten, die bewirken, dass wir uns aus einem bestimmten Grund schämen und die wir daher vollkommen von uns weisen. Es gibt Dinge in uns, die wir nicht gewollt sind, zu sehen. Um uns selbst gegen diese zu schützen, benutzen wir die Projektion. Wir projizieren genau das auf andere, was wir in uns selbst nicht sehen möchten. 

„Alles was uns an anderen missfällt, kann uns zu besserer Selbstkenntnis führen.“

Carl Gustav Jung

Wir haben emotionale Reaktionen, die diese Projektion aktivieren. Diese können sowohl positiv als auch negativ sein. Wenn sie positiv sind, projizierst du eine Eigenschaft auf deinen Gegenüber, die du selbst an dir magst, die du als wertvoll erachtest und gut findest und die dir selbst vielleicht gar nicht bewusst ist. Wenn sie negativ ist, projiziert du etwas, das du ablehnst, auf deinen Gegenüber. Das ist ein Teil von dir, den du nicht magst, und du tust alles Erdenkliche, um es in dir selbst nicht zu sehen. Dabei kommt es zu einem inneren Konflikt, der Beziehungen beeinträchtigt.

Das Interessante daran, unsere Projektionen zu erkennen, ist, zu sehen, dass unsere Einstellungen und Wahrnehmungen gegenüber anderen Menschen und der Welt um uns herum im Wesentlichen die abgelehnten Ideen sind, die wir in uns selbst beherbergen.

Frau mit schwarzem Kleid schaut auf eine Maske

Deine Beziehungen sagen viel darüber aus, wer du bist

Dort, wo wir es am wenigsten erwarten, stellt sich heraus, dass jeder Mensch uns große Liebe, wunderbare Gesellschaft und wichtigen Lehren zeigen kann. Wir werden fordernd, weil wir darauf warten, dass dies von außen an uns herangetragen wird, nichtsdestotrotz ist dies eine innere Angelegenheit. Alle wichtigen Dinge für unser Leben treten dann in Erscheinung, wenn wir in einer Position sind, diese aufzunehmen. 

Integrität, Stärke und Stabilität können uns nicht von jeder beliebigen Person gegeben werden, dennoch ist es nicht fair, diese Verantwortung anderen aufzuerlegen.  All dies kommt aus unserem Inneren und wird von den Beziehungen, die wir führen, begünstigt.

„Oft ist es so, dass genau die Menschen, mit denen wir eine Beziehung haben, besser als alle anderen darin sind, uns zu darin zu unterstützen, all unsere Mittel einzusetzen. Wie frustrierend diese auch sind, vielleicht sind sie genau das, was wir brauchen: die Person, ‚die sich am wenigsten dafür eignet‘, ist meistens unser bester Lehrer.“

Elisabeth Kübler-Ross