Es ist schwer für ein Kind, mit dem Schmerz der Mutter zu leben

2. Juni 2017 en Emotionen 0 Geteilt

Mama, ich will dich nicht verlieren. Ich will nicht. Ich weigere mich. Deshalb musst du gut auf dich aufpassen. Ich brauche es, dass du weiterkämpfst, dass du nicht aufgibst. Verliere dein Lächeln nicht, rede jeden Tag zärtlich mit mir, behalte dein Strahlen, beschütze deine Essenz.

Deshalb bitte ich dich darum, niemals aufzugeben, Mama. Auch wenn du dich tausend Kämpfen stellen musst. Du kannst auf meine Unterstützung zählen, auf einen Speer, der aus der tiefsten und ewigen Liebe geformt ist. Eine Liebe, um die ich mich kümmern kann und die ich dir mein Leben lang geben werde.

Zusammen werden wir vorankommen und alle Hindernisse überwinden, die sich auf dem Weg des Lebens zwischen uns stellen werden. Deshalb bitte ich dich darum, mich nie zu verlassen, stark zu sein. Ich verspreche dir, dass ich immer an deiner Seite sein werde, solange unsere Reise auf der Welt andauern wird.

Ich bin mir bewusst, dass es aufgrund der Regeln des Lebens sein kann, dass ich ohne dich leben muss. Ich versichere dir allerdings, dass du immer – immer! – ein Teil von mir sein wirst. Denn meine Reise durch dieses Leben könnte nicht stattfinden, wenn du nicht wärst. Aber das lindert meine Ängste nicht…

„Die schlechteste Eigenschaft der Mütter ist, dass sie sterben, bevor man es schafft ihnen einen Teil dessen zurückzugeben, was sie für uns getan haben.
Sie lassen einen hilfsbedürftig, schuldig und unwiederbringlich als Waise zurück.
Zum Glück gibt es nur eine. Denn niemand könnte den Schmerz ertragen, sie zweimal zu verlieren.“

Isabel Allende

Mit dem Schmerz einer Mutter leben – ein schwerer Prozess für ein Kind

Unser inneres Kind fürchtet sich nicht vor Monstern oder der Dunkelheit und auch nicht vor Fremden oder dem Chaos. Wovor sich unser inneres Kind fürchtet, ist, seine Bezugspersonen zu verlieren. Wir haben Angst davor, dass wir uns nicht an ihren Geruch erinnern werden, dass unsere Augen ihre Haare nicht mehr sehen und unser Herz ihre Wärme nicht mehr spüren kann.

Im Laufe ihres Lebens nimmt eine Frau viele Rollen an: Tochter, Freundin, Partnerin, Ehefrau, Vertraute… Diese Rollen voneinander zu trennen ist sehr kompliziert, wenn wir daran denken, dass wir in einer Gesellschaft leben, in der Frauen Pflichten haben, einfach nur deshalb, weil sie Frauen sind. Zu den genannten Rollen fügen wir die Rolle der Mutter hinzu. So erhalten wir einen sehr explosiven Cocktail, der zu starkem Leid führen kann.

Der Schmerz, durch den wir unsere Mütter gehen sehen, zerstört etwas in uns Kindern. Wir sehen unsere Mütter als Krieger, deren Kräfte schwinden. Aufgrund dessen ist es unvermeidlich, dass wir an einem gewissen Punkt unseren Rolle tauschen und „die Mutter unserer Mutter“ werden. Wir nehmen diese Rolle an, um sie zu beschützen und von ihrem Leid zu befreien. Von Kindern müssen wir also zu Beschützern werden. Und dann nehmen wir die intensive Kraft, die in der weiblichen Welt, in der mütterlichen Welt, existiert, wahr.

Jeder, der schon einmal in so einer Situation war, weiß, dass diese nicht leicht zu meistern ist. Aber zweifellos machen wir so einen Schritt nach vorn auf dem Weg zu emotionalem Wachstum und Entwicklung. Die emotionale Verpflichtung, unsere Mutter zu beschützen, wenn wir spüren, dass sie verletzlich ist, gibt uns ein Bewusstsein. Eine Art von Bewusstsein, das sehr mächtig ist. Gleichzeitig macht zerstört es aber unser inneres Gleichgewicht, zumindest für einen Moment.

Denn wir sind nie auf den Verlust unserer Mutter vorbereitet. Als Folge dessen entdecken wir eine große Kraft in uns, die es uns ermöglicht, einen Schritt weiterzugehen. Wir werden zu einem Engel, der die Wunden der Mutter heilt. Dann passiert etwas Wundervolles in unserem Inneren. Denn der warme Blick unseres inneren Kindes lernt mit dem Bewusstsein eines Erwachsenen zu leben. Und das ist zweifellos ein Schritt mehr in Richtung Reife.

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