Reife heißt, über etwas zu lachen, was dich vorher zum Weinen gebracht hat

1. November 2016 en Emotionen 3 Geteilt

Den Blick in die Vergangenheit zu schwenken ist keine leichte Aufgabe, wenn du es nicht geschafft hast, über diese mit der entsprechenden Entschlossenheit hinwegzukommen. Du wirst erst dann sicher sein, es geschafft zu haben, wenn du dich selbst dabei beobachten kannst, wie du über etwas lachen kannst, was dich einst fast erdrückt hat. Dieses Gefühl der Entschlossenheit, das du fühlst, wenn du aus einer komplizierten Situation entkommen bist und sie auf andere Weise betrachten kannst, nennt man Reife.

Wenn du durch schwierige Zeiten gehst, kann es sein, dass dich die Dunkelheit daran hindert, den Ausgang zu finden und dich in diese Richtung zu bewegen. Vielleicht möchtest du dann lieber stehen bleiben und deinen Ängsten nichts entgegensetzen, vielleicht möchtest du dich nicht diesen Geistern stellen, die in deiner Vorstellung existieren und die du als große Bedrohung empfindest.

Wenn du dich noch an andere Situationen erinnerst, in denen du dich so gefühlt hast, auch wenn die Umstände vielleicht nicht dieselben waren – sie sind es nie, denn wir überqueren nie zweimal denselben Fluss – wirst du verstehen, dass die Schwierigkeiten, die jetzt riesig erscheinen, auch Sollbruchstellen aufweisen. In dem Moment, in dem du diese entdeckst, wirst du zurücksehen können und fühlen, wie du mit Stolz über die eigene Erfahrung, die eigenen Ängste, lächeln kannst.

Vielleicht ist dir beim Lesen der Gedanke daran gekommen, dass man „nicht mit den Jahren, sondern mit den Rückschlägen reift“. Dem kann man zu einem gewissen Teil durchaus zustimmen: Auf einmal brennen diese Wunden, die zu Narben geworden sind, nicht mehr und sind der greifbare Beweis dafür, dass du gewachsen bist und dass sie dir etwas gelehrt haben.

„Es gibt keinen anderen Weg zur Weisheit als Schicksalschläge ertragen zu lernen.“
William Shakespeare

Über das lachen, was uns verletzt hat

Die Schicksalsschläge sind für immer ein Teil von dir geworden und je nach ihrer Härte erfordern sie von dir mehr oder weniger großen Widerstand: Sie werden dich überallhin begleiten, egal wohin du gehen willst, du kannst vor ihnen nicht fliehen und sie brennen sich in das Buch ein, von dem es heißt, dass es dein Leben ist. Sie machen dabei keine Ausnahmen, aber du kannst erreichen, dass sie zu bereits umgeblätterten Seiten werden: Eine von denen, die du schon gelesen hast und die du nur dann noch einmal liest, wenn du es selbst so willst.
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Doch du hast nicht nur den Vorteil, entscheiden zu können, ob du sie noch einmal lesen willst oder nicht: Am wichtigsten von allem ist, dass in deinen Händen die Macht liegt, sich an sie auf die richtige Weise zu erinnern, mit der Haltung, die sie deiner Meinung nach verdient haben.

Deshalb sage ich dir, dass Reife heißt, über das zu lachen, was dich einst verletzt hat, und auch, über dich zu lernen und dir sicher zu sein, wer du jetzt bist. Du hast deinen Wendepunkt gefunden, als du völlig verloren warst und dies ist Grund genug zum Lächeln: Du hast dich von einer Vergangenheit befreit, die dich gefesselt hat, und jetzt weißt du schon, wie du neue Knoten lösen kannst, wenn sie dir begegnen.

Fehler, die zu Steinen auf dem Weg werden

Die schwersten Schläge in unserem Leben erteilen uns diese Schlaglöcher, die Ergebnis unserer Verirrungen sind, die wiederum aus unseren Entscheidungen hervorgehen: Es gibt Situationen, in denen wir uns zwischen mehreren Optionen entscheiden müssen, die uns wichtig sind, was uns in eine Zwickmühle bringt. Jede der Optionen wird uns auf einen anderen Weg führen, und es ist möglich, dass es der schwierigere sein wird.

Persönliche Fehler werden zu kleinen Steinen mit Bedeutungen, die du besser verstehen solltest, damit sie auf zukünftigen Wegen nicht noch einmal auftauchen. Die Steine bringen dich immer wieder zum Straucheln, und zwingen dich dazu, dich selbst aufzurichten, um weiterzumachen: Dies setzt eine große Anstrengung voraus, die dich prägen wird.

„Reife zeigt sich nicht dadurch, dass man richtige Entscheidungen trifft, sondern darin, mit den bereits getroffenen zu leben, auch dann, wenn sie nicht richtig waren.“

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Reife ist auch, die Irrungen als Gelegenheiten zum Lernen und als Werkzeuge zu sehen, mit denen man seine Entwicklung vorantreiben kann. Gewiss tut scheitern weh, manchmal sogar sehr, aber es ist viel schlimmer, wenn es dich schmerzt, etwas nicht versucht zu haben. Versuchen, scheitern und es wieder versuchen sind Streckenabschnitte des Weges zur Selbstkenntnis.

Reife heißt, sich von dem zu befreien, das dich zum Weinen gebracht hat

Auch wenn es durchaus sein kann, dass das, was dich zum Weinen gebracht hat, eine Folge deiner eigenen Handlungen gewesen ist, kann es genauso sein, dass dem nicht so ist und der Schaden von etwas Außenstehendem herrührt. Vielleicht hast du dich innerhalb einer toxischen Beziehung befunden, aus der du nur schwer herausgefunden hast und die dich emotional destabilisiert hat.

Oder es fällt dir gerade schwer, die Fäden zu durchtrennen, die dich mit Personen verbinden, die du lieb gehabt hast und die dir das Beste von sich selbst geschenkt haben: In jedem Fall musst du den Abschied akzeptieren und aufhören, etwas herbeizusehnen, was war und nicht mehr ist.

Elvira Sastre sagt, dass ein Leben ohne Mut ein unendlicher Weg rückwärts ist: Reife hat viel damit zu tun, bei jedem seiner Schritte mutig zu sein, insbesondere bei diesen, ganz besonders schweren, damit einem nie die nötige Kraft fehlt, sich dem Gegenwind zu stellen. So wird es nur Wege in eine Richtung zusammen mit Erinnerungen geben, die als leichtes Gepäck aus deiner Essenz heraus langsam angewachsen sind.

„Wenn du deine Schwierigkeiten Erfahrungen nennst und dich erinnerst, dass jede Erfahrung dir zu größerer Reife verholfen hat, dann wirst du robust und glücklich wachsen, egal wie widrig die Umstände dir auch erscheinen mögen.“

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