Angst lässt uns schlechte Entscheidungen treffen

11. Januar 2016 en Psychologie 3 Geteilt

Jeden Tag sehen wir uns verpflichtet, viele Entscheidungen zu treffen, einige wichtiger als andere, aber alle sind letztendlich Entscheidungen. Ob bedeutend oder nicht, eine schlechte Entscheidung kann zu unangenehmen und schweren Konsequenzen führen.

Deshalb sind wir nach der Entscheidungsfindung abhängig von ihren Folgen. Dies erlaubt uns, aus den Fehlern zu lernen und das Gelernte bei der nächsten Gelegenheit, die uns eine ähnliche Situation bietet, anzuwenden.

Aber was passiert, wenn wir Entscheidungen fällen, während wir unter großer Angst leiden? Wie beeinflusst diese Angst unsere Erwartung der Ergebnisse? Mehr noch: Warum neigen wir dazu, eine der schlechtesten Optionen zu wählen, wenn wir unter Angst entscheiden?

Eine in der Zeitschrift Nature Neuroscience  publizierte Studie, die von einem Forschungsteam der Universitäten Berkeley (Kalifornien, USA) und Oxford (England, Vereinigtes Königreich) durchgeführt wurde, versuchte diese Frage zu klären. Die Studie lässt darauf schließen, dass ein hohes Angst-Level in den Prozess der Entscheidungsfindung eingreift.

Angst und Stress haben eine Reihe von unerwünschten Wirkungen, welche die Ausführung verschiedenster Arten von Aufgaben beeinflussen. Sie können sogar dafür sorgen, dass unsere täglichen Aufgaben eine wahre Herausforderung für uns sind. Dies schließt die Aufgabe der Entscheidungfindung in einem Umfeld der Unsicherheit mit ein.

Menschen, die hohe Dosen an Angst und Stress erfahren, neigen dazu, sich auf das Negative zu fixieren oder sich sogar alles als katastrophal vorzustellen oder aus kleinen Problemen riesige Bedrohungen zu machen.

Ein Teil dieser Tendenz ist dem oben erwähnten Forscherteam zufolge, dass Menschen mit hoher Angst größere Schwierigkeiten dabei haben, die Zeichen der Umwelt zu lesen und zu deuten, welche helfen können, negative Ergebnisse zu verhindern.

Wie reagieren Menschen mit Angst gegenüber der Unsicherheit?

In der bereits genannten Studie arbeiteten die Wissenschaftler mit 31 Teilnehmern, die verschiedene Stadien der Angst vorwiesen (von niedrigen bis zu hohen Graden). Dafür verwendeten die Forscher Aufgaben zur Entscheidungsfindung, physiologische und Verhaltens-Untersuchungen sowie Berechnungsmodelle, um die Fähigkeit, Entscheidungen zu treffen, zu messen.

Diese Aufgaben fordern die Nutzung der Logik und der Wahrscheinlichkeit, um die unsicheren Situationen zu bewältigen und um Schlussfolgerungen aus den vergangenen Ereignissen zu ziehen, um damit die beste Option festzulegen.

„Eine wichtige Fähigkeit beim Treffen von alltäglichen Entscheidungen ist die Fähigkeit, zu beurteilen, ob ein unerwartetes schlechtes Ergebnis etwas Zufälliges ist oder etwas Wahrscheinliches, dass wieder eintreten wird, wenn die Entscheidung wiederholt wird“,  sagte Sobia Bishop, Leiterin der Untersuchung.

Die Mittel der Forscher beinhalteten ebenfalls eine Überwachung der Augen, um eine Erweiterung der Pupille zu entdecken – ein Zeichen dafür, dass das Gehirn Norepinephrin ausschüttet, welches hilft, Signale in diverse Hirnregionen zu senden, um die Aufmerksamkeit und Handlungsbereitschaft zu erhöhen.

Die Teilnehmer der Studien wurden gebeten, an einem Computerspiel teilzunehmen, in dem sie wiederholt zwischen zwei Formen auswählen, von denen eine, wenn sie gewählt wurde, einen leichten Stromschlag auslöste.

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Um den Überraschungseffekt zu vermeiden, erhielten die Teilnehmer regelmäßig kleinere Stromschläge, mal mit geringerer, mal mit höherer Häufigkeit. Die besonders ängstlichen Menschen hatten mehr Probleme als die weniger ängstlichen, sich daran anzupassen und damit die Schläge zu vermeiden.

Bei den sehr ängstlichen Menschen war außerdem die Pupillenreaktion beim Erhalten des Stromschlags (oder eben nicht) schwächer. Generell erweitern sich die Pupillen, wenn wir neue Informationen erhalten und wenn wir uns in besonders wechselhaften Umgebungen befinden.

Deshalb bedeutet laut den Forschern die Verengung der Pupillen ein Scheitern im Verarbeiten der Information, die sich mit hoher Geschwindigkeit verändert.

„Unsere Entdeckungen helfen, zu erklären, warum ängstliche Personen Schwierigkeiten haben können, bei Unsicherheit Entscheidungen zu fällen und den rechten Weg wiederzufinden, wenn sie sich in einer instabilen Situation befinden“,  sagte Bishop.

Stabile Situationen vs. instabile Situationen

Die Forscher nehmen an, dass dies eine Verbindung von Angst und geringer Fähigkeit zur Entscheidungsfindung in diesen Situationen bedeutet.

Wenn wir uns im echten Leben mit  Entscheidungen konfrontieren, ist es wichtig, festzustellen, ob die Situationen oder die involvierten Beziehungen stabil oder flüchtig sind, um dann zu entscheiden, wie wir anhand dieser Informationen reagieren.

In der Mehrheit der Fälle sind die Menschen sehr gut darin. Aber die Personen mit einer Neigung zu hoher Angst haben Schwierigkeiten, die Zeichen der Umwelt zu lesen, die ihnen helfen könnten, ein schlechtes Ergebnis zu vermeiden.

Die Ergebnisse der Studie weisen auf ein Scheitern des Gehirns beim Treffen von Entscheidungen hin, das eventuell Ziel einer Behandlung der Angststörungen sein kann.

„Unsere Ergebnisse zeigen, dass die Angst gekoppelt sein kann an die Schwierigkeit im Umgang mit Informationen darüber, ob die Situationen, denen wir täglich begegnen, einschließlich der Beziehungsdynamik, stabil sind oder nicht“,  so Bishop. „Diese Schwierigkeit im Umgang mit der Information über die Stabilität der Handlungsmöglichkeiten, um einzuschätzen, ob man richtig entscheidet oder ob man eine Handlung wiederholt, die bereits zu einem unerwarteten negativen Ergebnis geführt hat, kann bei Menschen mit hoher Angst zum Fällen von schlechten Entscheidungen führen.“

Bildmaterial mit freundlicher Genehmigung von Fotovika

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