9 spirituell übermittelte Krankheiten

· 18. Januar 2017

Falsches Gold existiert, weil es echtes Gold gibt. Dieser Grundsatz ist der richtige Ansatz, um die Thematik zu erklären, die wir in diesem Artikel behandeln: das der spirituell übermittelten Krankheiten.

Falsche Gurus und „Lebensmeister“ spielen anderen für gewöhnlich vor, dass sie übermächtig und extrem opportunistisch seien. Die Erleuchtung wird für all diejenigen Seelen zu einer regelrechten Sucht, die glauben, sich verirrt zu haben, und die Tag ein Tag aus mit der Suche verbringen, jemanden zu finden, der ihnen die Erleuchtung bringt.

Wenn wir uns verloren fühlen, werden wir zu „Kanonenfutter“, zu einem sehr appetitlichen Mahl für die Aasgeier, denen wir auf unserem Weg hin zur Erleuchtung begegnen. Es handelt sich dabei um Marketinggeier und um Menschen, die um einen Platz auf dem Podium kämpfen, der mit Scheinheiligkeit und Heuchelei gekrönt wird.

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Beispielsweise schlagen uns viele dieser falschen Gurus vor – ohne das Prinzip wirklich verstanden zu haben – dass uns die eigene Meinung und die Meditation den Weg ebnen, um uns von all dem Schädlichen zu befreien, das uns dazu zwingt, uns Fragen zu stellen. Gerade so, als würden wir bestraft werden, wenn wir etwas hinterfragen. Sie zwingen uns dazu, einen direkten Weg zu gehen, den, den sie uns aufgezeigt haben. Sie meinen, es gebe nur einen richtigen Weg, einen für alle, und wie sollte es auch anders sein, alle sollen diesem einen Weg folgen.

Es gibt Menschen (und Konzepte), die sehr empfänglich für die Spiritualität sind, aber da das Konzept der Spiritualität als „goldene Eier legende Henne“ vermarktet wurde, sind wir umgeben von falschen spirituellen Meistern, die uns wahrhaft schaden können. Ein extremes Beispiel hierfür sind Sekten, in denen viel Geld dafür gezahlt wird, sich abhängig zu machen.

Doch es gibt auch kritische Menschen, die wissen, dass all diese falschen Gurus, Lebensmeister und Spezialisten auf dem Gebiet, den Verstand zu beherrschen, auf Treibsand stehen. Die Doktorin der Philosophie, Schriftstellerin und Anthropologin Mariana Caplan hat ihr Leben der kritischen Hinterfragung der Spiritualität gewidmet.

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9 spirituell übermittelte Krankheiten, die ansteckend sind

Mariana Caplan veranschaulicht uns sehr genau, wie das Konzept der Spiritualität verdreht wird und wie dieser Trend zu Marketingzwecken gebraucht wird. Sie spricht davon, dass es 9 spirituell übermittelte Krankheiten gebe.

1. Die Fast-Food-Spiritualität

Wenn wir die Spiritualität mit einer Kultur vereinen, die von Schnelllebigkeit, Multitasking und schnellen Ergebnissen lebt, dann ist das Ergebnis daraus höchstwahrscheinlich die Fast-Food-Spiritualität. Mit den Worten von Caplan sei diese „ein gemeinschaftliches und begreifliches Fantasieprodukt, bei dem wir denken, dass die Befreiung vom Leid unserer menschlichen Umstände schnell und leicht sein kann.“  Aber den Weg der Spiritualität, oder besser gesagt, die spirituelle Transformation, können wir eben nicht als schnelle Lösung heranziehen.

2. Die Spiritualität der Nachahmung

Viele glauben, dass auf eine gelassene Art und Weise zu sprechen, auf eine bestimmte Weise zu handeln, eine bestimmte Art von Kleidung – meist farbige Kleidung – zu tragen notwendig wären, wenn wir uns als „spirituelle Menschen“ betrachten wollen. Doch das stimmt keinesfalls. Diese Krankheit der „spirituellen Nachahmung“ charakterisiert sich dadurch, dass wir versuchen, die Vorstellung dessen, was wir als Spiritualität erachten, zu imitieren, so wie ein Stoff mit Leopardenmuster versucht, das Fell eines Leoparden nachzuahmen.

3. Die verwirrende Motivation

Das Bedürfnis danach, unsere emotionale Leere zu füllen, der Glaube, dass der spirituelle Weg uns von dem Leid des Lebens befreit und der Wunsch danach, besonders und „magisch“ zu sein, führt dazu, dass wir diese Sehnsüchte mit dem echten und reinen Wunsch danach, zu wachsen, verwechseln.

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4. Die Identifikation mit spirituellen Erfahrungen

Caplan beschreibt das folgendermaßen: „Bei dieser Krankheit identifiziert sich das Ego mit unseren spirituellen Erfahrungen und sieht sie als eigene an. Wir beginnen zu glauben, dass Vorstellungen zu unseren eigenen werden, die uns in bestimmten Momenten einmal vermittelt wurden.“  Meist ist das keine sehr langwierige Krankheit, obwohl es bei Menschen, die sich „erleuchtet“ fühlen oder die sich als „spirituelle Lebensmeister“ aufführen, durchaus so sein kann.

5.  Das spirituelle Ego

Caplan geht davon aus, dass diese Krankheit entstehe, „wenn die eigene, egoistische Persönlichkeitsstruktur spirituelle Konzepte und Vorstellungen verinnerlicht. Das Ergebnis ist eine Struktur des Egos, die unerschütterlich ist.“  Wir nehmen dann keine Hilfe mehr an, lassen keinen Raum mehr für scheinbar entgegengesetzte Informationen und konstruktive Vorschläge. Wir werden unzugänglich und hindern uns selbst am Wachsen, auch wenn wir natürlich die Spiritualität als oberstes Gebot behalten.

6. Die Massenproduktion von spirituellen Lehrern

Es gibt eine Vielzahl an spirituellen Traditionen (z.B. im Buddhismus), die heutzutage Mode sind. Das Ergebnis der Vermarktung der Spiritualität ist eine Vermarktung von Verkörperungen und Spezialisten, die als Menschen der großen spirituellen Erleuchtung gelten, obwohl das nicht der Wahrheit entspricht. Mit den Worten von Mariana Caplan „funktioniert diese Krankheit wie ein spirituelles Förderband: Umgib dich mit diesem Schein, nimm den Glauben an und – bam! – erreichst du die Erleuchtung und gleichzeitig die Fähigkeit, auch andere auf eine ähnliche Weise zu erleuchten. Das Problem ist nicht, dass diese Lehrer behaupten, zu wissen, wie man die Erleuchtung erlangt, sondern dass sie so tun, als hätten sie die Meisterprüfung der Spiritualität bestanden.“

7. Der spirituelle Stolz

Wenn der Lehrling, dank jahrelanger Bemühungen, eine gewisse Weisheit erreicht hat, kann er diesen Erfolg dafür nutzen, sich anderen Erfahrungen zu verschließen. Es ist gut möglich, dass er sich „spirituell überlegen“ fühlt und etwas Subtiles vermittelt, das besagt: „Ich bin besser als andere, und vor allen Dingen weiser, weil ich spirituell bin.“

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8. Der Gruppensinn

Der Gruppensinn ist ein gemeines Virus, das viele Aspekte der traditionellen Co-Abhängigkeit beinhaltet. Loyalität und subtile und unbewusste Abmachungen hinsichtlich der Art, zu handeln und zu denken, zu sprechen und sich zu kleiden, können zur Folge haben, andere Erfahrungen, Denkweisen oder Menschen zurückzuweisen.

9. Das tödliche Virus

„Ich bin am Ende meines spirituellen Weges angekommen.“  Diese Krankheit kann tödlich für unser spirituelles Wachstum sein. Caplan beschreibt das wie folgt: „Unsere spirituelle Reise endet an dem Punkt, an dem sich diese Vorstellung in unserem Verstand konkretisiert, denn in dem Moment, in dem wir beginnen, zu glauben, dass wir am Ende des Weges angekommen sind, hemmen wir unser Wachstum.“

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