Leon Festinger’s Experiment zur kognitiven Dissonanz

5. November 2019
Leon Festinger testete den Entscheidungsfindungsprozess durch ein Experiment. Im folgenden Artikel möchten wir dir alles darüber erzählen.

1957 führte Leon Festinger das Konzept der kognitiven Dissonanz als psychologische Spannung ein. Er testete den Entscheidungsfindungsprozess in einem Experiment zur kognitiven Dissonanz.

Die kognitive Dissonanz ist eine Sensation, die sich aus einem Konflikt zwischen den Ideen, Überzeugungen und Werten eines bestimmten Subjekts und dessen Verhalten zu ergeben scheint. Die kognitive Dissonanz entsteht durch die Unvereinbarkeit von Gedanken, die bei Menschen zu einem Zustand erheblichen Unbehagens führen.

Laut Festinger zwingt diese Spannung das Subjekt dazu, neue Ideen oder Fähigkeiten zu entwickeln, um Spannungen abzubauen. Sie ergänzen häufig das Glaubenssystem eines Subjekts. Diese Theorie hat mit Entscheidungsfindung zu tun. Wann immer wir uns entscheiden, etwas zu tun, das unseren Überzeugungen widerspricht, wenden wir verschiedene Strategien an, um diese Spannungen abzubauen.

„Wenn es Dissonanzen gibt, wird eine Person Situationen und Informationen aktiv meiden, die diese Dissonanzen wahrscheinlich verstärken würden, um zu versuchen, sie zu reduzieren.“

-Leon Festinger-

Leon Festinger, der Schöpfer eines revolutionären Experiments

Das Experiment zur kognitiven Dissonanz, dass von Leon Festinger und seinem Kollegen Merrill Carlsmith entworfen wurde, wurde mit Studenten durchgeführt

Festinger war ein amerikanischer Sozialpsychologe, der 1919 in New York geboren wurde. Seine Theorie der kognitiven Dissonanz ist besonders relevant für die Sozialpsychologie, insbesondere in den Bereichen Motivation und Gruppendynamik.

Die Theorie basiert auf der Tatsache, dass die Menschen sich ihrer Handlungen bewusst sind und dass wir die erzeugte Dissonanz lindern müssen, wenn wir etwas tun, mit dem wir nicht einverstanden sind.

Leon Festinger’s Experiment zur kognitiven Dissonanz

Das Experiment zur kognitiven Dissonanz, dass 1957 von Leon Festinger und seinem Kollegen Merrill Carlsmith entworfen wurde, wurde mit Studenten durchgeführt. Es bestand aus den folgenden Schritten:

  • Zunächst wurden den Studenten langweilige Aufgaben zugewiesen. Diese Aufgaben wiederholten sich und waren uninteressant. Ziel des Experiments war es jedoch nicht, die Ausführung solcher Aufgaben zu bewerten.
  • Als Nächstes baten sie den Studenten, den nächsten Teilnehmer davon zu überzeugen, dass das Experiment Spaß machte, sobald sie den Raum verließen. Kurz gesagt, sie baten den Probanden zu lügen.
  • Natürlich gab es eine Belohnung für die Lüge. Die Forscher boten der Hälfte der Studenten 20 USD an. Sie boten der anderen Hälfte der Studenten nur einen Dollar an.
  • Im nächsten Schritt erklärte das Subjekt, das darauf wartete, den Raum zu betreten (in Zusammenarbeit mit den Forschern), dass ein Freund von ihm das Experiment in der vergangenen Woche durchgeführt habe und dass es langweilig sei.
  • So logen die Probanden, während die Forscher sie beobachteten. Sie bemerkten, wie gerechtfertigt das Lügen war.

Dies ist darauf zurückzuführen, dass bei den Schülern, die sich bereit erklärten, gegen einen Dollar zu lügen, kognitive Dissonanzen auftraten. Sie mussten sich selbst davon überzeugen, dass dieses Experiment Spaß machte, um den inneren Konflikt zu lösen, den es verursachte.

Warum? Weil die Belohnung nicht gut genug war, um sich beim Lügen wohl zu fühlen. Als sie ihre Handlungen begründeten, waren sie viel angespannter als die Gruppe, die 20 Dollar erhielt. Die Studenten, die mehr Geld erhielten, waren viel natürlicher und unbekümmerter.

Der Konflikt der Lüge

Das Experiment zur kognitiven Dissonanz lässt mehrere Schlussfolgerungen zu. Vor allem die Gruppe der Probanden, die eine Belohnung von 20 Dollar erhielt, wusste ganz genau, dass das Experiment langweilig war. Diese Gruppe könnte es daher also rechtfertigen, etwas anderes zu sagen. Bei der Gruppe, die nur einen Dollar erhielt, war dies jedoch nicht der Fall. Hier konnte man sehen, wie die Probanden sich davon zu überzeugen versuchten, die Anspannung einer unzureichenden Belohnung abbauen zu können.

Schlussfolgerung  von Leon Festinger’s Experiment zur kognitiven Dissonanz

In einer abschließenden Phase fragte der leitende Wissenschaftler die Teilnehmer, ob sie wirklich dachten, dass die Aufgaben Spaß machten. In der 20-Dollar-Gruppe äußerten die Probanden aufrichtig, dass das Experiment keinen Spaß gemacht hatte. Paradoxerweise bestätigte die Gruppe, die von der Widersprüchlichkeit der Belohnung überzeugt war, die Lüge und viele sagten, sie wären bereit, es erneut zu tun.

Experiment zur kognitiven Dissonanz: die Ergebnisse

  • Vermeidung. Die Subjekte neigen dazu, jegliche Anregungen zu vermeiden, die dazu führen könnten, dass sie in den Zustand der ursprünglichen Dissonanz zurückkehren. Sie meiden Situationen, Menschen, Ideen und Orte, an denen sie sich dem Konflikt erneut stellen könnten.
  • Suche nach Zustimmung. Infolge der eingesetzten Strategien sucht das Subjekt auch die Zustimmung Dritter in Bezug auf die Geschichte und den Gründen, die sie dazu geführt haben, weil sie ihr Verhalten rechtfertigen müssen.
  • Vergleich. Diejenigen, die unter Dissonanzen leiden, neigen dazu, sich mit anderen Menschen zu vergleichen, um ihre Handlungen zu rechtfertigen.

„Ein Gläubiger muss soziale Unterstützung von anderen Gläubigen haben.“

-Leon Festinger-

Kognitive Dissonanz heute

Kognitive Dissonanz konfrontiert uns mit unseren Werten und bringt uns dazu, uns und unsere Handlungsweise auf den neuesten Stand zu bringen

Es ist bereits 60 Jahre her, seit Leon Festinger’s Experiment zur kognitiven Dissonanz durchgeführt wurde und das Thema wirft immer wieder Fragen und Debatten auf. Einige schlagen dies beispielsweise als Rechtfertigung für Abwehrmechanismen vor, die sich in verschiedenen psychischen Zuständen manifestieren.

Im Gegenzug wird es auch bei der psychosozialen Analyse von Kriminellen und Personen verwendet, die ihre Handlungen rechtfertigen, indem sie sich innerhalb einer Gruppe oder hinter  der Aussage „Wir haben Befehle erhalten“ verstecken.

Die Kraft der Überzeugung und die Befreiung von Schuld

Leon Festinger’s Experiment zur kognitiven Dissonanz hinterfragt auch die Tendenz des Menschen, psychische und mentale Erleichterung zu finden. Der Kontrast zwischen sozialen Normen und täglichen Entscheidungen lässt uns diesen unangenehmen Zustand häufiger durchleben, als wir dies eigentlich möchten. Das Problem entsteht, wenn wir aufgrund des Wunsches, die Spannung loszuwerden, schlecht angepasste Verhaltensweisen annehmen.

Das Wissen über kognitive Dissonanzen kann dir außerdem dabei helfen, diese zu identifizieren, wenn du davon betroffen bist. Es kann dir auch dabei helfen, den Einfluss einzuschätzen, den die Informationen, die du von deiner Referenzgruppe erhältst, auf dich hat. Außerdem kannst du beobachten, wie die Normen, die sich daraus ergeben, deine Art zu handeln, zu denken oder zu fühlen, beeinflussen.

Beachte schließlich, dass kognitive Dissonanz dich mit deinen Werten konfrontiert und dich dazu bringt, dich und deine Handlungsweise auf den neuesten Stand zu bringen.

  • Tavris, C. y Aronson, E. (2007). Mistakes Were Made (But Not by Me): Why We Justify Foolish Beliefs, Bad Decisions, and Hurtful Acts. Harcourt Books.