5 fatalistische Überzeugungen, die uns lähmen

3. Mai 2019

Viele Menschen sind sich ihrer tief verwurzelten fatalistischen Überzeugungen gar nicht bewusst. Diese Überzeugungen dringen irgendwann in ihr Bewusstsein ein, setzen sich dort fest und wirken sich auf ihre Handlungen aus. Fatalistische Menschen glauben, dass ihre Weltsicht normal wäre, und deshalb hinterfragen sie ihre Ideen auch nur selten. Würden sie sich aber näher mit diesen Überzeugungen auseinandersetzen, würden sie feststellen, dass sie unrealistisch und unbegründet sind.

Das größte Problem an fatalistischen Überzeugungen ist, dass sie unseren Horizont erheblich einschränken. Es sind falsche Vorstellungen, die als Wahrheiten und logische Schlussfolgerungen getarnt sind, damit wir uns hinsichtlich der Realität täuschen können. Und sie schwächen unseren Willen zur Veränderung.

Nach und nach verankern sich diese falschen Überzeugungen in unserem kollektiven Unbewussten. So hält auch die Gesellschaft an diesen falschen Überzeugungen fest, weil sie einige der Herausforderungen des Lebens zu erklären scheinen. Werfen wir einen Blick auf die fünf häufigsten fatalistischen Überzeugungen.

„Sagen wir nicht: ‚Karma, Karma. Mein Karma hat dazu geführt.‘ Bemühen. Bemühen. Handeln wir bewusst und mit Absicht. Suchen wir nach Entbehrungen. Konzentrieren. Reinigen. Meditieren. Seien wir kein Fatalist. Seien wir nicht träge. Blöken wir nicht wie ein Lamm. Brüllen wir wie ein Löwe des Vedanta!“

Sri Swami Sivananda

1. Wir müssten diejenigen beschuldigen und bestrafen, die uns verletzt haben

Dies ist eine fatalistische Überzeugung, die uns in unseren Beziehungen kindisch wirken lässt. Denn sie lässt uns annehmen, dass wir in vielen Situationen nur passive Opfer der Handlungen unserer Mitmenschen seien. Schließlich ist es viel leichter, das Opfers zu spielen, als die Übernahme von Verantwortung anzugehen.

Paar im Streit

In diesem Zusammenhang enden viele Konflikte mit einer Eskalation der Gewalt. Dann schaden sich die Parteien gegenseitig. Es ist auch üblich, dass sich eine oder alle am Konflikt beteiligten Parteien mehr mit dem „Gewinnen“ des Konflikts oder dem Opferspiel befassen, als eine Lösung für das Problem zu suchen.

2. Die äußeren Umstände wären für unser Unglück verantwortlich, deshalb wären uns die Hände gebunden

In diesem Fall glauben wir, dass negative Erfahrungen von unsichtbaren Kräften herrührten, die außerhalb unserer Kontrolle lägen. Aus irgendeinem Grund würde uns dieses Unglück verfolgen. Mit anderen Worten: Wenn wir dieser äußeren Kraft die Schuld zuschreiben, müssen wir keine eigene Verantwortung übernehmen. Es macht uns zum Opfer eines zufälligen Umstands oder Schicksals. Wenn wir gar nicht kontrollieren können, was mit uns geschieht, warum sollten wir es überhaupt erst versuchen?

Auch in dieser Situation gehen wir davon aus, dass wir nicht das handelnde Subjekt wären, sondern ein passives Objekt, dem Unglück widerfahren üwrde. Wir verzichten auf jegliche Verantwortung für unser Handeln sowie auf die Freiheit, unser eigenes Leben zu lenken. Wenn wir solche Gedanken haben, werden wir alles, was geschieht, äußeren Einflüssen zuschreiben. Auf diese Weise vermeiden wir es, uns mit unseren eigenen Handlungen und Fehlern auseinanderzusetzen.

Frau im Wasser

3. Es wäre einfacher, Probleme zu ignorieren als sie anzugehen

Die Suche nach Problemen ist so töricht wie der Versuch, sie zu vermeiden. Wir hören und sehen ständig Nachrichten, die uns dazu auffordern, einfach zu leben und uns nicht auf Konflikte einzulassen. Diese Nachrichten fordern uns auf, die Dinge so zu belassen, wie sie nun einmal sind, und bloß keinen Ärger zu machen. Aber das hätte nur Passivität und Konformismus zur Folge.

Das Schlimmste ist, dass es unsere Probleme oft schlimmer macht, wenn wir sie ignorieren. Der rechtzeitige und adäquate Umgang mit ihnen kann sicherstellen, dass wir keinen dauerhaften Schaden verursachen beziehungsweise davontragen. Den Kopf in den Sand zu stecken und darauf zu warten, dass etwas passiert, kann eine kostspielige Entscheidung sein. Möglicherweise können wir ein Problem für eine Weile erfolgreich verdrängen, aber die Folgen können katastrophal sein.

4. Unsere Mitmenschen würden nicht das tun, was sie sollten

Manche Menschen entscheiden sich dafür, das Böse in der Welt als logische Konsequenz der Handlungen anderer zu verstehen. Andere Leute täten schlicht nicht das, was sie tun sollten, und deshalb funktionieren die Dinge nicht. Dieser fatalistische Glaube ist nicht hilfreich. Im Gegenteil, er verzerrt ernsthaft die Realität.

Auch diese Überzeugung hilft uns, Verantwortung zu vermeiden. Natürlich ist es möglich, dass unsere Mitmenschen manchmal nicht das tun, was sie tun sollten. Aber das trifft auch auf uns zu und nicht jedes Übel kann durch die Fehler anderer erklärt werden.

Mann verlässt seine Freundin im Streit

5. Es wäre schrecklich, wenn es nicht so läuft, wie wir uns das vorstellen

Fatalistische Überzeugungen schlagen oft in den Herzen egozentrischer Menschen Wurzeln. Ihre Ichbezogenheit hindert sie daran, ihre eigenen Überzeugungen zu analysieren. Das macht es schwierig, wenn nicht gar unmöglich, dass diese Menschen akzeptieren, dass sie mit ihrer Meinung falsch liegen. Deshalb ist es so leicht, egoistische Menschen zu finden, die frustriert sind, weil die Dinge nicht genau so ablaufen, wie sie es wollen.

Das liegt daran, dass sie glauben, dass es nur einen Weg gäbe, die Welt zu sehen und zu handeln: ihren Weg. Wenn die Realität ihren Wünschen zuwiderläuft, können sie dies nicht akzeptieren und verweigern sich der Erfahrung der Horizonterweiterung. Stattdessen kämpfen sie gegen diese Realität an und kommen nicht voran.

Zusammenfassend kann gesagt werden, dass all diese fatalistischen Überzeugungen schädlich sind. Sie tragen dazu bei, dass wir nicht die Verantwortung für unser Leben übernehmen. Stattdessen limitieren diese Überzeugungen jene Freiheit und Autonomie, die wir alle haben sollten.