Riesen des Erwachsenwerdens: Herausforderungen, denen Jugendliche begegnen

26. August 2018 en Psychologie 0 Geteilt
Jugendliche unterhalten sich.

David und Goliath  erzählt die Geschichte eines Jugendlichen, der sich einem Riesen gestellt hat, während die Menschen in seiner Gegenwart erzitterten. Diese Geschichte könnte als Metapher für das Erwachsenwerden betrachtet werden. Die Dorfbewohner repräsentieren Erwachsene, die Angst vor dem Riesen haben und vor der Konfrontation fliehen. David andererseits stellt Jugendliche dar, die sich den Riesen stellen müssen – ob sie wollen oder nicht.

Erwachsenwerden ist eine Zeit des Übergangs und der Veränderung. Schaffen es Kinder, in dieser Zeit zu bestehen, werden sie bessere Erwachsene – vorbereitet, sich der Welt zu stellen und mit allem fertig zu werden, das ihnen begegnet. Im Prinzip also bereit, das Leben zu genießen. Zuerst müssen sie sich aber so manchem Riesen stellen.

„Adoleszenz ist das Konjugat von Kindheit und Erwachsensein.“

Louise J. Kaplan

Der Körper-Riese

Er ist einer der größten Riesen. Jugendliche erfahren Änderungen in Größe, Gewicht und Muskelmasse. Auch die inneren Organe wachsen und es entwickeln sich primäre und sekundäre Geschlechtsmerkmale.

Eine Menge Veränderungen finden innerhalb kurzer Zeit statt. Teils fühlen sich Jugendliche dadurch schwerfällig und unsicher. Sie betrachten ihren Körper als neu und fremd, und brauchen Zeit und Geduld, um sich an ihn zu gewöhnen.

Heutzutage haben die meisten Heranwachsenden Zugriff auf Sexualbildung, durch die sie etwas über ihre Sexualität und die Veränderungen, die sie erfahren, lernen. Trotzdem ist es nach wie vor wichtig, dass Eltern Zeit finden, sich mit ihnen zusammenzusetzen und über diese Entwicklungen zu sprechen. Schließlich möchte man von den eigenen Kindern als gültige Quelle für Rat und Information betrachtet werden.

Dieser Riese hat also mit dem Körper und den Hormonen zu tun. Sich ihm zu stellen bedeutet, ein Selbstbild zu kreieren, Liebe zu idealisieren und auch mal enttäuscht zu werden. Sie werden sich mit einer Intensität verlieben und entlieben, die einzigartig für Jugendliche ist.

Mädchen hält eine gelbe Blume vor ihr Auge.

Der Selbsterkenntnis-Riese

Während des Erwachsenwerdens gehen Jugendliche durch eine Identitätskrise. Sie verspüren das Gefühl, die eigene Identität auf irgendeine Weise definieren zu müssen. Teil dieser Definition sind die Selbsterkenntnis und verschiedene Werte. Jugendliche müssen auch lernen, dass es Situationen gibt, in denen es nicht leicht ist, den eigenen Werten treu zu bleiben.

  • Berufliche Identität: Der Job oder die Berufung, auf den/die sie sich zubewegen
  • Soziale Identität: Die Freunde und Menschen, die sie um sich herum versammeln
  • Sexuelle Identität: Ihre Rolle als Mann oder Frau und die sexuellen Präferenzen

In dieser Phase ihres Lebens fangen Jugendliche an, über eigene Probleme vermehrt mit Geschwistern und Gleichaltrigen zu reden. Es ist wichtig, dass man das als Eltern versteht und respektiert. Das Kreieren einer zwanglosen Atmosphäre zu Hause lässt sie sich wohlfühlen; sie sollten nicht ausgefragt oder ausgeschimpft werden. Sie werden dann darauf vertrauen, dass Mama oder Papa zuhören, wenn ihnen nach Reden ist, und dass sie bestmöglich unterstützt werden.

Man erkennt, dass ein Kind erwachsen wird, wenn es aufhört, zu fragen, woher es kommt, und anfängt, darüber zu reden, wo es hingeht.

Der Familien-Riese

Dieser Riese ist schwierig. Viele Eltern sagen, sie haben ihre Kinder „verloren“, als sie anfingen, zu rebellieren. Auch Jugendliche diskutieren und hinterfragen Gegebenheiten im Haus oder in der Familie, die eine lange Zeit unbestritten blieben.

Sie leben zwar nach wie vor im Elternhaus, fangen aber an, große Schritte in Richtung Unabhängigkeit zu machen. Eine Unabhängigkeit, die durch Experimentieren und Fehlermachen entsteht, egal, wie sehr man versucht, ihr aus dem Weg zu gehen. Es ist eine Phase des Übergangs, in der Heranwachsende nicht länger blind den Befehlen der Eltern folgen. Sie werden nach ihrem Platz in der Welt suchen.

Möchte man als Elternteil helfen, sollte man geduldig sein und den Jugendlichen eine sichere Umgebung bieten, in die sie sich immer zurückziehen können. Es braucht Überzeugung, dass sie richtig erzogen wurden und Respekt gegenüber ihrer Autonomie. Auch sollte man ihnen mehr Verantwortung zuschreiben und darauf vertrauen, dass sie wissen, damit umzugehen.

„Junge Menschen hatten schon immer dasselbe Problem; wie man rebelliert und gleichzeitig übereinstimmt.“

Quentin Crisp

Mutter redet mit ihrer Tochter.

Der Freundschafts-Riese

Freunde sind beim Erwachsenwerden entscheidend. Sie sind diejenigen, die sich einfühlen können, weil auch sie die Welt der Erwachsenen hinterfragen und Veränderungen durchlaufen. Mit den Freunden können sie offen über alles reden, ohne Angst haben zu müssen, ausgelacht zu werden oder sich fehl am Platz zu fühlen. Freundschaften sind intensiv zwischen Jugendlichen. Tatsächlich helfen sie, das Fundament der Intimität als Erwachsener zu legen.

Heranwachsende sind leicht beeinflussbar und tendieren dazu, Trends zu folgen – egal ob in Sachen Mode, Musik oder Politik. Freunde zu haben ist ihnen so wichtig, dass manchmal eigene Meinungen oder Persönlichkeiten geopfert werden. Sie bevorzugen es, mit dem Strom zu schwimmen und die eigene Meinung für sich selbst zu behalten. Leider kann das Identitätsprobleme verursachen.

Gefährliches Verhalten, auf das man achten sollte

Der Missbrauch von Suchtmitteln kann sich aufgrund sozialen Drucks besonders leicht in Gruppen von Jugendlichen verbreiten. Gruppen haben die Macht, jene zu isolieren oder zu verstoßen, die den „Spielregeln“ nicht folgen wollen. Schüchterne Kinder können hier Probleme haben und schnell abhängig werden. Teil einer Gemeinschaft zu sein, lässt sie sich „mutig“ fühlen, sorgt aber auch dafür, dass sie selbst weniger denken. Es kann sie unter gewaltigen Druck setzen und den Sinn der Verantwortung vernebeln.

Als Elternteil sollte man gute Beziehungen fördern, indem man den Kindern die Fähigkeiten für gute Interaktion mit anderen beibringt. Man sollte ihnen erlauben, zu Freunden zu gehen und auch Freunde ins eigene Heim zu bringen, denn es ist gleichermaßen wichtig, zu wissen, wer die Freunde sind und den eigenen Kindern zu vertrauen, den richtigen Umgang für sich zu wählen. Zuletzt: Eltern sollten tolerant gegenüber Freunden sein, die sie nicht gänzlich mögen, solange kein gefährliches Verhalten auffällt.

„Der Konflikt zwischen dem Bedürfnis, zu einer Gruppe zu gehören, und dem, als einzigartig und individuell betrachtet zu werden, ist der vorherrschende Kampf des Erwachsenwerdens.“

Jeanne Elium

Jugendliche am Strand

Obwohl David allein gegen Goliath kämpfte, müssen Kinder das nicht. Es ist wichtig, Heranwachsenden, sich selbst und der Tatsache zu vertrauen, dass man ihnen bei diesem und vielen weiteren Kämpfen beistehen kann.

Auch interessant