Gesunde Kinder sind spontan, laut, emotional und bunt

· 28. November 2016

Kinder wurden nicht geboren, um still zu sein, nichts anzufassen, geduldig zu sein oder sich mit sich selbst zu beschäftigen. Kinder wurden nicht geboren, um sitzen zu bleiben, fernzusehen oder mit einem Tablet zu spielen. Sie wollen nicht die ganze Zeit still sein. Sie brauchen es, sich zu bewegen, zu erforschen, neue Dinge zu entdecken, Abenteuer zu erleben und die Welt um sich herum kennenzulernen. Sie sind Lerner, Schwämme, natürliche Spieler, Schatzsucher und mächtige Erdbeben.

Kinder sind freie, pure Seelen, die fliegen wollen. Die nicht an der Seite stehen oder festgekettet sein wollen. Lasst sie uns nicht zu Sklaven der Erwachsenen machen, in deren Leben man sich ständig hetzt und in dem die Vorstellungskraft fehlt – eben genau so, wie wir unser Leben leben. Lasst sie uns nicht in das Gefängnis unserer freudlosen Welt sperren. Lasst uns ihre Fähigkeit, Wunder zu schaffen, fördern, und ihnen eine Welt reich an emotionalen, sozialen und kognitiven Stimuli bieten. Eine Welt voller Duft von Blumen, sinnlichem Ausdruck, Glück und Wissen.

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Was passiert im Gehirn eines Kindes, wenn es spielt?

Die Vorteile des Spielens sind umfassend: Spielen fördert Kinder physiologisch, emotional, im Bezug auf ihr Verhalten und kognitiv. Beispielsweise hat Spielen folgende Effekte:

  • Es reguliert ihren Mut und ihre Angst.
  • Es fördert Aufmerksamkeit, Lernen und das Gedächtnis.
  • Es vermindert ihre Anspannung und regt Ruhe, Wohlbefinden und Glück an.
  • Es steigert die Motivation und treibt sie an.
  • Es ist von Vorteil für Vorstellungskraft und Kreativität und hilft ihnen dabei, ihrer Fantasie freien Lauf zu lassen.

Die Gesellschaft hat uns zur Überbehütung und elterlichen Pflicht, den Kindern bestimmte Fähigkeiten beizubringen, sodass ihnen ein guter Job sicher ist, erzogen. Wir vergessen, sowohl als Gesellschaft als auch als Elternteil, dass Kinder mehr wert sind als ihre Noten. Und wenn wir Noten als Kernkriterium erachten, dann verneinen wir ihre Alltagskompetenzen.

Unsere Kinder brauchen es, geliebt zu werden. Und zwar nicht wegen ihrer Errungenschaften und ihres Scheiterns, sondern damit sie sie selbst sein zu können – von Natur aus einzigartig. Als Kinder sind wir nicht dafür verantwortlich, wie wir aufgezogen wurden, aber als Erwachsene sind durchaus in der Lage, unsere Welt in Ordnung zu bringen.kind-im-zimmer

Lass die Kindheit simpel sein

Wir sagen immer, dass jeder einzigartig ist, aber es sieht tatsächlich nicht so aus, als ob wir das alle verinnerlicht hätten. Das spiegelt sich in der einfachen Tatsache wider, dass wir eine Reihe von Regeln aufgestellt haben, wie man Kinder erzieht. Das ist ein großer Fehler und passt überhaupt nicht mit der Idee, dass jeder von uns einzigartig ist, zusammen. Es ist deshalb auch nicht überraschend, dass sich unsere Gedanken und unser Handeln in ständigem Konflikt befinden, wenn wir Kinder großziehen.

Wie die Professorin und Beraterin Kim Payne sagt, ziehen wir unsere Kinder mit Folgenden auf:

  • zu viel Informationen.
  • zu vielen materiellen Dingen.
  • zu vielen Optionen.
  • zu viel Stress.

Wir halten sie davon ab, zu entdecken, zu reflektieren und sich von den Anspannungen des täglichen Lebens zu befreien. Wir überhäufen sie mit Technologien, Spielsachen, Schule und außerschulischen Aktivitäten. Wir zerstören ihre Kindheit, und noch schlimmer, wir halten sie davon ab, zu spielen und sich zu entwickeln.

Heutzutage verbringen Kinder weniger Zeit an der frischen Luft als Menschen, die im Gefängnis sitzen. Warum? Weil wir sie mit anderen Aktivitäten „unterhalten und beschäftigen“. Mit Dingen, die wir für notwendig halten. Wir versuchen sie, makellos und frei von Schmutz zu halten. Das ist inakzeptabel und sehr beunruhigend. Lasst uns ein paar Gründe anschauen, warum wir das ändern sollten:

  • Übertriebene Hygiene erhöht die Wahrscheinlichkeit, dass Kinder Allergien entwickelt. Das wurde in einer Studie eines Krankenhauses in Göteburg, Schweden, bestätigt.
  • Sie nicht an der frischen Luft toben zu lassen ist eine Art Folter, die ihr kreatives Potenzial einschränkt.
  • Es fügt ihnen physiologisch, emotional, im Bezug auf ihr Verhalten und kognitiv Schaden zu, wenn sie an ihren Handys, Tablets, Computern oder vor dem Fernseher kleben.
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Wir könnten hier noch weiter ins Detail gehen, aber ich denke, dass an diesem Punkt die meisten von uns schon zahlreiche Beispiele gefunden haben, wie wir die Magie der Kindheit zerstören. Wie der Erzieher Francesco Tonucci einst sagte:

„Die Erfahrungen von Kindern sollten ihre Erziehung nähren: ihr Leben, ihre Überraschungen, ihre Entdeckungen. Mein Lehrer hat uns immer die Taschen auspacken lassen, denn sie waren voller Beweise, dass die Welt da draußen spannend ist: Käfer, Schnüre, Karten, Büchsen… aber heute tun wir das Gegenteil. Wir sollten die Kinder wieder fragen, was sie so in ihren Taschen haben. Auf diese Art und Weise öffnen sich die Schulen dem Leben, und sie erhalten Kinder mit dem Wissen, das sie wirklich haben.“

Das ist, zweifellos, eine sehr viel gesündere Art, mit ihnen zu arbeiten, sie aufzuziehen und ihnen Erfolg zu garantieren.