Stress: Wenn man lieber „dort“ sein will, während man „hier“ ist

11. September 2016 en Psychologie 4 Geteilt

Man kann Stress als den kognitiven und emotionalen Verhaltenszustand definieren, der in uns die Sehnsucht oder den Wunsch auslöst „dort“ zu sein, während wir „hier“ sind. Das wendet sich in etwas Negatives, wenn es außer Kontrolle gerät und unsere Sammlung von Gedanken, das Durchführen von Aufgaben und die Optimierung unserer Ressourcen in eine Qual verwandelt.

Die Arbeit und sozialer, familiärer und persönlicher Druck zwingen uns dazu, unsere Erwartungen und unsere Handlungen kontinuierlich neu anzupassen. Wir können uns nicht erlauben, unseren Job zu verlieren, wir müssen Schulden bezahlen, auf 20 noch ausstehende Aufgaben ein Auge haben, die emotionale Zuneigung zu unserem Partner bewahren, für Prüfungen lernen, etc.

Eines Tages, wenn wir von all diesen Verpflichtungen überwältigt sind, realisieren wir, dass wir kaum noch einschlafen können. Dass wir bis um drei Uhr morgens wach sind, im Bett liegen und darüber nachdenken, wie wir diesen Monat noch über die Runden kommen sollen. 

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Die Stunden verstreichen und wir bekommen immer mehr Angst vor der Tatsache, dass wir einfach nicht einschlafen können und uns am nächsten Tag ausruhen müssen. Schlussendlich fallen wir in einen nicht sehr erholsamen Dämmerschlaf und wachen am nächsten Morgen noch müder und in einer schlechten Stimmung auf.

Diese Situation wiederholt sich jede Nacht und die Erschöpfung wird immer größer. Wir bekommen starke Kopfschmerzen, die langsam aber sicher immer häufiger auftreten. Das gibt uns ein unangenehmes Gefühl von mentaler Trägheit und von emotionaler und körperlicher Benommenheit.

Es ist sehr wahrscheinlich, dass unser Puls steigen wird. Auch das Atmen wird zeitweise anstrengend.  Andere Male werden wir uns selbst dabei erwischen, wie wir versuchen, tief durchzuatmen, um unseren Zustand der Wachsamkeit zu erhalten. 

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Die Strafe von Stress

Wenn Stressfaktoren psychologisch und sozial sind, dann aktiviert unser Körper bestimmte physiologische Antworten darauf, um uns zu ermöglichen, den „Rhythmus“ für eine Weile zu „erhalten“ und uns über die Dinge Gedanken zu machen, die uns vielleicht negative Konsequenzen bringen könnten (zum Beispiel zu arbeiten, um nicht bankrott zu gehen).

Wie auch immer, diese physiologischen Antworten lassen sich nicht über lange Zeiträume aufrechterhalten. In Wahrheit ist es so, dass deren Auswirkungen zu schwindender sexueller Erregung, Menstruationsproblemen und einem geschwächten Immunsystem führen können.

Auch wenn das Thema viel komplexer ist, könnten wir alles als stressauslösenden Faktor sehen, was unser inneres Gleichgewicht stört und die Nebennieren dazu zwingt, zu übersteuern. Das ist ein Versuch, unser psychologisches und physisches Wohlergehen zu garantieren.

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Ein Körper unter Stress, ein System, das versucht, mit den Gefahren umzugehen

Robert M. Salpolsky schreib in seinem sehr empfehlenswerten Buch Warum Zebras keine Migräne kriegen:

„In unserem privilegierten Leben sind wir die einzigen im Tierreich, die genug Intelligenz besitzen, um bestimmte stressauslösende Agenten für uns selbst zu erfinden und die einzigen, die dumm genug sind, zu erlauben, dass diese unser Leben dominieren.“

Stress ist das Ergebnis von den wahrgenommenen Unterschieden zwischen den Umgebungsanforderungen und den Mitteln, die uns zur Verfügung stehen, um diese zu erfüllen. Deshalb ist es eine gute Strategie, Mittel zu haben, die uns erlauben, unsere Balance auf täglicher Basis wiederzuerlangen, um eine angemessene Antwort in die Praxis umzusetzen.

Wir wir auf Stress reagieren und wie wir damit umgehen, hängt vor allem von der Konvergenz verschiedener persönlicher und sozialer Variablen ab. 

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Bestimmt weißt du schon, lieber Leser, dass es die magische Formel, die alles heilt, nicht gibt. Dennoch können wir ein paar der Strategien und Techniken anwenden, die uns Psychologen und Bücher empfehlen. Interessante Selbsthilfebücher gibt es zum Beispiel von David Burns oder Albert Ellis.

Es ist hilfreich und bereichernd, mehr über Atemtechniken, das „Stoppen“ der Gedanken, Entspannung, Bewältigung, etc. zu lernen, um Angst und Stress zu bewältigen. Aufmerksamkeit ist eine gute Art und Weise, zu lernen, wie man sich auf das Hier und Jetzt konzentrieren kann. 

Die Liste der Empfehlungen kann so endlos sein wie die Liste von konkreten Fällen von Stress und Angst. Deshalb ist es wichtig, dass wir gründlich nach den Strategien suchen, mit denen wir stressige Situationen bewältigen können, die eine so starke Einschränkung unserer allgemeinen Gesundheit darstellen.

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