Freundschaft ist wie unlöschbare Tinte

· 1. November 2016

Wir leben in einer Gesellschaft, in der wir immer unabhängiger werden und in der wir uns immer mehr darum sorgen, wie viele Likes unser Post auf Facebook bekommt oder wie viele virtuelle Freunde wir haben, anstatt uns etwas Zeit zu nehmen, um mit einem Freund einen Kaffee zu trinken oder mit ihm zu sprechen. Die Freundschaft ist wirklich mehr als ein Daumen-hoch in einem sozialen Netzwerk.

Es scheint, als seien Freundschaften wesentlich sprunghafter geworden, als würden sie schneller geschlossen aber auch gebrochen. Wenn mir jemand nicht gefällt oder mir auf einmal blöd erscheint, dann „lösche“ ich ihn bei Facebook oder WhatsApp und vergesse ihn. Wir neigen dazu, immer weniger Freundschaften zu pflegen, die dauerhaft sind, aber mehr Freundschaften aufzubauen, die mit einem bestimmten Thema oder einer Aktivität zu tun haben (Arbeit, Sport…). Die Realität sieht so aus, dass wir nur sehr wenige richtige Freundschaften aufrechterhalten.

„Freundschaft ist wie die Musik: Zwei Saiten vibrieren gleichzeitig zum selben Ton, selbst wenn man nur eine anschlägt.“
 
Francis Quarles

Es ist richtig, dass das Konzept der Freundschaft sich durch die neuen Technologien verändert hat, da wir nun jemanden als Freund bezeichnen können, den wir noch nie gesehen haben. Internet, Handys und Apps haben eine neue Form erschaffen, mit der wir Kontakt halten und in der Freundschaft funktioniert.

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Wie wählen wir Freunde aus?

Eine Studie, die von Wissenschaftlern der Universität von Kalifornien in San Diego (Kalifornien, USA) durchgeführt wurde, hat gezeigt, dass wir nicht nur genetische Gemeinsamkeiten mit unseren Familienmitgliedern haben, sondern dass wir auch unsere Freundschaften nach der DNA auswählen.

Die an der Studie beteiligten Wissenschaftler analysierten die genetischen Ähnlichkeiten und die Verbindungen zwischen verschiedenen Personen. Dazu wurden zwei unterschiedliche Studien herangezogen, die detaillierte Informationen zum Genom und zu den sozialen Bindungen der Untersuchten enthielten.

„Ehrlich sein hilft dir nicht dabei, einen Haufen Freunde zu finden, aber sie sorgt dafür, die richtigen zu finden.“
John Lennon

Es wurden bestimmte genetische Marker innerhalb der sozialen Beziehungen eines Individuums ausgewählt und man entdeckte, dass wir Menschen Freundschaften mit solchen Personen schließen, mit denen wir wenigstens einen Teil der evaluierten Marker teilen.

Ein anderer interessanter Aspekt der Studie lautet aber auch, dass wir nach Personen suchen – und das gilt sowohl für Freunde als auch für Partner -, die komplementär zu uns sind. Das heißt, dass wir uns von Personen angezogen fühlen, die Gene besitzen, die Charakteristiken markieren, an denen es uns mangelt.

Wahrheiten über die Freundschaft

Wir haben viele Ideen über die Freundschaft, etwa, dass zu unseren Freunden eine besondere Verbindung besteht, dass Frauen und Männer keine Freunde sein können, dass ein Partner die Freunde ersetzt, dass Freundschaft gut für die Gesundheit ist…

Dies soll heißen, dass wir im Verlauf unseres Lebens eine Reihe an Vorstellungen über die Freundschaft annehmen, die wahr oder auch nicht wahr sein können. Im Folgenden stellen wir dir einige wissenschaftliche Wahrheiten zur Freundschaft vor, die mit den Vorstellungen zu tun haben, die in unserer Gesellschaft verbreitet sind:

Männer und Frauen können keine Freunde sein

Wir alle erinnern uns an die berühmte Szene aus Harry und Sally,  in der die Hauptperson behauptet, dass Männer und Frauen nie Freunde sein können, weil immer der Sex dazwischenkommt.

Eine Studie aus dem Jahr 2012, veröffentlicht im Journal of Social and Personal Relationships  und durchgeführt unter der Leitung von April Bleske-Rechek, Professorin für Psychologie an der Universität Wisconsin (Wisconsin, USA), kam zu dem Schluss, dass Männer die romantischen Eventualitäten häufiger überbewerten als die Frauen.

Die Studie stellte auch heraus, dass Männer in der Regel ein genauso großes sexuelles oder romantisches Interesse an ihren Freundinnen haben, egal ob sie selbst bereits eine Partnerin haben oder nicht. Die Attraktion zeigt sich als ein Impuls, auch wenn dieser mit den Jahren langsam nachlässt.

„Es besteht zwischen uns etwas Besseres als Liebe: Komplizenschaft.“
Marguerite Yourcenar
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Einen Partner zu haben, entfernt uns von unseren Freunden

Eine Studie zu den Auswirkungen einer Partnerschaft auf den Freundeskreis, durchgeführt von Robin Dunbar, Professor für Evolutionsanthropologie an der Universität Oxford (Vereinigtes Königreich), zeigte, dass Personen, die eine partnerschaftliche Beziehung eingehen, nicht mehr einen Kreis von fünf intimen Freunden haben, wie es gewöhnlich der Fall ist, sondern dass sie stattdessen nur vier enge Freunde haben, wobei einer davon der Partner ist.

Das heißt, dass sich die Aufmerksamkeit verstärkt auf den Partner richtet, dem man mehr Zeit und Aufmerksamkeit schenkt, und zwei Personen aus unserem Leben in den Hintergrund rücken, normalerweise ein Freund und ein Verwandter.

Die Liebe nimmt uns Zeit und wir verbringen mehr und mehr Momente mit unserem Partner, weshalb es unausweichlich ist, dass sich eine Freundschaft langsam abbaut, wenn man die Verbindung zu den Freunden nicht pflegt, man den Kontakt nicht hält und nicht mehr abspricht, sich zu treffen.

Freundschaft ist gut für die Gesundheit

Eine Studie zur Lebenserwartung, durchgeführt am Forschungszentrum für Alterungsfragen der Flinders Universität in Adelaide (Australien), arbeitete mit Probanden im Alter von über 70 Jahren und zeigt, dass ein Netz an guten Freunden mit höherer Wahrscheinlichkeit die Lebenserwartung steigert als stabile familiäre Bindungen.

Freunde tun nicht nur unserem Gemütszustand gut, sondern auch unserer Gesundheit. Menschen mit einem großen Freundeskreis haben niedrigeren Blutdruck, haben weniger Stress, ihre Abwehrkräfte sind stärker und sie leben länger. Freunde helfen, Krankheiten zu besiegen und vor allem erzeugen sie Zufriedenheit und Glück. Und hierbei geht es nicht um die Freunde, die bei Facebook gelistet sind.

 

Mit 30 zählt bei Freundschaft mehr die Qualität als die Quantität

Eine vor Kurzem erschienene Studie der American Psychological Association hat gezeigt,
was viele von uns bereits vermutet haben… >>>Mehr