Mit 30 zählt bei Freundschaft mehr die Qualität als die Quantität

31. Mai 2016 en Psychologie 1 Geteilt

Eine vor Kurzem erschienene Studie der American Psychological Association, die in Psychology and Aging  veröffentlicht wurde, hat gezeigt, was viele von uns bereits vermutet haben: Mit dem Laufe der Jahre verändern sich die Parameter der Freundschaft. Konkret gesagt, mit 30 zählt in der Freundschaft mehr die Qualität als die Quantität.

Wenn wir im Alter von 20 Jahren mit einer großen Vielfalt an Personen Kontakt halten, bereichern wir uns dadurch, was wiederum unsere Persönlichkeit und unsere Erwartungen beeinflusst.

Mit 30 Jahren hingegen sind wir sozial bereits zu sehr ausgelastet, um mit noch weiteren Personen den Kontakt zu halten. Uns wird die Qualität unserer Freundschaft wichtiger und wir möchten lieber all das Gelernte und Erfahrene in Wohlbefinden genießen.

Beide Arten der Beziehungen in diesen unterschiedlichen Altersgruppen haben ihren langfristigen Effekt: Die Personen, die mit 20 viele Freunde hatten und mit 30 wenige, aber dafür gute, konnten sich mit 50 einer besseren psychologischen Gesundheit erfreuen. Die Schlussfolgerung soll nicht sein, weniger Freunde mit 30 Jahren zu haben… Es geht darum, die richtigen auszuwählen, die wirklich zu unserem Wohlbefinden beitragen.

Die Freundschaft im Verlauf des Lebens

Die Freundschaft an sich bleibt im Verlauf des Lebens genauso wichtig, aber in jeder einzelnen Etappe manifestiert sie sich auf eine andere Weise.

Als Kinder sind für uns die Autoritätspersonen wichtiger, die uns umgeben: Eltern und Lehrer. Wir haben Kontakt mit anderen Kindern, um so Stück für Stück das Bewusstsein für unsere eigene Individualität zu entwickeln, um unsere emotionalen, kognitiven und sozialen Fähigkeiten durch Spiele und in der Schule anzustoßen.

Kinder-brauchen-Umarmungen

In der Jugend erfährt das Konzept der Freundschaft eine radikale Veränderung. In dieser Etappe ist es der Kontakt mit Gleichaltrigen und nicht mit unseren Autoritätspersonen, der unseren Charakter bestimmt und die beginnende Entwicklung unserer Identität beeinflussen. Dies geht mehr oder weniger stürmisch von statten, je nachdem ob wir es schaffen, mit anderen, uns ähnlichen Jugendlichen eine Beziehung aufzubauen.

In dieser Phase werden Freundschaften auf sehr intensive Weise erlebt und alles normalisiert sich mit dem Beginn des jungen Erwachsenenalters, in dem die Freundschaft wieder eine wichtige Rolle dabei spielen wird, unsere Persönlichkeit, unsere Gewohnheiten und Interessen zu entwickeln. Und wenn wir der 30 näherkommen, dann werden diese Beziehungen weniger zahlreich und dafür selektiver sein.

Die Freunde mit 20

Wenn wir 20 Jahre alt sind, dann ist unsere gesamte Welt in Aufruhr. Uns sind viele Dinge noch nicht ganz klar, aber wir handeln ohne Angst und mit einer Spontanität, die dazu führt, viele Leute kennenzulernen. Wir erleben auch Schmerz auf sehr intensive Weise und wir bewegen uns zwischen den Polen der Intimität und der Isolierung. Auch sonst erscheint alles sehr polarisiert.

 „Die Freundschaft ist schwieriger und seltsamer als die Liebe. Deshalb sollte man sie unter allen Umständen retten.“

 Alberto Moravia
 
Freundschaft
Wir brauchen es, neue Menschen kennenzulernen, um uns von ihnen zu ernähren, ohne zu große Vorurteile oder Erwartungshaltungen. Wir erlauben uns eine großes Ausmaß sozialer Interaktion auch mit Leuten, die wir nicht kennen, weil wir das brauchen, wir haben das Bedürfnis, unsere Freiheit zu genießen und so zu erkennen, was uns wirklich interessiert.

Diese Studie ist zu einem weiteren, sehr überraschenden Ergebnis gekommen: Wenn wir mit 20 nur sehr wenig Freunde gehabt haben, dann kann dies relevante Auswirkungen auf unsere Gesundheit mit 50 haben. Es ist also kein Mythos, dass man jede Etappe des Lebens mit der ihr entsprechenden Intensität und Einstellung gelebt haben sollte.

Mit 20 sollten wir eine neugierige Einstellung haben, einen freien Geist und Energie, um alle Erfahrungen zu erleben, die zu diesem Alter dazu gehören: Sich verlieben, enttäuscht werden, reisen, tanzen… und je mehr Menschen wir dabei um uns haben, desto besser. Es ist der Moment zum Ausprobieren, und nicht um die Dinge bereits zu verwerfen, bevor man sie versucht hat.

Die Freundschaft mit 30

Je näher wir der 30 kommen, desto mehr haben wir bereits genug davon, andauernd neue Leute kennenzulernen, Pläne mit Leuten zu machen, zu denen wir kein besonderes Vertrauen haben oder jedes Wochenende auf Party zu gehen. Wir suchen nach mehr Qualität in unseren Freundschaften, seien sie vielzählig oder nicht. Wir möchten weiterhin Dinge ausprobieren, aber mit einer Begleitung, von der wir bereits wissen, dass sie angenehm ist.

„Wenn du ehrlich zu dir bist, dann hast du vielleicht nicht viele Freunde, aber dafür die richtigen.“
 
John Lennon

Dies wird durch unsere Wünsche bestimmt, aber auch durch die Umstände: Ein großer Teil unserer Freunde aus dem letzten Jahrzehnt haben unterschiedliche Wege eingeschlagen, haben eine Familie gegründet oder arbeiten an anderen Orten. All dies führt also dazu, dass wir uns an einem kleineren Freundeskreis erfreuen, der aber auch enger und entspannter ist, eine Gruppe, die sich gewöhnlich in Werten und Interessen ähnlich ist.

Alte-Freundschaft

Bei dieser Langzeitstudie stellte sich heraus, dass Personen, die im Alter von 30 viele Freunde und soziale Erfahrungen gemacht haben, die aber nicht zufriedenstellend für sie waren, zunächst Nervosität, Langeweile und ein Gefühl der Übersättigung entwickelt haben. Später, im Alter von 50 Jahren, hat dies zu weiteren Folgeerscheinungen geführt, und sie erschienen dann unglücklicher als die Menschen, die dieses Alter in einer etwas ruhigeren und intimeren Weise durchlebt haben.

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