Eine Studie verrät: 70 % der Pornografie werden während der Arbeitszeit konsumiert

In Toilettenpausen oder am Schreibtisch: Immer mehr Menschen widmen sich während der Arbeitszeit pornografischen Seiten im Internet. Was tun?
Eine Studie verrät: 70 % der Pornografie werden während der Arbeitszeit konsumiert

Letzte Aktualisierung: 02. Oktober 2021

Im Jahr 2017 versuchten Mitglieder des britischen Parlaments in Westminster fast 24.000 Mal, auf sexuelle Webseiten zuzugreifen. So auffallend das auch sein mag, es ist nur ein kleiner Teil dessen, was eine aktuelle Studie zeigt: Rund 70 % der Pornografie werden während der Arbeitszeit konsumiert. Überraschend, aber wahr.

An manchen Orten führt diese Art von Handlung zu einer sofortigen Entlassung. Die Begründung dafür liegt auf der Hand: Die Arbeitskraft nutzt ihre Arbeitszeit für absolut private Zwecke. In den letzten Jahren sind jedoch weitere Verhaltensmuster zu beobachten, die zum Nachdenken anregen.

Pornografie am Arbeitsplatz kann zu Situationen sexueller Belästigung führen. Es entsteht ein feindseliges und unbehagliches Klima, in dem unethische Gesten, Worte, Unterstellungen und Handlungen immer häufiger vorkommen und zu Beschwerden führen können.

Pornografie ist für viele Menschen eine tägliche Gewohnheit, die auf persönlicher, sozialer und beruflicher Ebene ernste Folgen hat. 

Eine Studie verrät: 70 % der Pornografie werden während der Arbeitszeit konsumiert

Pornografie während der Arbeitszeit: Was sind die Folgen?

Die Pornoindustrie bewegt weltweit viele Millionen. Der kontinuierliche Konsum beginnt immer früher. Leider wird über diese Realität viel zu wenig gesprochen. Wir wissen zum Beispiel, dass sie das Sexualverhalten junger Menschen stark, bis hin zu einem verzerrten Frauenbild. Frauen werden erneut zu bloßen Objekten.

Oft entwickelt sich ein Suchtverhalten und auch die Zunahme sexueller Gewalt ist nicht zu übersehen. In gewisser Weise sind uns diese Fakten zwar bekannt, doch es gibt weitere wesentliche Punkte, die berücksichtigt werden müssen.

Siebzig Prozent der Pornografie wird während der Arbeitszeit konsumiert. Es geschieht also nicht zu später Stunde in aller Stille zu Hause, sondern vorwiegend am Arbeitsplatz. Deshalb ist es wichtig, näher über dieses Thema nachzudenken.

Zwischen 9 und 17 Uhr wird besonders viel Pornografie konsumiert

Die Universität Brigham Young hat erst vor wenigen Monaten einige sehr aufschlussreiche Untersuchungen zu diesem Thema veröffentlicht. Ziel war es, zu verstehen, welche Auswirkungen der Online-Pornokonsum auf das Arbeitsumfeld haben könnte. Dazu nutzten die Forscher Daten aus früheren Erhebungen, aus denen die folgenden Daten abgeleitet wurden:

  • 60 % der Menschen sehen sich Pornos nur während der Arbeit an, 10 % zusätzlich auch zu Hause.
  • 70 % des gesamten Pornografiekonsums über Internet erfolgt während der Arbeitszeit zwischen 9 und 17 Uhr.
  • Verschiedene Behörden haben Untersuchungen bei Beschäftigten in mehreren Unternehmen durchgeführt und festgestellt, dass viele Menschen tatsächlich einen übermäßigen Teil ihres Arbeitstages mit dem Besuch von “Erwachsenen-Seiten” verbringen.

Pornografie wird während der Arbeitszeit konsumiert, vorwiegend auf Handys. Zwar gehen auch Frauen dieser Praxis nach, doch Männer widmen ihr durchschnittlich mehr Zeit. 

Zwischen 9 und 17 Uhr wird besonders viel Pornografie konsumiert

Pornografie am Arbeitsplatz: unethisches Verhalten

Welche Auswirkungen hat der Konsum vo Pornografie am Arbeitsplatz? Die Autoren dieser Studie, David A. Wood, Nathan W. Mecham und Melissa F. Lewis-Western, stellten mehrere Dynamiken fest:

  • Personen, die dieses Verhaltensmuster aufweisen, betrügen und täuschen das Unternehmen, da sie nicht ihren beruflichen Verpflichtungen nachgehen.
  • Ihr Verhalten ist häufig egoistisch, unbeteiligt und für das Umfeld problematisch.
  • Des Weiteren kommt es häufiger zu Belästigungen und Frauenverachtung. Auch sexistische Kommentare und Einstellungen nehmen zu. 

Einige der Auswirkungen des Pornografiekonsums am Arbeitsplatz sind mangelnde Leistung, Entmenschlichung und die Behandlung anderer als bloße Objekte.

Wie kann man mit dieser Praxis umgehen?

Wir wissen, dass viel Pornografie während der Arbeitszeit konsumiert wird. Dies muss sowohl auf sozialer als auch auf organisatorischer Ebene in jedem Unternehmen oder Arbeitsumfeld beachtet werden. Wenn ein Teil der Arbeitskräfte Online-Pornos schaut, ist es sehr wahrscheinlich, dass sich ihr Verhalten ändert. Ihre Leistung wird sinken und der Umgang mit anderen immer problematischer.

Welche Lösungsansätze können helfen?

Angesichts dieser immer weiter verbreiteten Realität ist es erforderlich, zu handeln. Einige Ideen sind:

  • Die interne Unternehmensrichtlinie sollte diese Praktiken nicht tolerieren.
  • Das Ansehen von Pornos im Internet (auch wenn es auf deinem eigenen Gerät geschieht) während der Arbeitszeit muss sanktioniert werden.
  • Präventive Kontrollen mit Filtern und Sperrung dieser Seiten sind eine weitere Strategie.
  • Es ist auch notwendig, sexistisches Verhalten am Arbeitsplatz zu verhindern. So dürfen beispielsweise pornografische Fotos als Bildschirmschoner nicht toleriert werden.
  • Maßnahmen zur Verhinderung von Belästigung am Arbeitsplatz sind notwendig. Des Weiteren sollte es einen anonymen Kanal geben, um diese Verhaltensmuster zu melden.

Abschließend lässt sich sagen, dass es zwar sehr schwierig ist, Pornografie zu regulieren, aber wir müssen damit beginnen, in unserem direkten Umfeld Grenzen zu setzen. So ist es beispielsweise dringend erforderlich, Kinder vor diesen Praktiken zu schützen und Pornografie während der Arbeitszeit zu verhindern.

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  • Chen L, Jiang X. The Assessment of Problematic Internet Pornography Use: A Comparison of Three Scales with Mixed Methods. Int J Environ Res Public Health. 2020 Jan 12;17(2):488. doi: 10.3390/ijerph17020488. PMID: 31940928; PMCID: PMC7014272.
  • Mecham, Nathan & Lewis-Western, Melissa & Wood, David. (2021). The Effects of Pornography on Unethical Behavior in Business. Journal of Business Ethics. 168. 10.1007/s10551-019-04230-8.