Untreue im Internet

· 4. Juni 2019

Mit den neuen Technologien sind neue Lösungen entstanden, aber auch neue Probleme. Eines von ihnen ist die Untreue im Internet. Viele wissen nicht, ob sie diese Modalität als einen wahren Akt der Untreue oder vielmehr als ein Spiel ohne größere Folgen einstufen sollen. Dabei schreiten die Taten oft schneller voran als unsere Ideen, was uns zunehmend verwirrt.

Wie dem auch sei, die Wahrheit ist, dass es heutzutage viele Menschen gibt, die eine virtuelle Paarbeziehung aufbauen, obwohl sie in ihrem wirklichen Leben bereits einen Partner haben. In diesem Fall gibt es keinen physischen Kontakt zum „Dritten“ und deshalb ist es schwierig, dieses Verhalten als Untreue zu klassifizieren. Gilt sie dennoch als echte Untreue oder sollte sie als pure Fantasie angesehen werden?

„Die letzten, denen wir ihre Untreue verzeihen, sind diejenigen, die wir enttäuscht haben.“

Emil Cioran

Mögliche Untreue über das Internet führt uns auch dazu, das Konzept der Untreue generell infrage zu stellen. Es gibt diejenigen, die denken, dass der wahre Fehler dann zutage trete, wenn in einer Beziehung mit einem Dritten Gefühle der Liebe aufkommen. Sogar Sex mit jemand anderem zu haben, sei ihrer Meinung nach nicht so ernst, wie Gefühle für jemand anderen zu entwickeln. Und es gibt andere, die denken, dass es unabhängig von der Modalität verwerflich sei, dass man lüge oder eine (virtuelle) Beziehung zu jemand anderem verberge. Wie gehen wir mit all dem um? Schauen wir uns das einmal näher an.

Frau bezichtigt Mann der Untreue

Untreue im Internet – eine Frage der Möglichkeit?

Eines ist klar: Soziale Netzwerke begünstigen Untreue. Das britische Portal Divorce Online veröffentlichte Kundenstatistiken, nach denen 80 % der Untreue online beginnen.

Bevor es diese Welt des virtuellen Austausches gab, war das Flirten für jemanden, der bereits vergeben war, viel schwieriger. Das Risiko, gesehen zu werden, war größer, und das bedeutete eine höhere Hemmschwelle.

Jetzt wiederum reicht es aus, ein Nutzerkonto im sozialen Netzwerk zu erstellen oder ein Dating-Portal zu betreten, um mit jemandem flirten zu können. Schließlich ist die virtuelle Welt auch eine anonyme Welt, in der jeder die Geschichte seines Lebens nach Belieben gestalten kann. Jeder kann ohne Probleme eine Persönlichkeit erschaffen und gar mehrere virtuelle Romanzen gleichzeitig erleben.

Deshalb finden diejenigen, die nach etwas Abwechslung suchen, im Internet einen großen Verbündeten. Nun, der Punkt ist, zu wissen, warum ein Partner neue Abenteuer sucht und ob diese Untreue im Internet einen negativen Einfluss auf die bisherige, reale Beziehung hat.

Ein gefährliches Spiel

Sicherlich fühlen sich viele von denen, die sich mit Untreue im Internet beschäftigen, zu ihrem realen Partner hingezogen. Diese Art der Untreue hat, wie andere auch, oft mit anderen Faktoren als mangelnder Liebe zu tun: Es gibt diejenigen, die einfach nur einen Adrenalinkick erleben, das Verbotene probieren wollen. Andere wollen ihre Verführungskünste testen und sich geschmeichelt fühlen. Wieder andere versuchen nichts anderes, aus der üblichen Routine auszubrechen.

Das Problem ist, dass diese Virtualität in mehrfacher Hinsicht trügerisch wirkt. Es ist sehr einfach, idealisierte Bilder von Menschen zu zeichnen, wenn man nur über das Internet Kontakt mit ihnen hat. Wir neigen eben dazu, zu glauben, was wir glauben wollen.

Wir sind bestrebt, uns in sozialen Netzwerken nur von unserer attraktivsten Seite zu zeigen. Wir zeigen nur die Fotos, auf denen wir hübsch aussehen und die Interesse wecken. Und andere machen es genauso. Unerfahrenere Nutzer lassen sich von diesem Sirenengesang leicht mitreißen.

Frau schaut auf ihr Handy

Alles, was den anderen beeinflusst, ist real

Eine 2010 von Guadagno und Sagarin durchgeführte Studie über Untreue im Internet ergab, dass es zwischen der Wahrnehmung von Untreue durch Männer und Frauen einen starken Unterschied gibt.

Männer messen virtuellen Beziehungen nicht viel Bedeutung bei. Sie kommen bei den meisten Gelegenheiten nicht einmal dazu, sie als echte Untreue einzustufen. Auf der anderen Seite verstehen sie jede Art von sexueller Beziehung, einschließlich Online-Sex, als Verrat.

Frauen hingegen sehen das in der Regel anders. Für sie ist meist jede Art von Beziehung, die Gefühle beinhaltet, von tatsächlicher Bedeutung. Deshalb meinen sie, dass Untreue im Internet echte Untreue sei, mit all ihren Handschriften. Sie glauben auch, dass jede Form der Beziehung zu einem Dritten negative Folgen für das Paar haben könne.

Wie es in Beziehungsangelegenheiten üblich ist, hängt es von der Perspektive ab, mit der wir uns einer Situation nähern, und vom Kontext, in dem sie stattfindet: Jedes Paar, und wirklich jedes einzelne Paar, muss diesen Punkt für sich selbst klären. Wenn keine Einigung erzielt werden kann und es zu einem Betrug kommt, dann wird die Bindung der Partner zueinander dadurch geschwächt – egal wie man nennen will, was passiert ist.

  • Núñez, F., Cantó-Milà, N., & Seebach, S. (2015). Confianza, mentira y traición: El papel de la confianza y sus sombras en las relaciones de pareja. Sociológica (México), 30(84), 117-142.