Technopathologie – Krankheiten 2.0

· 20. Januar 2019

Technopathologie ist ein Begriff, der sich auf physische, psychische und soziale Probleme bezieht, die mit dem Missbrauch technischer Geräte zusammenhängen. Das Umfeld, in dem sich diese Technopathologie entwickelt, ist das unseres täglichen Lebens, denn die moderne Informationstechnik verbreitet sich schnell und mit Leichtigkeit.

Es besteht kein Zweifel, dass die neuen Technologien einen positiven Einfluss auf unser Wohlbefinden haben, denn nun können wir Dienstleistungen in Anspruch nehmen, die vor nicht allzu langer Zeit noch undenkbar waren. Vor dem Siegeszug dieser Technologien waren entsprechende Angebote entweder extrem teuer oder nicht vorhanden; was heute binnen Minuten geklärt wird, bedurfte zuvor mehrerer Tage. Briefe zu versenden beispielsweise bedeutet viel mehr Aufwand als eine E-Mail zu versenden.

Heutzutage haben wir alle unser scheinbar unverzichtbares Handy in der Hand oder in der Tasche. Es erleichtert viele Aufgaben, von der Kommunikation mit Menschen in unserem Freundeskreis bis zum schnellen Nachschlagen von Informationen. Wir können eine Weltkarte mit einer Detailgenauigkeit betrachten, die sich im Atlas nicht reproduzieren lässt. Mit einem Klick können wir sehen, wie viel Kalorien wir verbrauchen und das Handy kann uns auch daran erinnern, genug zu trinken.

„Technologie ist immer ein zweischneidiges Schwert. Sie bringt viele Vorteile, kann aber auch zu Katastrophen führen.“

Alan MooreEine junge Frau spielt mit ihrem Handy am Tisch.

Technopathologie: Wenn der Gebrauch der Technologien zur Sucht wird

Nähern wir uns einer Welt voller Technopathologien? Was passiert, wenn wir nicht wissen, wie wir das wachsende Angebot an Technologien angemessen verwalten können? Wann werden wir zu einem Sklaven der Technologie?

Glücklicherweise leiden die meisten von uns nicht an einer Sucht. Mit anderen Worten, sie haben (noch) keine pathologische Abhängigkeit von den modernen Technologien entwickelt, sollten sich aber der Anzeichen bewusst sein.

Der Missbrauch von Technologien ruft bald negative Folgen für Benutzer und ihre Umgebung hervor. Dies sind einige der Warnsignale, die wir bei der Identifizierung einer Technologiesucht beachten sollten:

  • Betroffene müssen längere Zeit vernetzt bzw. online sein, um sich befriedigt zu fühlen.
  • Konzentrationsmangel und Fahrigkeit, ständiges Checken von Nachrichten und E-Mails, sowie ständiges Verlangen, online zu sein.
  • Eine offensichtliche Veränderung der Lebensgewohnheiten aufgrund eines erhöhten Wunsches, vernetzt zu sein. Wenn Betroffene nicht lange oder häufig genug online sein können, können sie ein hohes Maß an Angst und Stress erleiden.
  • Konfuse Gedankengänge, die von einem Suchtverhalten beeinflusst werden. Betroffene geraten so in eine Abwärtsspirale. Außerdem können emotionale Verzerrungen auftreten, da sie bestimmte Emotionen nicht mehr fühlen. Sie haben Schwierigkeiten, Gefühle zu erkennen oder zu deuten.
  • Verzicht auf Freizeitaktivitäten oder fehlendes Nachkommen von Verpflichtungen. Betroffene suchen nach Ausreden, um immer mehr Zeit online zu verbringen.
  • Selbsttäuschung in Bezug auf Zeit und Häufigkeit der Onlineaktivitäten. Verwechslungsgefahr zwischen virtuellem und realem Leben, Prioritäten werden falsch gesetzt.
Ein Paar ist im Restaurant beim Essen, beide schauen aber auf ihr Handy.

Tipps zur Vermeidung einer Technologiesucht

Wer sich unsicher ist, ob er zu viel Zeit online verbringt und somit das Risiko einer Technologiesucht erhöht, der sollte versuchen, den folgenden Empfehlungen zu folgen. Diese Tipps mögen helfen, ein gesundes Verhältnis zu den Technologien zu entwickeln:

  • Erstellen eines „Fahrplans“ zur Nutzung von Handys und sozialen Netzwerken: Legen wir fest, wann wir unsere Handys nutzen oder wie viel Zeit wir mit Videospielen verbringen möchten. Ebenso können wir eine bestimmte Zeit nutzen, um Anrufe zu tätigen und Nachrichten zu beantworten.
  • Fassen wir uns kurz: Versuchen wir, unsere Ideen und Antworten in einer einzigen Nachricht unterzubringen. Überlegen wir, was wir sagen wollen.
  • App-Limits: Wir sollten versuchen, nur die Apps zu installieren, die wir täglich verwenden. Denn wenn wir zu viele haben, wird nicht nur unser Telefon langsamer, sondern wir vertrödeln auch mehr Zeit mit dem Abrufen von diversen Inhalten.
  • Soziale Isolation vermeiden: Genießen wir unsere Freizeit zusammen mit unseren Freunden und unserer Familie.
  • Respektieren wir die Zeit, die andere uns widmen: Rufen wir nicht an oder gehen wir nicht ans Telefon, wenn wir mit anderen zusammen sind. Legen wir unser Telefon nicht auf den Tisch, wenn wir gerade essen, um der Versuchung zu entgehen, einen schnellen Blick auf das Handydisplay zu werfen.
  • Lassen wir uns nicht von sozialen Netzwerken fesseln: Beteiligen wir uns an Gruppen, die wir für wesentlich erachten. Fragen wir uns, ob wir auf alles online reagieren müssen.
  • Vermeiden wir Geräte, die unseren Schlaf oder Ruhe stören: Versuchen wir, solche Geräte in anderen Räumen zu lassen, wenn wir schlafen.

Wir haben die Kontrolle

Wir leben zweifellos in einer Gesellschaft, die stark von Information und Kommunikation beeinflusst ist. In dieser Hinsicht müssen wir ein Gleichgewicht finden, damit Technologien keinen negativen Einfluss auf wirklich wichtige Bereiche unseres Lebens hat. Es liegt bei uns, Technologien als ein Werkzeug zu nutzen, um unsere Lebensqualität zu erhöhen, und sie nicht zu etwas zu machen, das diese vermindert.

„Die reale Gefahr besteht nicht darin, dass Computer wie Menschen denken, sondern dass Menschen wie Computer agieren.“

Sydney J. Harris