Die besten Therapien zur Behandlung von Traumata

Bei einem Trauma ist es ratsam, sich für spezialisierte Therapien auf diesem Gebiet zu entscheiden. Wir geben dir einen Überblick über die erfolgreichsten Traumatherapien.
Die besten Therapien zur Behandlung von Traumata
Valeria Sabater

Geschrieben und geprüft von der Psychologin Valeria Sabater.

Letzte Aktualisierung: 10. Juni 2024

Die besten Therapien zur Bewältigung von Traumata lassen sich in zwei Gruppen einteilen: Therapien, die sich auf das negative Ereignis selbst konzentrieren, und Therapien, welche die Symptome behandeln. Diese Arten von psychologischen Interventionen kommen vielfach zum Einsatz, um traumatisierten Menschen zu helfen, ihre Erfahrungen zu verarbeiten.

Paul Conti, einer der renommiertesten Psychiater auf diesem Gebiet, stellt in seinem Buch Trauma: Die unsichtbare Krankheit, die uns alle betrifft¹ fest, dass fast 70 % der Bevölkerung irgendwann im Leben ein traumatisches Ereignis erleben.

Nach Angaben der gemeinnützigen Organisation Mental Health America sind traumatische Ereignisse weltweit die Hauptursache für langfristige Beeinträchtigungen. Traumabedingte Angststörungen und Depressionen gehören zu den häufigsten Erkrankungen, die behandelt werden müssen. Gültige und wirksame Ressourcen zu haben, ist entscheidend.

“Was wir nicht verstehen, ist, dass Menschen durch ein Trauma grundlegend verändert werden. Sie verändern sich biologisch. Sie verändern sich in Bezug auf die Genexpression, die Hormone, die Chemikalien und die Neurotransmission, und das geht für immer so weiter.”

Paul Conti

Die besten Therapien zur Behandlung von Traumata

Mann denkt über die besten Therapien zur Behandlung von Traumata nach
Speziell auf die Behandlung von Traumata ausgerichtete Therapien sind am effektivsten, um traumatisierten Personen die Kontrolle über ihr Leben zurückzugeben.

Ein psychologisches Trauma wirkt sich nicht nur auf das Gehirn aus. Es verändert nicht nur die Art und Weise, wie wir denken, fühlen, uns erinnern oder die Realität verarbeiten. Diese schmerzhaften Ereignisse wirken sich auch auf den Körper aus. Eine Forschungsarbeit der Universität Kapstadt in Südafrika sowie andere Studien betonen, dass Traumata unsere gesamte Biologie nachhaltig beeinflussen.

Je früher der therapeutische Ansatz beginnt, desto erfolgreicher ist sie. Das Problem ist jedoch, dass viele Menschen erst nach Jahren oder Jahrzehnten zur Therapie kommen. Der Weg zur Genesung und Heilung kann lang und schwierig sein, aber es gibt Werkzeuge, die dir dabei helfen. Hier sind die besten Therapien zur Traumabewältigung.

1. Kognitive Verarbeitungstherapie (KVT)

Die kognitive Verarbeitungstherapie ist eine wissenschaftlich belegte Behandlung, welche die Neuformulierung der mit dem Trauma verbundenen mentalen Schemata fördert.

  • Das Ziel dieses Modells ist, dass die Person die erlebte Erfahrung mit einem geringeren Leidensdruck integriert und eine gesündere Sicht auf sich selbst und die Welt entwickelt (Resick et al., 2008b; Williams et al., 2011).
  • Diese Therapie ermöglicht es der Person, die dysfunktionalen Überzeugungen, die sie an das traumatische Ereignis binden, zu hinterfragen und zu verändern.

Dieses Modell, das von Dr. Patricia Resick in den 1990er-Jahren entwickelt wurde, arbeitet an den schmerzhaften Kognitionen, die in diesen Kontexten entstehen. Studien wie die der University of Missouri-St Louis verweisen daher auf seine Nützlichkeit bei der Behandlung von Frauen, die Opfer sexueller Übergriffe wurden.

2. EMDR-Therapie (Augenbewegungstherapie)

Die EMDR-Therapie ist eine der besten Therapien zur Traumabewältigung. Sie wurde in den 1980er-Jahren von Francine Shapiro² entwickelt, einer Neurologin und kognitiven Verhaltenstherapeutin, die nach einem Interventionsplan mit besseren Ergebnissen für Kriegsveteranen suchte.

  • Diese Therapie basiert auf der Technik der Augenbewegung oder der bilateralen Stimulation.
  • Diese Art der Hirnstimulation ermutigt die Person, das Geschehene zu verarbeiten, bis der emotionale Schmerz gelindert ist.
  • Während dieses Prozesses werden Emotionen, Erinnerungen und Bilder wachgerufen, während Patient und Psychologe gemeinsam daran arbeiten, die schmerzhafte Erfahrung zu integrieren.
  • Das EMDR-Modell basiert auf der Annahme, dass rhythmische Augenbewegungen es ermöglichen, traumatische Erinnerungen auf eine weniger beunruhigende Weise zu verarbeiten.

Frontiers in Psychology (2017) fügt hinzu, dass die EMDR-Therapie auch bei psychotischen oder affektiven Symptomen und chronischen Schmerzen hilfreich ist. Aus der Forschung zu diesem Thema geht hervor, dass EMDR besonders effektiv für Menschen sein kann, die im Laufe der Zeit komplexe und sich wiederholende Traumata erlebt haben, wie zum Beispiel emotionalen oder sexuellen Missbrauch in der Kindheit.

3. Robert Ciciones Trauma-Relief-Therapie

Eine weitere empfohlene Therapie zur Behandlung von Traumata wurde von Dr. Robert Cicicone entwickelt. Dieses Modell konzentriert sich mehr auf die Symptome als auf die Quelle der negativen Erfahrung. Das Ziel der Trauma-Relief-Therapie ist, das gesamte Krankheitsbild, das mit den Auswirkungen von posttraumatischem Stress verbunden ist, zu reduzieren.

  • Es handelt sich um eine nonverbale, körperliche Bewegungs- und Kunsttherapie.
  • Der Patient wird angeleitet, Bilder zu malen, die als kathartische Ressource dienen sollen.
  • Der Therapeut leitet die Person an, eine Reihe von Bewegungen auszuführen, um Angst und Stress abzubauen.
  • Es ist kein therapeutisches Mittel, das auf die Depression oder den Ursprung der negativen Erfahrung abzielt. Es geht beispielsweise darum, emotionale Schmerzen, körperliche Reaktivität, Stress und Kummer zu reduzieren.

Viele Menschen lassen nach traumatischen Erfahrungen Zeit verstreichen, bevor sie Hilfe suchen. Wenn sie das nicht tun, kann das Trauma ihre Existenz komplett bestimmen. Eine psychologische Therapie ist das beste Mittel, um die Kontrolle über das eigene Leben wiederzuerlangen.

4. Traumafokussierte kognitive Verhaltenstherapie (Tf-KVT)

Die traumafokussierte kognitive Verhaltenstherapie ist ein sehr nützliches Modell für den Umgang mit schmerzhaften Ereignissen in der Kindheit und Jugend. Traumata im Zusammenhang mit Missbrauch und/oder Misshandlung sind besonders häufig.

  • Diese Therapie ermöglicht der traumatisierten Person zu verstehen, wie das psychologische Trauma funktioniert und wie sie selbst auf das Erlebnis reagiert.
  • Sie hilft der Person, einen gesünderen mentalen Fokus zu entwickeln, um diese belastenden und verzerrten Sichtweisen zu reduzieren.
  • Dabei werden Techniken wie die kognitive Umstrukturierung, Emotionsregulierung und ggf. die Exposition gegenüber aversiven Reizen eingesetzt.

5. Somatische Therapien

Zu den interessantesten und besten Behandlungsmöglichkeiten gehören die somatischen Therapien. Somatic Experiencing (SE)³ von Dr. Peter Levine ist eine Referenz in diesem Bereich. Ihm zufolge führt jede schmerzhafte Erfahrung, die nicht angemessen verarbeitet wird, zu einer Dysfunktion im Nervensystem.

Dies führt zu Symptomen wie ständiger Alarmbereitschaft, der Verarbeitung von allem als Bedrohung, Schlaflosigkeit, Konzentrationsproblemen, emotionaler Dysregulation und vielem mehr.

  • Somatische Therapien helfen dabei, die mit dem psychischen Trauma verbundenen Symptome zu verringern.
  • Schrittweise wird die Person dabei unterstützt, die mit den Erinnerungen verbundenen Emotionen zu regulieren und so das Leiden insgesamt zu verringern.
  • Der somatische Ansatz führt die Person dazu, sich der körperlichen Empfindungen, die mit dem traumatischen Ereignis verbunden sind, bewusst zu werden.
  • Er geht von der Vorstellung aus, dass Geist und Körper miteinander verbunden sind und dass eingekapselte Erinnerungen daher immer ihre Spuren im Körper hinterlassen.

Viele Menschen mit Trauma leiden unter chronischen Schmerzen. In diesen Fällen sind somatische Therapien sehr hilfreich.

Mann spricht mit Therapeutin über die besten Therapien bei Traumata
Jedes Trauma sollte aufgearbeitet werden, um die körperlichen und seelischen Auswirkungen zu minimieren.

Finde die richtige Traumatherapie für dich

Wie du siehst, gibt es eine Vielzahl von therapeutischen Möglichkeiten zur Behandlung von Traumata. Symptomorientierte Therapien sind nicht sinnvoll, wenn du andere Komorbiditäten hast. Ein Trauma führt oft zu einer Stimmungsstörung. In diesem Fall ist eine kognitive Verhaltenstherapie angebracht.

Konsultiere in jedem Fall spezialisierte Psychologen, die eine adäquate Diagnose stellen können. Das Wichtigste ist, den Schmerz nicht beiseitezuschieben, ihn nicht zu verdrängen und so zu tun, als wäre er nicht passiert. Traumata sind wie Tintenflecken, die alles überdecken: das soziale Leben, die Arbeit und auch die Gesundheit.

Es gibt wirksame Mittel, um diese Wunden zu heilen, die Kontrolle über das Leben zurückzugewinnen und Hoffnung für die Zukunft zu haben. Zögere nicht, um Hilfe zu bitten.

▶ Lese-Tipp

  1. Trauma: Die unsichtbare Krankheit, die uns alle betrifft. Wie wir unsere seelischen Verletzungen erkennen und heilen, Paul Conti, VAK 2022
  2. Eye Movement Desensitization and Reprocessing (EMDR) Therapy, Francine Shapiro, Guilford Press 2017
  3. Resilienz – dein Körper zeigt dir den Weg, Isa Grüber, Irisiana 2021

Alle zitierten Quellen wurden von unserem Team gründlich geprüft, um deren Qualität, Verlässlichkeit, Aktualität und Gültigkeit zu gewährleisten. Die Bibliographie dieses Artikels wurde als zuverlässig und akademisch oder wissenschaftlich präzise angesehen.


  • Cicione, R.M., Fontaine, L.A., y Williams, C.N. (2002). Trauma Relief Unlimited: un estudio de resultados de un nuevo método de tratamiento. Trauma y Pérdida: Investigación e Intervenciones, 2(2), 25-33. https://traumareliefunlimited.com/Trauma%20relief%20unlimited%20research%20paper%20whole.pdf
  • Dalvie, S., & Daskalakis, N. P. (2021). The Biological Effects of Trauma. Complex psychiatry7(1-2), 16–18. https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC8443929/
  • Resick, P. A., Nishith, P., Weaver, T. L., Astin, M. C., & Feuer, C. A. (2002). A comparison of cognitive-processing therapy with prolonged exposure and a waiting condition for the treatment of chronic posttraumatic stress disorder in female rape victims. Journal of consulting and clinical psychology70(4), 867–879. https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/12182270/
  • Shapiro, F (1989). Efficacy of the eye movement desensitization procedure in the treatment of traumatic memories. Journal of Traumatic Stress, 2(2), 199–223. https://psycnet.apa.org/record/1989-40656-001
  • Thomas, F. C., Loskot, T., Mutschler, C., Burdo, J., Lagdamen, J., Sijercic, I., Lane, J. E. M., Liebman, R. E., Finley, E. P., Monson, C. M., & Wiltsey-Stirman, S. (2023). Initiating Cognitive Processing Therapy (CPT) in Community Settings: A Qualitative Investigation of Therapist Decision-Making. Administration and policy in mental health50(1), 137–150. https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC9832073/
  • Valiente-Gómez, A., Moreno-Alcázar, A., Treen, D., Cedrón, C., Colom, F., Pérez, V., & Amann, B. L. (2017). EMDR beyond PTSD: A Systematic Literature Review. Frontiers in psychology8, 1668. https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC5623122/

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